EHC-Neuzugang im AZ-Interview Aulie: "Einschüchterung gehört zu meinem Spiel"

"Ich suche keinen Ärger, aber ich lasse mich sicher nicht rumschubsen", sagt EHC-Neuzugang Keith Aulie, hier in seiner Zeit in Tampa Bay. Foto: imago

Der frühere NHL-Star Keith Aulie verstärkt nun den EHC München. Exklusiv in der AZ spricht er über alte Kameraden, wie er seinem Vater als Kind das Leben rettete und seinen Spitznamen Muhammad Aulie.

München - Keith Aulie im AZ-Interview: Der 28-jährige Kanadier spielte 168 Mal in der NHL. Der Verteidiger unterschrieb nun beim deutschen Meister EHC Red Bull München.

AZ: Herr Aulie, willkommen in München, willkommen beim EHC! Ihre Anreise hierher war aber gleich eine rechte Odyssee, ein Schneesturm verhinderte Ihr pünktliches Eintreffen.
KEITH AULIE: Das stimmt, wir mussten uns ziemlich in Geduld üben. Das ist nicht wirklich einfach, wenn man einen 19 Monate alten Sohn hat und auch noch den Hund mitbringt. Die haben ja so viel Energie in sich, die sie gerne loswerden wollen, da sind solche Verspätungen natürlich schon zehrend. Aber irgendwann sind wir ja dann doch noch gut angekommen. Es kann also nur besser werden (lacht).

Was waren für Sie, den 168-maligen NHL-Spieler, die Gründe, jetzt beim EHC Red Bull München, dem deutschen Double-Meister zu unterschreiben?
Ich hatte einige Angebote, daher habe ich meine Hausaufgaben gemacht und mich über jeden Verein genau informiert. Ich mochte, was ich von den Red Bulls sah und hörte.

Es dürfte nicht gestört haben, dass mit Steve Pinizzotto, Jason Jaffray und Daryl Boyle drei ehemalige Teamkollegen von Ihnen beim EHC spielen.
Das stimmt. Ich habe mit Steve und Daryl lang telefoniert und mir angehört, was sie zu sagen haben. Denn ich war in meinem Leben noch nie zuvor in Deutschland. Als Familienvater will man ja wissen, worauf man sich einlässt. Sie haben nur Gutes berichtet und sie würden mich nicht anlügen. Es ist schon komisch, wie klein die Eishockey-Welt ist. Sieben Jahre nachdem man zusammen gespielt hat, ist man plötzlich wieder in einem Team zusammen. In einem anderen Land, auf einem anderen Kontinent.

Wie würden Sie sich als Spieler beschreiben?
Ich bin ein Verteidiger, der seine Priorität in der Defensive sieht, vor dem eigenen Tor aufzuräumen. Ich habe sehr an meiner Schlittschuh-Technik gearbeitet, damit ich mit den Kleinen, Wendigen mithalten kann. Als ich mit Eishockey angefangen habe, war ich nur ein großer, kräftiger Kerl, aber ich bin dabei, mein Spiel zu komplettieren.

Sie sind 1,98 Meter groß, 103 Kilo schwer.
Ja, falls man mich sucht, man wird mich auf dem Eis finden. Ich bin ein Spieler, der hart spielt, der es für den Gegner so unangenehm wie möglich macht. Jeder soll sich zwei Mal überlegen, ob er wieder da hin will, wo ich bin. Ich kann auf dem Eis ein mürrischer Typ sein. Einschüchterung gehört definitiv zu meinem Spiel.

Dann passen Sie ja bestens zu Pinizzotto.
Wir haben sicher einen ähnlichen Ansatz, wenn es um Eishockey geht. Wir geben alles und spielen hart.

Wenn man Videos von Ihnen im Internet sieht, dann sieht man Sie sehr oft in Faustkämpfe verwickelt.
Das war früher mehr, seit zwei Jahren gibt es in Nordamerika viel weniger inszenierte Kämpfe. Davon halte ich auch nichts, man muss sich nicht zur Show prügeln. Aber wie gesagt, Härte und auch Einschüchterung gehören zu meinem Spiel. Ich suche keinen Ärger, aber ich lasse mich sicher nicht rumschubsen. Privat bin ich aber ganz anders, da bin ich locker und relaxt, will eigentlich nur eine gute Zeit haben.

Trotzdem haben Sie in Anlehnung an Muhammad Ali, den größten Boxer aller Zeiten, mal den Spitznamen Muhammad Aulie gekriegt!
(lacht) Das habe ich auch schon gehört, wenn auch nicht viele Leute mich so nennen. Aber es gibt schlimmere Namen als diesen.

Sie sind mit der Cousine von NHL-Superstar Ryan Getzlaf von den Anaheim Ducks verheiratet.
Stimmt! Meine Frau und ich albern da auch gerne rum. Ich sage dann immer, ich hoffe, unser Sohn Emerson bekommt die spielerischen Fähigkeiten der Getzlafs in seiner DNA ab und von mir die Arbeitseinstellung und die Physis. Wenn das so kommen sollte, wird er ein verdammt guter Spieler (lacht).

Ihre Familie stammt aus einem 500-Einwohner-Ort in Kanada. Dort haben Sie Ihrem Vater 2005 das Leben gerettet.
Ich weiß zwar nicht, wie die Geschichte publik geworden ist, aber sie ist richtig. Ich war 15 Jahre alt, mein Vater war dabei, auf einem zugefrorenen See mit dem Traktor den Schnee zu entfernen, um ein Eishockeyspiel vorzubereiten. Dann ist plötzlich der Traktor eingebrochen, obwohl er die Festigkeit des Eises geprüft hatte. Ich habe dann gesehen, wie mein Vater versinkt und plötzlich unterhalb des Eises gefangen ist und nicht rauskommt. Es war eine der furchterregendsten Erfahrungen, die man sich vorstellen kann. Ich bin dann aufs Eis gelaufen und habe meinen Vater irgendwie zu fassen gekriegt und ihn aus dem Wasser ziehen können.

Zum Glück waren Sie damals schon ein kräftiger Kerl.
Ja. Es ging wirklich um Leben und Tod. In dem Moment denkt man nicht viel nach, der Schock sitzt viel zu tief, man reagiert einfach nur. Aber uns beiden ist dann sehr schnell klar geworden, wie nahe wir an einer Tragödie waren, dass es auch ganz anders hätte enden können. Das vergisst man wirklich nie.

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