Die Freshfields-Ermittler legen die mit Spannung erwarteten Ergebnisse ihrer Ermittlungen vor.

München - Die WM 2006, das Sommermärchen, das nicht nur Fußball-Fans verzückte, sondern der gesamten Welt ein neues – ein freundliches, fröhliches, buntes – Gesicht von Deutschland offenbarte, war ein unvergessliches Ereignis. Doch wie sauber ist diese WM zustande gekommen? Am Freitag um 13.30 Uhr veröffentlicht die Kanzlei Freshfields die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zur WM-Affäre 2006. Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wer ist dabei? Die DFB-Interimspräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball sowie der designierte DFB-Chef Reinhard Grindel. Die damals Verantwortlichen fehlen.

Welche Fragen sollen beantwortet werden? Es geht um drei Fragen: Wohin sind die 6,7 Millionen, die 2005 nach bisheriger DFB-Darstellung verschleiert als Rückzahlung für Ex-adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus für ein angebliches Darlehen an die Fifa überwiesen wurden, tatsächlich geflossen? Gab es vor der WM-Vergabe Bestechungsversuche aus Deutschland? Wer wusste seit wann was von welchen Vorgängen?

 

Wer steht im Mittelpunkt?

 

Wer sind die Protagonisten? OK-Präsident Franz Beckenbauer, dessen Vize Horst R. Schmidt, die späteren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie Beckenbauer-Intimus Fedor Radmann.

Was sagen sie? „Ich bin mit mir im Reinen, werde mich nicht zu laufenden Ermittlungen äußern“, sagt Niersbach, „das haben andere getan.“ Vor allem Zwanziger. Der hatte die Affäre ins Rollen gebracht – und sieht sich als Unschuldslamm. „Wie soll der, der aufklären wollte, seine Pflichten verletzt haben?“ Beckenbauer sagt: „Ich habe meine Schuldigkeit getan und ein reines Gewissen.“

Was droht ihnen? Niersbach sitzt in den Exekutivkomitees der Fifa und Uefa und könnte bei Ermittlungen der Ethikkommission gesperrt werden. Sollte er belastet werden, könnte ihn der DFB zum Rückzug auffordern. Der Forderung muss er nicht folgen. Das hat auch Zwanziger nicht getan, als er 2014 zum Rückzug aus dem Fifa-Exko aufgefordert wurde. Zwanziger, Niersbach und Schmidt sind mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem „besonders schweren Fall“ konfrontiert.

 

Was droht dem DFB? Wie geht’s weiter?

 

Was droht dem DFB? Die Freshfields-Ermittlung ist eine interne Untersuchung. Der Hammerschlag könnte von den staatlichen Behörden kommen, die mehr Möglichkeiten haben, den Machenschaften von früher nachzugehen, auch über die deutschen Grenzen hinaus. Die Staatsanwaltschaft hat die Schweizer Behörden um Amtshilfe gebeten. Wegen der falschen Angabe der Zahlung als Beitrag zum Kulturprogramm für die Fifa in der Steuererklärung 2006 muss der Verband die Aberkennung seiner Gemeinnützigkeit für diesen Zeitraum befürchten. In diesem Fall kämen Millionen-Ansprüche des Fiskus auf den DFB zu. Dies könnte die Pläne, die EM 2024 auszurichten, tangieren.

Wie geht’s weiter? Grindel soll am 15. April zum DFB-Boss gekürt werden. Zudem will der DFB seine Verbandsstruktur modernisieren. In der nächsten Pressekonferenz könnten Staatsanwälte zu Wort kommen, die den DFB noch härter treffen könnten als die Freshfields-Enthüllungen.