Englischer Garten Schwulen-Treff wird Eisbach-Kiosk

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Nicht nur für Frauen – auch wenn es der alte Schriftzug über der Tür suggeriert: Das „Fräulein Grüneis“ an der Eisbachwelle. Foto: Gregor Feindt Foto: Gregor Feindt

Noch gar nicht lange her, da galt das Häuschen nahe der Eisbachwelle als Schwulentreff. Ein Ehepaar hat daraus ein Lokal gemacht. Seit gestern ist das „Fräulein Grüneis“ eröffnet.

LEHEL - Das Häuschen mit hohem Dach und Schornstein steht schon seit 1906 an der Lerchenfeldstraße: Ein öffentliches Klo – das später als Fixer- und Schwulentreff galt. „Wer f... mich?“ stand auf einer Toilettenspülung, daneben einige Telefonnummern.

Sandra und Henning Dürr haben diese Spülung irgendwann gefunden und aufgehoben. Neben dem Schornstein und dem „Frauen“-Schild über dem Eingang ist es das letzte Erinnerungsstück an damalige Zeiten. Seit gestern ist das Klohäusl ein Kiosk – und zwar ein durchaus einladender.

Henning Dürr (42) hat jahrelang Filmkulissen gebaut und kennt sich aus mit Fassaden. So übernahm er im März 2011 die Renovierung. 55 Tonnen Schutt schleppten er und seine Helfer aus der denkmalgeschützten Verwahrlosung.

Er veränderte alles auf eigene Kosten und kämpfte mit den Auflagen der Schlösser- und Seenverwaltung. Die drückten dann doch manchmal ein Auge zu. Vielleicht auch, weil man ihn und seine Frau Sandra (34) so sympathisch fand. Die Außentür etwa sollte einerseits feuerfest, andererseits hölzern sein. Weil das unmöglich ist, verkleidete Henning die Metalltür mit Holz.

So bastelten die beiden sich ihr neues (Geschäfts-)Leben und stehen jetzt mitten drin. Der Gastraum des „Fräulein Grüneis“ ist ein kleiner Raum in Grau und Grün. Hinter dem hölzernen Tresen wird überwiegend Bio-Essen zubereitet. Brotzeit, Pasta, Milchreis, Knoblauch-Hähnchen, alles kocht Sandra Dürr selbst. „Darauf habe ich lange gewartet“, sagt ein Passant, als er den Kiosk entdeckt. Kinder laufen jubelnd an der neuen Errungenschaft vorbei.

Nur die Eisbach-Surfer sind geteilter Meinung. Manche fürchten, die Dürrs wollten mit „ihrer“ Welle Geld verdienen. Das Ehepaar nimmt es gelassen. Trotzdem, einen Bewegungsmelder haben sie angebracht, um ihr Häuschen nachts vor Graffiti zu schützen. Die beiden improvisieren, denn ganz fertig ist der Kiosk noch nicht. Was am dringensten fehlt, ist eine Klofrau – ausgerechnet.

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