Peinlicher Eklat vor 1000 Gästen: Bei einer Rede im Münchner Nationalmuseum wird Kunstminister Spaenle gnadenlos ausgebuht.

München – Ein feineres Publikum hätte sich Kunst- und Kultusminister Ludwig Spaenle kaum wünschen können, als er vergangene Woche ans Rednerpult im Bayerischen Nationalmuseum trat. Der CSU-Mann wollte – nach Museumschefin Renate Eikelmann – die Eröffnungsrede zur Ausstellung „Bella Figura“ halten. Rund 80 Meisterbronzen aus dem 16. Jahrhundert sind hier bis 25. Mai zu bewundern. Die Exponate kommen aus Deutschland, New York, Los Angeles, Paris, Florenz, Wien und London. Ein Skulptur stammt sogar von Her Majesty, der Queen.

Im Publikum saßen Leihgeber, langjährige Förderer, Museums-Direktoren, die Crème de la Crème der Kulturszene und sehr viel Hochadel: Franz Herzog von Bayern, Alexander Herzog von Württemberg, Elisabeth Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein, Hubertus Fürst Fugger von Babenhausen oder Angela Fürstin zu Oettingen-Spielberg richteten die Augen auf Ludwig Spaenle. Umso niederschmetternder für den Minister, was dann geschah: Er wurde ausgebuht!

Zu den Textbausteinen, die der 53-jährige Minister gerne verwendet, gehören der Begriff „Kulturstaat Bayern“ oder wahlweise, wie verdient sich Bayern um die Kultur mache. Zuhörer, die den Minister öfter in der Öffentlichkeit sprechen hören, warten schon auf diese Textpassage. Eine hörbare Reaktion gab es darauf noch nie. Anders vergangene Woche.

Die Entscheidung, in München keinen neuen Konzertsaal zu bauen und stattdessen die Philharmonie zu erneuern, war erst wenige Tage zuvor gefallen und polarisierte die Münchner seitdem wie lange kein Kultur-Thema. Als Ludwig Spaenle nun in seiner Rede wieder vom „Kulturstaat Bayern“ sprach, brach in einem Teil des Publikums ein Sturm der Entrüstung los. „Buuuuuh! Buuuuuh!“, riefen sie. Einer der über 1000 geladenen Gäste zur AZ: „Das waren nicht nur vereinzelte Rufe, der Minister wurde richtig ausgebuht.“

Eine Peinlichkeit vor versammeltem Hochadel

In der Treppenhalle des 160 Jahre alten Gemäuers hallten die Buhs besonders laut. Der Minister und die unbeteiligten Gäste waren völlig perplex. Der Minister unterbrach seine Rede gezwungenermaßen. Dass solche Ausstellungen fast nur noch mit der Unterstützung von Mäzenen realisiert werden können, wäre ebenfalls ein Grund für Protest gewesen. „Doch an diesem Abend war allen klar, dass die Buhs nur der Konzertsaal-Entscheidung gelten konnten. Es war extrem peinlich für den Minister. Und das sah und hörte man ihm auch an“, sagte ein Gast.

Spaenle hüstelte verlegen, dann setzte er seine Rede – ohne auf die Zwischenrufe einzugehen – fort. Nicht nur er, auch die Gäste hatten so etwas in solch einem Rahmen noch nicht erlebt. Wenig später, der offizielle Teil war beendet, kam es noch zu einem zweiten ungewöhnlichen Ereignis bei einer Ausstellungseröffnung.

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Kaum war die Museumschefin mit Franz von Bayern, Minister Spaenle und einer kleinen Gruppe Gäste in die Ausstellung getreten, schlossen sich hinter ihnen die Türen. Doch die Generaldirektorin wollte keine Sonderführung geben, wie manche Gäste dachten. Italienische Sicherheitsleute hatten Panik bekommen wegen eines besonders wertvollen Exponats. Gleich am Eingang steht der berühmte Merkur des Starbildhauers Giovanni Bologna (Giambologna). Es ist eine Skulptur aus dem Bargello in Florenz, in dem auch Donatellos David steht. Normalerweise hat der Merkur Hausarrest – für die Münchner Ausstellung durfte er auf Reisen gehen. Und die Gäste durften ihn nur grüppchenweise bewundern.