Der DFB kann nur eine deutsche Stadt in der Bewerbung um die Euro 2020 ins Rennen schicken. Der einzig ernstzunehmende Konkurrent für München ist Berlin. Die AZ erklärt, warum Bayerns Landeshauptstadt die Nase vorn hat

MÜNCHEN Der Hut ist im Ring, die Überraschung perfekt, der Coup gelungen. Als allererste Stadt in ganz Europa hat sich München am Donnerstag um die Ausrichtung der europaweit stattfindenden Europameisterschaft 2020 beworben – und dürfte damit quasi mit einem Handstreich fast die gesamte nationale Konkurrenz ausgestochen haben. Während Dortmund, Stuttgart und Frankfurt noch über eine Bewerbung diskutieren oder sogar noch träumen, ist München offiziell im Rennen. Und weiß dabei die größtmögliche Allianz hinter sich: OB Christian Ude und Ministerpräsident Horst Seehofer unterstützen die Bewerbung, der FC Bayern wird sie umsetzen.
Damit können die anderen Städte nicht dienen.

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Und so bleibt als einziger ernstzunehmender Konkurrent für München wohl nur: Berlin. Bis September muss sich der DFB entscheiden, welche Stadt er ins Rennen schicken will: Die Bundeshauptstadt oder die Fußball-Hauptstadt. Die besseren Argumente weiß München hinter sich. In Zahlen steht es schon 5:1 für Münche

Faktor FC Bayern: Die Idee zur Bewerbung hatten in erster Linie Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß. Die Bayern werden die Bewerbung jetzt auch vorantreiben – und werben damit, dass die Bewerbung den Steuerzahler keinen Cent kosten werde. „Der FC Bayern braucht keine Bürgschaften”, sagte Seehofer. Die Bewerbung bezeichnete er als „Signal eines Weltvereins, einer Weltstadt und einer Weltregion”. Da kann Berlin mit dem derzeitigen Zweitligisten Hertha BSC nicht mithalten.

Faktor Politik: Obwohl Ude und Seehofer im Herbst Gegner sein werden bei den Landtagswahlen, arbeiten sie bei der Bewerbung eng zusammen. Maßgabe aller Gespräche sei immer gewesen, dass „hier nicht die Partei, sondern der Nutzen von Stadt und Land im Vordergrund steht”, sagte Rummenigge.

Faktor Erfahrung mit sportlichen Großereignissen: Die Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 wurde vom IOC einhellig gelobt, München scheiterte nur knapp. Das Champions-League-Finale 2012 war perfekt organisiert – München ist die Sport-Hauptstadt Deutschlands, im Juni finden die X-Games statt. Berlin muss 2015 erst noch beweisen, ob es ein Champions-League-Finale ausrichten kann.

Faktor sympathische Verlierer: Berlin wirbt mit „arm, aber sexy”, München mit „Mia san mia” und Sympathie: „Die Bayern können nicht nur großartig spielen und gewinnen, sondern auch sympathisch verlieren”, sagte Seehofer in Anspielung auf das Drama dahoam, bei dem es trotz der Final-Niederlage gegen Chelsea in der ganzen Stadt firedlich blieb.

Faktor Infrastruktur: Die Allianz Arena gehört zu den modernsten und faszinierendsten Arenen Europas, der Flughafen ist kaum zehn Minuten weg. Das Berliner Olympiastadion dagegen hat noch immer eine Laufbahn. Und ob der Flughafen irgendwann mal fertig wird?

Faktor Hauptstadt: Eigentlich wäre es Uefa-Boss Michel Platini lieber, wenn sich 13 Hauptstädte in 13 Ländern für die EM bewerben würden. Damit kann München nicht dienen. Andererseits ist Istanbul, der von Platini angeblich favorisierte Finalort, ja auch nicht die Hauptstadt der Türkei.