Edita Gruberova in München Edita Gruberova: Zurück zu den Wurzeln

Sopranistin Edita Gruberova will noch eine Weile singen. Foto: Tobias Hase/dpa

Am Sonntag sing Edita Gruberova Mozart im Prinzregententheater - ein Gespräch über Auftritte in München und ihre Gedanken ans Aufhören

AZ: Frau Gruberova, mit Mozart gehen Sie zurück zu den Anfängen, sind Sie nostalgisch?
Im Studium habe ich mit dem „Veilchen“ begonnen, Zerlina, Barbarina. So jung ahnt man gar nicht, dass das Einfachste von Mozart das Schwierigste ist. Am Konservatorium hat ein Geigen-Professor gesagt, du bist eine Mozartsängerin. Jetzt will ich mir und der Welt zeigen, dass ich immer noch eine Mozartsängerin bin.

Ist Mozart Ihr Liebling?
Könnte man sagen. Er heilt ja auch die Stimme. Voraussetzung ist aber die hundertprozentige Beherrschung der Technik. Bis 60 habe ich ja geglaubt, ich hätte die beste der Welt. Dann spürte ich, es geht nicht wie gewohnt.

Und dann?
Bin ich in München an eine Stimmbildnerin geraten, Gudrun Ayasse, die hat mir etwas ganz Neues beigebracht. Ich habe vor sechs Jahren meine Technik komplett umgestellt.

Ist es jetzt leichter?
Jaaaa! Absolut. Ich nenne das die letzte Wahrheit. Dieses Mozart-Programm könnte ich mit der alten Technik nicht mehr singen.

Sind Sie diszipliniert?
Das muss man sein. Gerade bei so was. Das ist schwieriger als Belcanto.

Wie bitte?
Ja, im Belcanto kann man die Töne halten, sich Zeit lassen, es gibt viele Variationen, aber Mozart bedeutet Ordnung. Und in der muss man bleiben.

Haben Sie sonst noch ein geheimes Elisir?
Nein, ich versuche, gesund zu leben, achte auf mein Gewicht und kämpfe vermutlich wie jede Frau in meinem Alter. Wenn ich aufhöre, sage ich immer, passe ich nicht mehr auf.

Geht Ihnen das Aufhören ernsthaft durch den Kopf?
Diese Frage drängt sich auf. Manche sind froh, wenn sie in meinem Alter in Pension gehen können. Hätte ich die Technik nicht umgestellt, ging’s mir genauso. Aber ich habe keine Probleme. Nur bei längeren Pausen, wie jetzt um Weihnachten, gewöhne ich mich ans Nichtstun. Aber kaum spielt das Orchester, ist es um mich geschehen. Wenn ich das Publikum begeistern kann, ist das das Allerschönste. Wie eine Droge.

Apropos Staatsoper: Wie sind Sie denn mit Herrn Bachler verblieben?
Ich komme im Juli für zwei Lucrezias, dann ist 2015 etwas, ich glaube „Roberto Devereux“, auch die Lucrezia. Außerdem ist ein Japan-Gastspiel 2017 im Gespräch. Aber 2017 ist schon sehr weit weg.

Arien-Konzert im Prinzregententheater, Sonntag, 2. Februar 2014, 20 Uhr, Karten unter Tel. 089 / 54 81 81 81

JETZT LESEN

0 Kommentare