Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren
Artikel bewerten [0.00/0]

E10 Einführung ging auch sprachlich daneben

dpa, vom 02.04.2011 15:12 Uhr

Der Start des neuen Super-Kraftstoffes E10 ist auch aus sprachwissenschaftlicher Sicht gründlich missglückt.

Mannheim - So seien die Schlüsselbegriffe bei der Einführung der Spritsorte sehr unglücklich gewählt und hätten zur Verunsicherung der Verbraucher maßgeblich beigetragen, sagte der Direktor des Mannheimer Instituts für Deutsche Sprache (IDS), Prof. Ludwig Eichinger, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Vor allem der offizielle Begriff "E10-Verträglichkeit" sei ein gutes Beispiel für den großen Einfluss der Sprache - die Automobilindustrie hatte ihrer Liste mit Autos, die E10 tanken dürfen, den Titel "E10-Verträglichkeit" gegeben. "Verträglichkeit klingt natürlich nach großer Vorsicht und ist daher auch nicht geeignet, die Sorgen der Nutzer zu zerstreuen - wenn sie denn begründet sind", sagte Eichinger, dem neutralere Alternativen einfallen. "Da wäre so etwas wie "E10-Eignung" oder Ähnliches zweifellos eine positivere Variante gewesen."

Dem Wissenschaftler zufolge schwingt bei "E10-Verträglichkeit" immer mit, dass der Kraftstoff eben auch unverträglich sein kann und damit ein Potenzial für Schäden hat. Die offizielle Bezeichnung sei somit geradezu geeignet, Misstrauen hervorzurufen und Skepsis zu bestätigen. "Denn bei "E10-Verträglichkeit" hat der Konsument natürlich sofort die Idee: "Die formulieren so vorsichtig wie sie nur können, weil sie selber auch nicht genau wissen, wie es ist", sagte Eichinger. "Es klingt nach einer Juristenformulierung."

Zur Verunsicherung mag beitragen, dass bei den Autos mit und ohne E10-Eignung wenig Systematik erkennbar ist. Je nach Modell sind auf der Liste einige Baujahre ausgenommen oder aber bestimmte Motoren, die dann in anderen Generationen wieder als verträglich gelten. Auch die jüngsten Beteuerungen der Autohersteller, die Liste sei "verbindlich" und die Autofahrer könnten "sich darauf verlassen", änderte wenig an der Tatsache, dass E10 Ladenhüter ist und bleibt.

Eichinger kritisiert auch den Produktnamen E10, der für die zehn Prozent Ethanol-Anteil steht. "Ich glaube nicht, dass vielen klar ist, wofür Buchstabe und Zahl stehen." So werde dann gerätselt. "Und das ist ein echtes Problem, weil wir das E mit Nummern dran beispielsweise als Bezeichnung für Zusatzstoffe im Essen kennen."

Die Abkürzung sei zu inhaltsleer und knüpfe an nichts Bekanntes an. "Ethanol ist ein hochgradiges Fachwort, das man zwar kennt, aber sicher nicht unmittelbar mit dem Buchstabenkürzel in Verbindung bringt", sagt der 60-Jährige, der das IDS seit 2002 leitet.

Sprachwissenschaftliche Tipps hat Eichinger parat: "Man hätte eine Benennung suchen sollen, die irgendwie in die üblichen Reihen passt und sich an Bekanntes anlehnt. Etwa, indem man den neuen Sprit marketingtechnisch ausschließlich Super-Ethanol nennt. Damit hätte man gewiss eine größere positive Stimmung schaffen können."

Auch bei der Umschreibung als Bio-Kraftstoff oder Bio-Super sieht der Experte Probleme: "Die jetzige Diskussion, wie "bio" das wirklich ist, hängt sicherlich auch damit zusammen." Sein Vorschlag für die Beschriftung der Zapfsäulen: "Ich hätte es Super-Ethanol genannt und druntergeschrieben, dass es zehn Prozent Ethanol-Anteil hat."

