Eduard Augustin, Münchner Bestseller-Autor und AZ-Kolumnist, beobachtet Paare — und freut sich, dass es über Männer und Frauen noch so viel zu erzählen gibt.

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Man sagt, es sei vernünftig, Einkäufe für Silvester bereits drei Tage vorher getätigt zu haben. Aber wer will schon vernünftig sein? Wir jedenfalls nicht. Wir wissen ja auch am Morgen des 31. 12. noch nicht, wo wir essen, wer mitisst und was gereicht werden soll. Folglich darf der Einkauf auch nur knapp, bitte erst nach 13 Uhr, erledigt werden. Alles andere wäre Unfug.

Es ist also 13.05 Uhr, da meine Frau und ich uns an der Wursttheke eines Supermarktes einfinden, der noch 25Minuten lang geöffnet ist. „Was gibt's denn?“, fragt meine Frau, und bevor ich antworten kann, ergreift die Verkäuferin die Initiative. Keiner weiß nun besser als sie, was jetzt noch weg muss. „Schweinefilet ist im Angebot“, sagt sie und duzt mich plötzlich: „Das nimmst!“ Ich zucke zusammen und befürchte, als nächstes ein Radl Gelbwurst gereicht zu bekommen („Damit du groß und stark wirst“).

Aber meine Frau beendet die Verwirrung und sagt: „Wir essen kein Schwein“, was die Verkäuferin völlig aus der Bahn wirft: „Käsetheke ist da hinten. Da findest auch du was!“ Wir, dieses neugegründete Trio aus Duzfreunden, einigen uns auf die Mitte. Rind, so stimmen wir überein, liegt nämlich ungefähr dort. Räumlich, nicht geschmacklich. Als meiner Frau plötzlich ein Zwillingskinderwagen (der an Silvester häufiger im Supermarkt anzutreffen ist als an allen anderen Tage des Jahres) in die Hacken fährt, explodiert sie – und ich finde es anrührend, dass das Jahr 2012 mit einem ordentlichen Fluch endet.