AZ: Herr Neureuther, es gibt ja wieder etwas Hoffnung fürs Münchner Eishockey – aber wie haben Sie es als Fan des EHC München aufgenommen, dass der Verein bereits Verhandlungen aufgenommen hat, seine Lizenz an Schwenningen zu verkaufen und damit womöglich Eishockey in München sterben zu lassen?

FELIX NEUREUTHER: Mit großer Bestürzung. Ich konnte es eigentlich gar nicht glauben. Wir reden hier schließlich von München, einer Riesenstadt. Sich vorzustellen, dass sich hier Eishockey nicht etablieren kann, dass es in München vielleicht bald kein Spitzeneishockey geben wird, das fällt mir wirklich schwer.

Drei Ihrer besten Freunde – Martin Buchwieser, Uli Maurer und George Kink – spielen beim EHC, haben Sie mit denen bereits über die Situation gesprochen?

Ja, habe ich, die Nachricht der letzten Woche hat sie auch wirklich vollkommen umgehauen. Die wollten das auch nicht glauben. Ich muss zugeben, da bin ich jetzt schon als Freund gefragt. Und ich bin natürlich für alle da. Es ist für sie keine einfache Phase, diese Ungewissheit ist bedrückend.

Warum tut sich Eishockey – eine der weltweit populärsten Sportarten – in München so schwer?

Ich kann es mir nicht erklären. Ich war etwa bei der „vollen Halle“ im Dezember live dabei, als der EHC in der ausverkauften Olympiahalle gegen Augsburg gespielt hat. Da war eine Atmosphäre, eine Stimmung, die vergisst du nie. Das ist einzigartig. Eishockey ist so eine grandiose Sportart – wer das einmal live erlebt hat, der weiß, was ich meine. Das kann dir sonst fast keine Sportart bieten.

Sie haben ja in Ihrer Jugend selber viel gespielt. Wenn man Ihren EHC-Freunden glauben darf, waren Sie aber mehr der Mann fürs Grobe.

Mei, in Garmisch waren wir natürlich oft auf dem See und haben gespielt, wenn man aber dann plötzlich mal in voller Ausrüstung spielt, merkt man erst, wie viel schwerer das ist und was das für Künstler auf den Kufen sind. Für mich war es so, dass da mit großen, filigranen Bewegungen nicht mehr so viel ging. Ich würde mein Engagement als Eishockeyspieler so beschreiben: Ich habe immer alles gegeben.

München scheiterte mit seiner Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2018, jetzt denkt man darüber nach, ob man sich für 2022 oder 2026 wieder bewerben sollte. Fürchten Sie, dass ein Aus für das Profi-Eishockey in München auch ein Rückschlag für eine mögliche erneute Olympiabewerbung bedeuten würde?

Ich denke schon, ich fürchte schon. Ich bin immer noch der festen Überzeugung, dass München eine Riesenstadt für Olympia 2018 gewesen wäre. Aber wenn jetzt Eishockey, was ja eine Riesenolympiasportart ist, scheitern sollte, ist das sicher kein gutes Zeichen, keine gute Werbung. Eishockey ist eine olympische Kernsportart. Wenn man gesehen hat, was für ein Volksfest beim Eishockey bei Olympia in Vancouver abgefeiert wurde – und das wird auch 2014 in Sotschi nicht anders sein –, dann weiß man um den Wert dieser Sportart für Olympia. Eishockey ist in so vielen Ländern der Welt die Sportart Nummer 1. Gut ist das sicher nicht für eine Olympia-Bewerbung, wenn eine Olympiasportart wie Eishockey in München nicht Fuß fassen kann. Aber ich hoffe sehr, dass der EHC hier noch lange in der DEL spielen wird und ich mir das dann auch immer wieder anschauen kann. Das wäre gut fürs Eishockey, für München und auch für eine Olympiabewerbung.