Kommentare (4)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
  • Kommentare schreiben
Anzeigen
APR
04
13:13 Uhr, geschrieben von Anonymer Benutzer
Benzinator
Also der Mann resp. die Frau hat recht - man sollte wirklich einen Superator verkaufen - das gefällt mir. Und das sich jetzt auch schon Sprachwissenschaftler mit diesem Schmarrn beschäftigen ist ja wohl ein Witz. Hauptsache der Name ist werbewirksam psychologisch gut ausgewählt und dann kauft der Verbraucher alles??? Glaubt der wirklich der Autofahrer denkt nicht darüber nach was er da tanken soll?? Gerade am Wochenende hatten wir einen Besucher hier - vor 2 Wochen war er (Technisch bewanderter Autofahrer) sehr sehr überzeugt davon E10 fahren zu können und auch zu wollen - und dann hat ers getankt und festgestellt, daß sein Motor nicht mehr vernünftig läuft, v.a. im höheren Belastungsbereich - irgendwie nicht so wie normalerweise - irgendwie unrund. Er wirds nach Möglichkeit nicht mehr tanken. Und hätte das E10 einen besseren Namen gehabt, dann wär er sicherlich weiter davon überzeugt gewesen oder wie? Albern.
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
2
Kommentar bewerten
APR
04
10:11 Uhr, geschrieben von Anonymer Benutzer
Super!
Vielleicht sollte man statt "E10 ist [Fäkalwort]" besser schreiben: E10 ist doppel-plus-ungut... Ist E10 der nächste Kandidat für die Euphemismus-Tretmühle: Siehe den Artikel "Euphemismus-Tretmühle" in Wikipedia..
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
4
Kommentar bewerten
APR
04
10:06 Uhr, geschrieben von Anonymer Benutzer
E10
Auch Alkosprit-- Super-Sprittopopp-- und alle schönen Namen werden nicht helfen... Mann kann sich das Zeug vielleicht schönreden... Aber sein Auto kann man sich mit dem Zeug auch nicht Schöntanken... Mann sollte dieses "Politikgeschenk" genauso schnell beerdigen wie andere Politikergeschenke siehe Rechtschreibreform, Sommerzeit, Tagfahrlicht, Fehlende Kennzeichnungspflicht für Klonfleisch.. und so weiter ... Es ist schon ein Kreuz mit der Politik, und ich werde es demnächst woanders machen ..
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
6
Kommentar bewerten
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  2
nächste
Angst vor Ansturm auf griechische Banken
[Kommentare 2] In Griechenland wächst die Angst vor einem Ansturm auf die Banken. An einem einzigen Tag sollen die Griechen in dieser Woche fast eine Milliarde Euro abgehoben haben.
Starke Nachfrage: Facebook bringt mehr Aktien unters Volk
Weil sich die Investoren um einen Anteil am boomenden Sozialen Netzwerk reißen, verkaufen die Alteigentümer um Gründer Mark Zuckerberg mehr eigene Aktien als ursprünglich geplant.

Anzeige

Die AZ-Top-Bilder
mehr Bilder mehr Bilder
Anzeigen & Verlagsbeilagen zum Durchklicken
 
Das München-Wetter
 
 
Anzeige
Nachrichtenticker
22:58   Drei Menschen verbrennen in Auto
22:52   Deutliche Verluste beim Dow Jones
22:30   Medien: Hewlett-Packard plant Abbau von bis zu 30 000 Jobs
22:19   Größter Internet-Börsengang: Facebook 16 Milliarden Dollar
22:03   Gewaltverbrecher aus Klinik geflohen
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Interaktiv
  • Umfrage
olympia_fotolia

Im Olympiapark ist mit dem Champions-Festival das größte UEFA-Fan-Fest aller Zeiten. Gehen bzw. gingen Sie hin?

 
Ja klar, ein absolutes Muss!
Mal sehen, das mache ich vom Wetter abhängig.
Nein, derlei Veranstaltungen interessieren mich nicht.
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Meist gelesen
  • Meist kommentiert
  • Neueste Artikel
  • Facebook
  • Twitter
Video
Börse und Finanzen

 

Webtipps

Der tägliche Super Deal der AZ