Er wurde 90 Jahre alt Trauer um Weltmeister von 1954: Hans Schäfer ist tot

, aktualisiert am 07.11.2017 - 15:17 Uhr
Beim ersten deutschen WM-Triumph 1954 in Bern gegen Ungarn (3:2) gehörte Hans Schäfer zu den Leistungsträgern der Mannschaft um Kapitän Fritz Walter des damaligen Bundestrainers Sepp Herberger. Foto: imago/Sven Simon

Fußball-Weltmeister Hans Schäfer ist tot. Der ehemalige Kapitän der Nationalmannschaft und WM-Gewinner von 1954 starb am Dienstag im Alter von 90 Jahren, wie sein früherer Klub 1. FC Köln mitteilte. 

Köln - Fußball-Deutschland und der 1. FC Köln trauern um einen der "Helden von Bern": Hans Schäfer ist am Dienstag nur knapp drei Wochen nach seinem 90. Geburtstag gestorben. Dies bestätigte sein langjähriger Klub. "Die gesamte FC-Familie ist in tiefer Trauer und wir sind in Gedanken bei Hans Schäfers Angehörigen. Wir verlieren eine der größten Persönlichkeiten, die der 1. FC Köln je hervorgebracht hat." 

"Als Weltmeister und größte Ikone dieses Klubs ist Hans Schäfer unsterblich", sagte FC-Präsident Werner Spinner. Sein Tod sei ein unbeschreiblicher Verlust, teilte der Klub weiter mit. Zuerst hatte die Bild berichtet. Der Ur-Kölner wurde am 19. Oktober 1927 im Stadtteil Sülz geboren und wuchs in Köln-Zollstock auf.

Dort, beim Verein DJK Rheinland Zollstock, begann seine großartige Fußballer-Karriere mit dem Höhepunkt des Weltmeistertitels am 4. Juli 1954 beim 3:2-Finalerfolg gegen Ungarn im Berner Wankdorf-Stadion. Schäfer, der wegen seiner großen Nase von Freunden und guten Bekannten "de Knoll" genannt wurde, hatte ein spezielles Markenzeichen: seine Torschüsse.

Schäfer war regelmäßig Gast beim 1. FC Köln 

An den seiner Meinung nach schönsten Treffer, erzielt am 14. Juni 1953, erinnerte sich der 39-malige Nationalspieler stets besonders gern zurück. "Das war bei einem B-Länderspiel gegen Spanien in Düsseldorf. Ich habe eine Flanke aus der Luft genommen und in den Winkel gedroschen - der hat das Tornetz zerfetzt und ist hinten wieder rausgekommen."

Für Schäfer war das "Wunder von Bern" keins: "Es war einfach eine großartige Leistung einer großartigen Mannschaft." Auch von dem Begriff "Held" nahm er immer Abstand. Es sei doch kein Heldentum, wenn man ein Spiel gewinne, und sei es auch ein WM-Finale. Bis zuletzt, solange es ihm gesundheitlich möglich war, nahm Schäfer regen Anteil, war fast regelmäßig Gast bei den Heimpartien seines 1. FC, für den er in 507 Pflichtspielen 304 Tore erzielte.

Am 19. Oktober feierte er seinen runden Geburtstag und sagte, nun wolle er auch 105 werden. "Ich habe noch viel vor." Schäfer war ein echter "Kölscher Jung'", dessen Beliebtheitsgrad sehr hoch war. Mit dem FC wurde er 1962 und 1964 an der Seite des jungen Wolfgang Overath deutscher Meister.

Schäfer ein gefürchteter Torjäger

Schäfer war der erste deutsche Nationalspieler, der an drei WM-Endrunden hintereinander teilnahm (1954, 1958, 1962). In 39 Länderspielen erzielte er 15 Tore. Und er war nie ein Mann des großen Trubels. Viel lieber waren ihm Besuche am Geißbockheim im Kölner Grüngürtel, wenn er dort die Geschäftsstellen-Mitarbeiter begrüßte und immer ansprechbar war, Anekdoten aus seinem an Erfolgen und Ehrungen reichen Fußballer-Leben berichten sollte.

Und offen bekannte, dass er seinem FC nahe sein wollte, "bis ich Hundert werde und dann bei einem Glas Kölsch tot an der Theke umfalle", wie er anlässlich seines 75. Geburtstags wissen ließ. Im Kölner Stadtteil Zollstock wurde ihm auch das Einmaleins des Fußballs beigebracht.

Und seine Lehrmeister erkannten schnell, dass der Knirps ("Ich wollte als Kind immer Fußballspielen - morgens, mittags, abends") als Linksfuß eine Schusstechnik hatte, die ihn zu einem gefürchteten Torjäger machen sollte. Mit dem FC und dem damaligen Trainer Hennes Weisweiler stieg er 1949 in die Oberliga West auf.

Es sollten noch viele Erfolge werden: Westdeutscher Pokalsieger (1953, 1964), Westdeutscher Meister (1954, 1960, 1961, 1962, 1963), deutscher Meister 1962 und 1964, "Fußballer des Jahres" 1963. Im Notizblock des damaligen Bundestrainers Sepp Herberger stand Schäfer schon lange vor seinem Debüt im Trikot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), bei dem er am 9. November 1952 in Augsburg gegen die Schweiz zweimal traf.

Herberger schätzte den "Mitreißer" Schäfer als einen, der nie aufgab, nie resignierte, seine Mitstreiter immer wieder animierte.

Eckel zum Tod von Schäfer: "Ein ganz besonderer Mensch"

Horst Eckel, letzter noch lebender Weltmeister von 1954, hat tief bewegt auf den Tod seines WM-Mitspielers Hans Schäfer reagiert. "Er war ein herausragender Spieler und ein wichtiger Teil unserer Mannschaft, aber auch ein ganz besonderer Mensch und guter Freund", sagte der 85-Jährige.

Am Dienstagmorgen hatte er "die traurige Nachricht von dem Tod meines Kameraden und Freundes Hans Schäfers", erhalten. Eckel: "Ich hab mich noch mit ihm über seinen 90. Geburtstag gefreut. Da hatte ich das Gefühl, dass es ihm gut geht. Jetzt bin ich der letzte der Mannschaft und ich vermisse meine Kameraden."

Es sei für ihn ein sehr trauriger Tag, seine Gedanken seien in dieser schweren Stunde bei Schäfers Familie. "Es ziehen die Bilder jedes Einzelnen vor meinen Augen vorbei und auch die Erinnerung an ausgelassene Zeiten, Lachen und Freude", äußerte der ehemalige Spieler des 1. FC Kaiserslautern, "unsere Kameradschaft und der Fußball wird uns für alle Zeiten miteinander verbinden."

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