Ein Gast erzählt von der Gartenparty mit der Queen "Die Queen hat mich schelmisch angelächelt"

Der Fotograf Martin Lengemann (li.) trifft am Donnerstag die Queen in Berlin. Foto: Buddy Bartelsen

Martin Lengemann ist Gast auf der Gartenparty der Queen. Er spricht mit der AZ über die Stimmung und warum er die Einladung bekommen hat.

Berlin - Die Queen treffen, ihr ganz nah sein. Das haben sich viele gewünscht. Für den Fotografen und Journalisten Martin Lengemann aus Berlin ist der Wunsch wahrgeworden.

AZ: Herr Lengemann, Sie waren einer von 650 Gästen auf der exklusiven Gartenparty der Queen. Wie war’s?
Martin Lengemann: Es war wunderschön! Das klingt vielleicht ein bisschen komisch, weil es eine Staatsveranstaltung war und man denkt, es ist alles total organisiert, aber Sie können fragen, wen Sie wollen: Es war für alle ein unvergesslicher Sommerabend. Es war eine wahnsinnig entspannte Atmosphäre.

Obwohl die Majestät höchstpersönlich da war?
Als die Queen durch den Garten gelaufen ist, na klar, war da jeder für sich nervös. Jeder denkt in dem Moment: Da kommt sie jetzt. Spricht sie vielleicht mit mir? Aber ansonsten war die Atmosphäre wirklich ganz leicht und entspannt.

Wie war die Queen gelaunt?
Man hat gemerkt, ihr macht sowohl der Besuch in Deutschland als auch der Abend Spaß. Obwohl sie schon die Anstrengungen des Tages in Frankfurt am Main hinter sich hatte, machte sie einen ganz fitten und relaxten Eindruck. Und, haben Sie mit ihr sprechen können? Ich habe nicht mit ihr gesprochen. Sie war so ungefähr auf Armeslänge von mir entfernt. Sie hat mir in die Augen geschaut, wir haben uns gegenseitig zugenickt und sie hat mich ein bisschen schelmisch angelächelt.

Sind sie darüber enttäuscht, dass es bei einem Blickkontakt geblieben ist?
Nein, das kann man auch nicht erwarten, dass Sie bei 650 Gästen mit jedem spricht. Und bei mir war das dann noch so: Die Queen lächelte mich an und ging weiter, und bevor ich überhaupt darüber nachdenken konnte, hatte schon der Bundespräsident meine Hand und sagte: „Wie schön, dass Sie gekommen sind!“

Zwei Kollegen haben Lengemann ohne sein Wissen für das Fest vorgeschlagen

Wie kamen Sie eigentlich zu der Einladung der Botschaft?
Zwei Kollegen haben mich bei der Facebook-Aktion vorgeschlagen. Ich wurde unter 1300 Nominierungen ausgewählt. Vorgeschlagen werden konnten Menschen, die sich besonders für das deutsch-britische Verhältnis einsetzen.

Was genau machen Sie?
Ich mache ein Projekt namens „Die Narbe“, in dem ich in verschiedenen Formaten die Einzelschicksale von deutschen und britischen Soldaten im ersten Weltkrieg an der Westfront in Frankreich und Belgien erzähle.

Wie kamen Sie auf die Idee?
Es ging mit der Geschichte meines Urgroßvaters los. Er war im Frühjahr 1918 an der Somnes im Niemandsland. Da ist er zwischen den Schützengräben auf einen britischen Soldaten getroffen. Das Wunder: Die Jungs haben nicht aufeinander geschossen, sie wollten beide weiterleben. Sie sind zusammen in einen Granattrichter gesprungen und saßen nun da – keiner konnte die Sprache des anderen. Sie haben zusammen geraucht und und gemeinsam auf die Dunkelheit gewartet, dann ist jeder zurück in seinen Schützengraben gekrochen. Danach hat mein Urgroßvater 56 Jahre lang über den Krieg geschwiegen. Bis ihn sein Urgroßenkel gefragt hat: „Warst du eigentlich auch im Krieg?“

Daraus ist dann ihr Projekt entstanden?
Im Frühjahr 2014 bekam ich den Auftrag für die „Welt am Sonntag“ eine Spurensuche an der ehemaligen Westfront zu machen. Die Verwüstung in der Landschaft zog sich wie eine Narbe hindurch. Ich kam auch an die Stelle, wo wahrscheinlich mein Urgroßvater war. Das war der Moment, an dem ich beschloss, das alles aufzuschreiben, um es für meine zwei Kinder zu erhalten. Sie sollen sehen, dass der Erste Weltkrieg nichts Theoretisches ist, sondern Einzelschicksale. Diese Geschichte vom kleinen Frieden im großen Krieg erschien dann auf ganzen fünf Zeitungsseiten. Auf die große Resonanz hin habe ich eine Internet-Datenbank „Die Narbe“ mit all diesen Inhalten – unter anderem mit Karten, Filmen und Lebensläufen daraus gemacht.

Weiß die Queen von diesem Projekt?
Der Botschafter hat gesagt, sie wurde gebrieft, wer da ist und warum. Für mich war die Einladung einfach eine unglaubliche Belohnung für diese Arbeit.

Und zum Schluss: Wie lang ging die Party denn?
Die Queen ist so um 19.45 Uhr gegangen. So gegen viertel nach acht löste sich die Feier dann langsam auf.

Interview: Rosemarie Vielreicher

 

Zur Person Martin Lengemann: Der Berliner Fotograf (45) ist von der britischen Botschaft zur Gartenparty mit der Queen ausgewählt worden. Er arbeitet mit seinem Projekt „Die Narbe“ das deutsch-britische Verhältnis auf. Das Projekt ist im Internet unter die-narbe.net einzusehen.

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