Hier erzählen Leute von ihrem Wochenende: Heute ist das Malerin Naomi Lawrence, die gern entspannt ausgeht und fürs Viertel bastelt

Die Malerin (45) studierte Kunsterziehung an der LMU. Seit 1996 ist sie freischaffende Künstlerin. Sie lebt in Untergiesing.

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Von Naomi Lawrence

Am Wochenende verzichte ich meist auf meinen morgendlichen Sprung ins Schyrenbad. Zu voll. Trotzdem gehört Bewegung zu meinem Leben einfach dazu. Auch wenn ich mich jetzt gerade nach einer Meniskus-OP noch schonen muss.

Mein Arbeitsalltag sieht so aus, dass ich vormittags Büroarbeit erledige, Projekte organisiere. Ich mache viel Soziales, zur Zeit male ich mit alleinerziehenden Müttern von behinderten Kindern. Später gehe ich runter ins Atelier und widme mich meinen Bildern. Bunte Comicmalerei. Von zehn Tagen sind acht harte Arbeit, einer, an dem ich verzweifle, und einer, an dem ich sage – wups, jetzt läuft’s.

Hier in Untergiesing habe ich die Isar direkt vor der Haustür. Ich bin auch am Samstag um sechs Uhr wach, dann will ich was machen. Am Ufer sitzen und beim Isarflimmern entspannen, bevor die Jogger alle aufbrechen, selbst entlang joggen oder radeln – ich bin hier gern.

Meinen Kaffee trinke ich dann im Café Hüller in der Eduard-Schmid-Straße oder im Baader Café in der Baaderstraße. Die sind für mich eine Alternative zum Glockenbachviertel-Hype: geerdeter, mit normalem Publikum und von Leuten gemacht, die mit dem Herz dahinter stehen. Zum Wohlfühlen.

Später bummele ich vielleicht durchs Viertel, schaue beim Buch in der Au in der Humboldtstraße durch die Auslage. Das erinnert mich immer an einen netten Tante-Emma-Laden. Tolle Ausstellungen macht die Färberei in der Claude-Lorrain-Straße, die hat sich jungen Graffitikünstlern verschrieben. Dann spaziere ich noch beim Künstlerbüro in der Sommerstraße 9 vorbei und arbeite ein bisschen am Katalog zum Forum, ein kommendes Projekt in der ZKMax-Unterführung. Da stelle ich ab Juli mit aus. Manchmal gibt’s in diesem Künstlerkeller Tag der offenen Tür, dann kann jeder mal schauen, was da so entsteht.

Abends gehe ich gern in die Glockenbachwerkstatt in der Blumenstraße. Im Sommer kann man super im Hof sitzen, und im Programm sind immer wieder nette Jam-Sessions. Oder auf ein Bier ins Lucullus in der Birkenau, da trifft sich das Viertel.

Wenn Essen gehen will, schaue ich in die Cooperativa in der Jahnstraße: Eine Chance hat man dort immer, weil man nicht reservieren kann. Wahnsinnig gut ist der Ziegenkäse mit Birnenspalten und Walnüssen – die Portionen sind riesig, die kann man auch teilen. Ein bisschen ist die Atmosphäre dort wie in einem italienischen Hofbräuhaus. Da setzt man sich einfach dazu. Das Müller und Söhne im Westend ist auch ein sehr angenehmes Lokal mit sehr leckerem Essen.

Wenn ich könnte, würde ich am Sonntag in die Berge in die Kletterhalle Thalkirchen gehen. Den Sport habe ich neu für mich entdeckt: Da liegt die Ruhe in der Kraft. Man braucht kaum Ausrüstung und es hat was vom Kraxeln in der Kindheit – das bringt mich eher hektische Person etwas runter.

Vielleicht trifft sich die Untergiesinger Aktionsgruppe dann später in meinem Atelier. Da engagiere ich mich gegen Gentrifizierung. Bei mir basteln wir nette Accessoires für Demos. Ist immer witzig mit dieser umtriebigen Gruppe. Und abends kann ich gut einfach mal daheim sein und lesen.