EHC Top-Torjäger im AZ-Interview Brooks Macek: "2017 war absolut verrückt!"

Mit 19 Treffern der beste Torschütze des EHC Red Bull München in dieser Saison: Stürmer Brooks Macek. Foto: Rauchensteiner / Augenklick

Mit seinen 19 Treffern ist der Deutsch-Kanadier Macek der Toptorschütze des EHC Red Bull München. In der AZ spricht er über Trainer Jackson, die Olympischen Spiele und Geniestreiche von Aucoin.

Der 25-jährige Nationalstürmer Brooks Macek spielt seit 2016 beim EHC Red Bull München, mit dem es am Freitag (19:30 Uhr) gegen die Eisbären Berlin geht.

AZ: Herr Macek, Sie müssen ja eigentlich zur Zeit mit dauerroten Ohren durch die Gegend laufen.
BROOKS MACEK: Okay. Warum das denn?

Weil Ihr Trainer Don Jackson, der nicht gerade einen Hang zur ausgeprägten Schwärmerei hat, nach dem 4:1-Sieg des EHC Red Bull München über Mannheim ein wahres Loblied auf Sie angestimmt hat.
(lacht) Wenn Sie Ohrenzeuge waren, was hat er denn genau gesagt?

Dass Sie unglaublich als Spieler, als Mensch gewachsen sind, dass Sie einen großartigen Torriecher haben und für den EHC immens wichtig sind.
Seinem Trainer darf man ja nicht widersprechen. Aber Spaß beiseite, ich empfinde es auch so, dass ich mich sehr weiterentwickelt habe. Wir als Mannschaft gewinnen und natürlich ist es extrem befriedigend für einen Stürmer, wenn man selber auch trifft und so zum Erfolg der Red Bulls seinen Beitrag leisten kann. Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass ich die Zeit und die Tore nicht genieße.

Ein ganz besonderes Lob gab es von Coach Jackson dafür, dass Sie gelernt haben, auch defensiv zu denken, nicht nur offensiv.
Das stimmt. Das ist etwas, was man als Stürmer im System von Don sehr schnell kapieren muss. Alles beginnt mit der Defensive. Wir greifen alle an, wir verteidigen alle. Es hat sicher ein bisschen gedauert, bis ich dieses System in all seinen Details verinnerlicht habe. Und das Tolle ist: Don belohnt dich dafür. Wenn man sein Vertrauen gewonnen hat, gibt er einem immer mehr Aufgaben. Er ist bei jedem Schritt, den man als Spieler macht, an deiner Seite. 2017 war für mich ein absolut verrücktes Jahr. Ich musste mich in München mit all seinen Staus zurechtfinden. Ich habe meinen großen sportlichen Traum erfüllen können und die Meisterschaft geholt. Ich habe geheiratet. Was für ein verrücktes Jahr - und ich hoffe, 2018 wird genauso verrückt!

Sie sind mit 19 Treffern bester Torschütze des EHC und der zweitbeste der DEL, schauen Sie jemals die Statistiken an?
Nein, ich bin kein Statistik-Typ, das interessiert mich nicht so. Aber ich muss auch sagen, dass mein persönlicher Erfolg direkt mit meinem Sturmpartner Keith Aucoin zusammenhängt. Nicht umsonst ist er mit Abstand der beste Scorer der DEL, er macht jeden Spieler besser, der das Privileg hat, mit ihm auf dem Eis zu stehen.

Ich vergaß zu erwähnen, dass Jackson auch noch gesagt hat, dass Sie ungemein bescheiden sind und Sie Erfolg immer anderen zuschreiben.
(lacht) Er hat wirklich viel über mich gesagt. Aber ich finde, Bescheidenheit steht eigentlich jedem gut. Und Keith ist unglaublich. Er ist zwar 39, aber er wird immer noch besser. Er liest das Spiel, diktiert es und ich hatte das Glück, bei ganz vielen seiner Geniestreiche die Lorbeeren einheimsen zu können.

Dann haben Sie ihm hoffentlich was zu Weihnachten geschenkt.
Hätte ich wohl machen sollen.

Wie fühlt es sich an, im ersten Hockey-Halleluja gegen Angstgegner Nürnberg 1,5 Sekunden vor der Schlusssirene der Verlängerung das Siegtor zu erzielen?
Das war ein Moment in meiner Karriere, den ich sicher nicht vergessen werde. Seit ich in München bin, haben wir, so weit ich mich erinnere, noch nie gegen Nürnberg gewonnen, und dann vor 10.000 Fans in der Olympiahalle den Puck so kurz vor Schluss zu versenken, das ist pures Adrenalin. Es geht nicht nur um die Punkte, sondern eben auch das Signal, dass wir Nürnberg schlagen können. Am Freitag geht es jetzt gegen die Eisbären Berlin, die in der Tabelle knapp hinter uns stehen, da wollen wir das nächste Statement abgeben.

Knapp 30.000 Zuschauer werden bei den drei Hockey-Halleluljas in der Olympiahalle gewesen sein. Ist München für die neue Halle, die Red Bull bauen will, bereit?
Absolut! Man merkt jeden Tag, wie wir mehr in der Stadt wahrgenommen werden. Die Meisterschaften in den letzten beiden Spielzeiten haben da sicher viel bewirkt. München ist bereit für diesen Schritt. Und wir sind es natürlich auch.

Sie sind Deutsch-Kanadier. Was ist für Sie typisch deutsch, was typisch kanadisch?
Das ist eine schwierige Frage. Das deutsche Essen, die Schnitzel, das ist für mich ganz typisch deutsch. Und kanadisch natürlich die harten Winter. Ich habe gerade mit meiner Familie daheim telefoniert. Sie haben im Moment minus 30 Grad. In Kanada ist man harte Winter zwar gewohnt, aber das macht dann doch keinem mehr Spaß. Bei minus 30 Grad kann man kaum noch das Haus verlassen, ohne sich Erfrierungen zu holen. Die Winter in Deutschland sind viel regnerischer, wobei es hier in München schon besser ist, als in Iserlohn, wo ich zuvor gespielt habe.

Haben Sie schon was von Bundestrainer Marco Sturm gehört? Werden Sie für Deutschland bei den Olympischen Spielen dabei sein?
Noch hat er sich nicht gemeldet, aber bald müsste er den Kader für sich zusammengestellt haben. Es wäre eine unglaubliche Ehre für mich, wenn ich dabei sein könnte. Südkorea, das wäre eine ganz andere Kultur, die man dann kennenlernen könnte.

Fühlen Sie sich eigentlich mehr als Deutscher oder als Kanadier?
Ich denke, man hat mich da genau in der Mitte geteilt, da ich jetzt seit fünf Jahren in Deutschland lebe. Ich bin daher beides, ich trage beide Seiten in meinem Herzen.

Machen Sie sich eigentlich Sorgen wegen der politischen Lage in Südkorea?
Nicht so sehr. Ich bin kein Mensch, der sich von Was-wäre-wenn-Gedanken die Lust am Leben nehmen lässt.

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