Ex-EHC-Star Gyori ist derzeit arbeitslos - er hofft, mit neuem Pass einen Verein zu finden.  Der drittbeste Scorer der Vereinsgeschichte im AZ-Interview.

Herr Gyori, noch vor zwei Jahren spielten Sie mit dem EHC in der DEL, sind sogar der drittbeste Scorer in der Vereinsgeschichte. Heute sind Sie vertragslos. Woran liegt's?


DYLAN GYORI: Ich hoffe, dass mich ein Verein noch will – aber derzeit ist der Wettbewerb um die Ausländerlizenzen riesengroß. Die Profis aus der NHL, die wegen der Spieleraussperrung in die Ligen drängen, nehmen Spielern wie mir die Plätze weg.


Also Spieler wie Paul Stastny und Blake Wheeler, die derzeit beim EHC spielen. Ist das nicht auch toll?


Für die Fans schon! Ich hoffe, dass es gut für mich ausgeht. Ich hatte die Option zu Beginn der Saison in Hannover zu bleiben, aber das hat dann doch nicht geklappt. Als Eishockeyspieler muss man extrem flexibel sein. Ich hoffe, dass ich wieder bessere Chancen habe, wenn ich einen deutschen Pass bekomme.


Stimmt, was macht denn der Pass? Der EHC wollte Sie vor der Saison unter Vertrag nehmen, wenn Sie keine Ausländerlizenz belegen.


Tja, ich habe alle Tests gemacht, seitdem warte ich. Aber ich respektiere diesen Prozess natürlich, das muss schon alles genau geprüft werden. Vier Monate habe ich das Integrationsprogramm durch gemacht, habe oft vier Stunden am Tag gelernt. Den Einbürgerungstest habe ich im April bestanden, nachdem ich beim ersten mal durchgefallen bin. Jetzt habe ich immerhin gelernt, dass die deutschen harte Arbeiter sind und sehr fokussiert. (lacht)


Sie werden bald 34 und können nur zeitweise beim EHC trainieren. Denken Sie an die Zeit nach der Karriere?


Das ist eine gute Frage, die ich mir auch oft stelle. Natürlich möchte ich so lange wie möglich spielen. Danach will ich in Deutschland bleiben, am liebsten in München und in Verbindung mit dem EHC. Vielleicht eröffne ich ja eine Eishockey-Schule in der Eishalle. Ich habe schon mit EHC-Nachwuchstrainer Ron Chyzowski gesprochen. In der Eishalle ist ab Juli schon Eis, dazu Ron, der viele Spieler kennt, die man fördern kann. Das ist doch ein gutes Konzept!


Können Sie trotz Ihrer schwierigen Situation überhaupt beruhigt Weihnachten feiern?


Ich bin am Sonntag nach Kanada geflogen und habe das hinter mir gelassen. Jetzt feiere ich erst mal mit der Familie Weihnachten, dann komme ich wohl wieder nach München zurück. Aber wie gesagt: man muss als Eishockeyspieler flexibel sein. Ganz frustriert bin ich noch nicht.