Einsatz im Confed Cup Videobeweis sorgt für Diskussionen - Vidal mittendrin

Arturo Vidal versteht die Welt nicht mehr. Der Videobeweis beim Confed Cup sorgt für Diskussionen. Foto: imago

Jahrelang wurde der Videobeweis im Fußball von Fans und Experten gefordert. Seit diesem Wochenende gibt es ihn beim Confed Cup - und die Diskussionen sind beinahe genauso groß wie vorher. Bayern-Star Arturo Vidal steht dabei im Mittelpunkt.

Moskau - Am Ende des Spiels war die Verwirrung komplett. Bei der Partie Chile gegen Kamerun wendete Schiedsrichter Damir Skomina aus Slowenien in der Nachspielzeit zum zweiten Mal den Videobeweis an. Erst hatte er den Treffer des früheren Bundesliga-Stürmers Eduardo Vargas nicht gegeben, dann ließ er sich von seinem Assistenten am Bildschirm umstimmen. Die Spieler standen währenddessen ratlos auf dem Rasen des Moskauer Spartak-Stadions.

Und viele Zuschauer dachten, dies sei der Schlusspfiff, als Skomina nach einer gefühlten Ewigkeit entschied: Tor für Chile, 2:0 durch Vargas. Dabei blieb es dann.

Schon in der Nachspielzeit der ersten Hälfte sorgte der Videobeweis für heftige Disskussionen.

Der erste Treffer von Vargas nach einem Zuckerpass von Arturo Vidal wurde zunächst gegeben, aber dann wieder aberkannt (45.+1). Der Ex-Hoffenheimer stand knapp im Abseits.

Vidal beschwerte sich anschließend gestenreich beim slowenischen Schiedsrichter. Auch der Leverkusener Mittelfeldspieler Charles Aranguiz protestierte, weil es nach Ansicht der Chilenen in der entscheidenen Szene gleiche Höhe war.

Jahrelang wurde der Videobeweis im Fußball von Fans, Experten und Spielern gleichermaßen gefordert. Doch jetzt, wo er beim Confederations Cup in Russland zum ersten Mal testweise eingesetzt wird, sind die Diskussionen beinahe genauso groß wie vorher. "Es ist wahr: Dieses System kann eine Menge Atemnot hervorrufen", sagte Chiles Trainer Juan Antonio Pizzi. "Am Ende wird die Technologie aber wahrscheinlich mehr Gerechtigkeit in das Spiel bringen."

Video-Schiri lag vier mal richtig

Insgesamt vier Mal wurde die Frage "Tor oder kein Tor" am Sonntag bei den beiden Spielen zwischen Chile und Kamerun (2:0) sowie Portugal und Mexiko (2:2) erst nach einer Befragung des Video-Referees entschieden. Und damit wurden Stärken und Schwächen dieses Systems gleich am ersten Wochenende des Turniers offengelegt.

In allen vier Fällen wurde durch den Videobeweis am Ende eine korrekte Entscheidung herbeigeführt.

Auch beim Spiel Portugal gegen Mexiko zahlte sich der Einsatz der Technologie aus. Ein Abseits-Tor für den Europameister wurde nach Rücksprache mit dem Video-Schiedsrichter nicht gegeben (21.). Beim 2:1 durch Cedric Soares (86.) ergab die Befragung: alles korrekt.

"Wichtig ist: Es wurden die richtigen Entscheidungen getroffen", sagte auch Kameruns Trainer Hugo Broos. "Der Videobeweis kann etwas sehr Wichtiges werden. Das hat sich heute gezeigt."

Entscheidungsfindung zieht sich in die Länge

In allen vier Fällen dauerte die Entscheidungsfindung allerdings auch sehr lange und stiftete dadurch viel Verwirrung. Nach Chiles vermeintlichem Führungstor hatten die Südamerikaner schon ausgiebig gejubelt, und auch Kameruns Team stand längst wieder zum Anstoß bereit. Erst dann entschied der Referee: doch kein Tor.

Gerade diese Szene zeigte zudem: Manchmal sind Abseits-Positionen selbst mit Hilfe bewegter Bilder nur schwer zu erkennen. Über die Frage "War der Treffer von Vargas regulär oder nicht?" ließ sich auch nach dem Videostudium noch weiterdiskutieren.

Einen anderen kritischen Punkt sprach Portugals Trainer Fernando Santos an: Wann wird der Videobeweis eingesetzt und wann nicht? "Der Videoreferee wurde nur bei unseren Toren benutzt, obwohl die Szene vor dem 2:2 auch sehr komplex war", sagte er. Mexikos Hector Moreno (90.+1) hatte in der Nachspielzeit noch den Ausgleich erzielt. Selbst Mexikos Stürmer Javier Hernandez von Bayer Leverkusen meinte hinterher: "Es ist etwas schwierig, sich daran zu gewöhnen."

Noch befindet sich der Videobeweis nur in der Testphase. Ob er in einem Jahr auch bei der Weltmeisterschaft in Russland eingesetzt wird, ist noch nicht entschieden. Per Funk sind die Schiedsrichter mit einem Assistenten vor einem Bildschirm verbunden. Eingegriffen werden soll nur bei entscheidenden Situationen wie Toren, Abseits, Roten Karten oder Elfmetern.

"Das Wichtigste ist die Ehrlichkeit des Spiels", sagt der FIFA-Schiedsrichter-Chef Massimo Busacca. Und auch der Gastgeber des Confed Cups lobt den Videobeweis: "Mir hat gefallen, wie das System funktioniert hat. Das entlastet den Schiedsrichter und verteilt die Verantwortung", sagte der russische Vizeregierungschef und langjährige Sportminister Witali Mutko der Agentur Tass.

Lesen Sie auch: Sticht Carlo Pep beim Walker-Poker aus?

  • Bewertung
    1

JETZT LESEN

2 Kommentare

Kommentieren

  1. null