Hier erzählen Menschen der Stadt von ihrem Wochenende: Heute ist das Christos Davidopoulos, der Platten und Fischgerichte liebt – und seine Couch

Der Geschäftsführer des „Optimal Records“ Plattenladens (52) ist nebenbei DJ und CD-Herausgeber. Er lebt im Glockenbachviertel

Anzeige

Von Christos Davidopoulos

Ob Wochenende oder nicht, mein Tag beginnt entweder in der Loretta Bar in der Müllerstraße oder im kleinen, aber feinen Dukatz in der Klenzestraße – was mich in diese beiden Läden führt, ist der gute Kaffee. Für mich als Zeitungsjunkie fängt der Tag erst an, wenn ich eine durchgeblättert habe. Unter der Woche und am Samstag geht es dann ins Optimal. Seit ’82 gibt es den Plattenladen, zur gleichen Zeit bin ich aus Griechenland nach München zum Studieren gekommen – und habe hier gejobbt.

Eigentlich bin ich jetzt Diplomphysiker, aber mein Leben ist die Musik. Das hatte ich nicht geplant, aber so etwas kann man auch nicht planen. Herausgeber, Label-Inhaber, DJ und Radioshows – ich mache eigentlich alles, nur selbst keine Musik.

Ich wohne nah beim Laden. Ein guter Grieche hier ist Anti in der Jahnstraße – der macht diesen Glockenbach-Hype nicht mit, ein Laden für ganz normale Leute mit bodenständigem Essen. Mittags radle ich gern zum Viktualienmarkt, bei schönem Wetter ist das das beste überhaupt. Dann gibt’s entweder Fisch oder eine Suppe von der Suppenküche, und die besten Brezn gibt’s bei Karnoll.

Ansonsten bin ich mittags auch gern im La Bouche in der Jahnstraße, dann kann man dort verhältnismäßig günstig essen. Und besonders am Freitag, zum Fischtag gehe ich gern hin. Ein Franzose kocht dort sehr feine Gerichte. Auch abends fein, dann sollte man reservieren.

Mit dem besten Kino der Stadt ist das Viertel auch gesegnet, dem kleinen Werkstattkino. Da schaue ich am Wochenende gern Filme. Und ein, zwei Mal im Monat lege ich auf. DJ sein ist für mich auch Gelegenheit, selbst das neue Zeug zu hören, das ich mir gekauft habe. Im Import/Export in der Goethestraße etwa, eine Kneipe, die früher ein türkischer Lebensmittelladen war. Da bin ich auch gern Gast, weil sie dort ein sehr gutes Kulturprogramm haben – offen für alles.

Manchmal lege ich sonntags im X-Cess auf, der Isi und seine Crew sind Freunde. Afrika-Karibik-Musik über neueste House-Entwicklungen bis Country. Früher war es ja ums Eck vom Optimal, und in den Anfangszeiten haben wir da unsere Anlage mit reingestellt, Leute eingeladen, aufgelegt – geholfen eben.

Wenn ich gute elektronische Musik hören möchte, mache ich das in der Roten Sonne am Maximiliansplatz. Aber ich gehe da nur wegen der Musik hin, aus dem Clubbing-Alter bin ich raus. Auch das Kilombo im Westend mag ich als Kneipe, am 11. November lege ich dort wieder auf, und die Geyerwally in der Geyerstraße – auch wenn sich da das Publikum sehr verjüngt hat. Und, klar, hier in der Müllerstraße gibt es noch das Pimpernel.

Ich bin gern im Zentrum unterwegs, weil hier alles zu Fuß erreichbar ist. Aber manchmal, wenn ich am Samstag um 18 Uhr aus dem Laden komme, esse ich noch schnell eine Kleinigkeit im La Bouche oder ein Sandwich in der Loretta – und dann lege ich mich mit einem Buch auf die Couch. Und freue mich über die Ruhe.