Efeu vs. Wärmedämmung Schwabing: Streit um die grüne Wand

Vera Stühler (r.) und ihre Nachbarin Inge von Rimscha ärgern sich: Der schöne Efeubewuch an der riesigen Wand hinter ihnen soll weg. Foto: Daniel von Loeper

Wer im Schwabinger Norden öfter spazieren geht, kennt die dicht bewachsene Mauer. Nun soll der Efeu weg – das sorgt für Ärger.

Schwabing - Der Garten von Vera Stühler ist ein grünes Paradies, wie es nur noch wenige mitten in der Stadt gibt. Alte Apfelbäume, Mirabellen, ein Gemüsebeet mit Tomaten, Kohlrabi, Brokkoli – und dann ist da noch diese riesige Efeuwand.

Als hier im Schwabinger Norden Mitte der 70er Jahre die benachbarten Stadthäuschen einem mehrgeschossigen Wohnhaus weichen mussten, handelte die Familie Stühler mit dem Bauträger einen Deal aus. Die Abendsonne, die freie Sicht auf den Olympiaturm – all das war mit dem Bau zwar futsch. Aber immerhin: Die Wand des neuen Nachbarhauses wurde begrünt.

Seit fast 45 Jahren hangelt sich der Efeu nun die Wand hoch. Es ist ein dichtes Stadt-Biotop entstanden. Eichhörnchen, Fledermäuse, Spechte – eine ganze Reihe von Tierarten hat hier inzwischen ein Zuhause gefunden. Doch nun soll der Efeu weg.

Die Eigentümer des Wohnhauses wollen eine Wärmedämmung anbringen. In Stühlers Unterlagen findet sich zwar noch heute ein Brief, der das damalige Abkommen besiegelt. Im Grundbuch wurde das aber nicht eingetragen. "Das war der Fehler", sagt Stühler.

Streit um Efeu seit einem Jahrzehnt

Seit zehn Jahren gibt es nun schon eine juristische Auseinandersetzung um die Efeuwand. Erst stritten sich die Anwälte miteinander, seit vergangenem Jahr beschäftigt die Sache nun auch das Münchner Landgericht.
Nun könnte man den Streit als läppische Angelegenheit abtun, ganz nach dem Motto: Alte Villen-Lady kämpft um ihren grünen Garten. Ganz so einfach ist das aber nicht: Die Auseinandersetzung fällt in eine Zeit, in der wegen des enormen Baudrucks selbst im Rathaus um jeden Zentimeter Stadtgrün gerungen wird. Dachbepflanzung, Fassadenbegrünung – das sind die Schlagworte der Stunde.

"Deswegen kämpfe ich jetzt auch", sagt Stühler. Ihrer Ansicht nach ist die Dämmung nämlich vollkommen überflüssig. Zum einen handle es sich um eine Brandschutzmauer, ohnehin schon 35 Zentimeter dick und zudem nicht auf der Wetterseite. Und zum anderen dämme der halbe Meter Efeu schließlich auch schon sehr gut, sagt Stühler.

Hausverwaltung: "Erneute Begrünung nicht vorgesehen"

Bei der Umweltorganisation Green City sieht man das ähnlich. Dort propagiert man Grünbewuchs als Gebäudeschutz, kleidsam und energetisch hilfreich zugleich. Dämmen wollen die Nachbarn aber trotzdem.

Vertreten wird die Eigentümergemeinschaft durch die Sollner Grundbesitzverwaltung. Diese teilt auf Anfrage mit, dass am Haus bereits mehrere Maßnahmen zur Energieeinsparung ergriffen worden seien. Nun sei eben die letzte, bislang noch ungedämmte Wand an der Reihe.

Es sei sehr bedauerlich, dass "sinnvolle Energieeinsparungsmaßnahmen durch gerichtliche Auseinandersetzungen unnötig hinausgezögert werden", so die Sollner Grundverwaltung. Auch einem Kompromiss will die Hausverwaltung nicht zustimmen. Stühler hatte vorgeschlagen, die Wand nach Abschluss der Bauarbeiten erneut zu begrünen – auf eigene Kosten. Dazu teilt die Hausverwaltung mit: "Eine erneute Begrünung unserer Fassade nach Anbringung der Wärmedämmung ist nicht vorgesehen und auch nicht gewünscht."

Nun wird also wohl tatsächlich das Gericht entscheiden müssen, wie es mit der Schwabinger Efeuwand weitergeht. Ein Gutachter ist bereits bestellt. Der soll sich die Wand demnächst mal anschauen.

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