Sepp Ferstl gewann 1979 als letzter Deutscher die Streif. Hier erinnert er sich und erzählt über eine Familientragödie.

Kitzbühel - „Den Hügel, den musst’ erst mal bezwingen. Und wenn du das geschafft hast, dann hast scho was erreicht in deinem Leben.”

Der Hügel, das ist der Kitzbüheler Hausberg, auf dem die Streif, das härteste, das schwerste, das legendärste Abfahrtsrennen der Welt ausgetragen wird. Und der, der das sagt, hat viel mehr geschafft, als den Hügel nur zu bezwingen – er hat ihn besiegt. Gleich zwei Mal!

Die Rede ist von Sepp Ferstl, der 1978 und 1979 ganz oben auf dem Trepperl stand. Ferstl, der heute ein Fuhrunternehmen betreibt, ist damit der letzte Deutsche, der auf der Streif gewinnen konnte. Die Streif ist Legende, die Männer, die sie besiegen, werden zur Legende. „Das ist jetzt 34 Jahr’ her. Wahnsinn! Und irgendwie erinnern sich die Leute immer noch dran. Ein Sieg auf der Streif ist eben mehr wert als ein WM-Erfolg. Ich glaube, nicht, dass noch irgendjemand weiß, wer vor 34 Jahren Weltmeister geworden ist”, sagt der 58-jährige Ur-Bayer.

Mit 17 ist er das erste Mal in Kitzbühel gestartet, mit 18 hat es ihn im Training so aufgestellt, dass alle dachten, das war’s. Aber der Sepp ist nur ins Krankenhaus nei, da haben sie ihn ganzkörper-geröngt. Die Diagnose: Gebrochen ist nichts, der Sepp war nur ganzkörper-geprellt. „Da habe ich gesagt: Machts, dass I fahrn ko”, sagt Ferstl, der wieder vor Ort zuschauen wird, wenn sie am Samstag (11.30 Uhr. ARD) seinen Berg bezwingen wollen, der AZ. „Die hab’n mich eingegipst. Alles hat weh ’tan, aber fahren konnt’ I. Das kannst heute schon gar nimma erzählen. Das waren andere Zeiten.”

Vor einem Jahr, da hat sei Bua, der Peppi, sein Debüt auf der Streif gegeben. Er landete auf Platz 47, aber bezwungen hat er die Streif. Heuer ist er nicht dabei, bei der Abfahrt in Beaver Creek hat es den Buam fürchterlich aufgestellt. Nasenbeinbruch, zwei Zähne ausgeschlagen. „Die Trainer heute, die finden nicht den richtigen Ton. Die sind alle ned gefahren. Das ist bei den Österreichern anders, bei denen heißt es: Oben fahrst mit Verstand und unten schaltst den Kopf ein. Bei uns hauen’s nur drauf. Der Bua muss sich jetzt erst wieder finden.”

Das musste er sich schon im Jahre 2000. Da war der Junior mit seinem Onkel, dem Franz, beim Skifahren am Kitzsteinhorn. Franz Ferstl verpasste die Gletscherbahn am Kitzsteinhorn, er rief dem Peppi noch hinterher: „I’ komm’ gleich nach.” Er kam nie wieder. Der Onkel war in der Unglücksbahn, die im Tunnel Feuer fing. 155 Menschen starben damals – unter ihnen auch Franz Ferstl. „Eine Tragödie”, sagt der Sepp, „der Bua hatte damals einen unglaublichen Schutzengel. Ob das irgendwo in seinem Hinterkopf noch drin ist, kann nur er sagen.”