Eduard Augustin beobachtet Paare – und freut sich, dass es über Männer und Frauen noch so viel zu erzählen gibt.

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Das Klischee sagt, Frauen würde es schwer fallen, sich kurz zu fassen. Sie könnten, so heißt es, wenn es darum gehe, einen Satz zu bilden, auf keine einzige Silbe verzichten. Der Urheber des Klischees ist wahrscheinlich ein Mann, das dürfte klar sein, und was er sagen wollte, auch: Die reden halt zu viel.

Ich bin mir nicht sicher. Würden sie immer nur reden wollen, wären Kurznachrichten doch gar nicht ihr Ding. Aber nein, sie lieben sie sehr. Dabei zeigen sie sich als Meisterinnen der Effektivität: Sie können in einer SMS mehr Information, oder das, was sie für informativ halten, zusammenfassen, als 160 Zeichen vermuten lassen. Steht auch alles auf grammatikalisch wackligem Boden, stört sie das nicht.

Ganz wild wird es, wenn sie Abkürzungen entwickeln, die eine SMS zum Kunstwerk machen. Ich hatte mal eine Bekannte, die konnte alles, einfach wirklich alles, abkürzen. Wollte sie über eine Verspätung zum Restaurantbesuchmit Freunden informieren, sandte sie eine SMS, die nur für Eingeweihte zu entziffern war – und bis heute bin ichmir nicht sicher, ob ich mich jeweils zu diesem Kreis zählen durfte: „Z hat 20MVspt. N böse sn. Fgt schon x an. xox!“

Meine Frau dagegen kürzt nicht ab, sie hält sich insgesamt recht kurz: „Inder? Bäh“ heißt zum Beispiel, dass sie es vorziehen würde, zum Italiener zu gehen. Und sollte sie mich irgendwann verlassen, muss ichmit einem Text rechnen, der „Ich. Schluss.“ lauten könnte.