DTM im Olympiastadion: Auch die zweite Auflage kann überzeugen. Nur der Leerlauf zwischen den Rennen stört.

MÜNCHEN Der Asphalt bleibt da. Auch wenn die DTM-Fahrer ihren Dienst im Olympiastadion bereits am Sonntagabend beendet haben, wird das grobkörnige Geläuf mit den Gummispuren dieses Mal nicht entfernt. Sondern bleibt liegen bis zur dritten Auflage im kommenden Jahr.

Wann das Oly wieder von Beton in seiner Mitte entfernt wird, hängt auch davon ab, ob der Dreijahresvertrag (bis 2013) zwischen dem Olympiapark München und der DTM verlängert wird. Die Gespräche laufen. Wie bei der Premiere 2011 war das Showevent auch dieses Mal ein Erfolg für beide Partner. Die AZ-Bilanz der zweiten Auflage:

SPORTLICH: Zahlreiche Unfälle wie beim DTM-Debüt 2011 blieben dieses Mal aus. Die beiden Strecken hatten größere Auslaufzonen und wurden zudem für die Zuschauer übersichtlicher, weil parallel, gestaltet. Die Transparenz hat sich also deutlich verbessert. Von allen Plätzen im Stadion war jetzt ersichtlich, welcher Fahrer vorne liegt. Ralf Schumacher, der am Samstag den Staffelwettbewerb mit Jamie Green gewann, lobte den neuen Kurs: „Im Gegensatz zum Vorjahr haben wir dieses Mal eine richtige Rennstrecke." Obwohl der 37-Jährige zuvor im AZ-Interview Zurückhaltung angekündigt hatte, trat der Bruder des siebenfachen Weltmeisters Michael Schumacher am Samstag in die Vollen. Auch die anderen Fahrer hielten sich an beiden Tagen nicht zurück, zahlreiche Verbremser und Kollisionen mit der Bande waren dafür der beste Beweis. BMW-Pilot Bruno Spengler sagte: „Es ist echt ’ne große Show!” Sein Stallkollege Joey Hand meinte: „Ich gebe immer Vollgas. Deshalb bin ich Rennfahrer geworden.” Fazit: Insgesamt besser als 2012. Der Staffelwettbewerb und die neue Streckenführung geben den Ausschlag.

SHOW IM STADION: Dröhnende Motoren und Stars zum Anfassen. Die Zuschauer wurden beim DTM-Showrennen bestens bedient. Nirgendwo sonst haben die Fans die Gelegenheit, so nahe dran zu sein. Beeindruckend auch die Drift-Show von Terry Grant oder die Einlagen der Red Bull X-Fighters – neben den DTM-Endläufen Höhepunkt des Wochenendes. Was dieses Mal aber fehlte, war etwa der im Vorjahr ausgetragene Scirocco-Cup, bei dem auch Promis wie Andi Brehme und Karl-Heinz Riedle über die Strecke wetzten. Oder der Besuch eines Formel-1-Fahrers: 2011 drehte Nico Rosberg ein paar Demorunden. Für Musik sorgten dieses Mal Stereolove und Stefanie Heinzmann. Im Vorjahr war Mando Diao da. Fazit: Plus für die erste Auflage, der Leerlauf zwischen den einzelnen DTM-Läufen war erneut zu groß. Auch waren die Fahrer beim letzten Mal länger auf der Piste.

DAS DRUMHERUM: Kinderland, Fahrerlager-Zugang und zahlreiche Autos der drei Teilnehmender Hersteller BMW, Audi und Mercedes. Für das Erlebnis abseits der Strecke war auch dieses Mal gesorgt, allerdings in etwas abgespeckter Form. Dennoch kam das Angebot gut an, wohl auch deshalb, weil im Stadion selbst immer wieder die Abwechslung fehlte. Nach jedem Lauf strömten die Zuschauer zu den DTM-Boliden im Fahrerlager, belagerten die Fahrer und holten sich zahlreiche Autogramme. Insgesamt waren am Samstag allerdings deutlich weniger Zuschauer auf dem Gelände. Das Stadion war erst am Sonntag anständig gefüllt, am Tag zuvor hatte das Programm noch vor mehrheitlich leeren Rängen stattgefunden. Dazu Olympiapark-Chef Ralph Huber: „Die Regenvorhersage hat sicher dafür gesorgt, dass weniger Leute gekommen sind. Insgesamt sind wir mit der Resonanz aber zufrieden.” Fazit: Knapper Sieg für 2011, auch wegen des besseren Wetters.

STARAUFGEBOT: Auch in diesem Jahr schauten wieder zahlreiche Prominente vorbei. Ob Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge mit Spieler Thomas Müller, der selbst ein kurze Fahrt im Renntaxi mitmachte („Da hat’s am Anfang ganz schön gekribbelt”), oder der TV-Moderator Kai Pflaume. Im Vorjahr hatte Torhüter Manuel Neuer einen Abstecher ins Oly gemacht. Die Moderation übernahm wieder Christina Surer. Ihr zur Seite: Ex-Skirennläufer Armin Assinger. Vergangenes Jahr sorgte noch Comedian Atze Schröder für flapsige Sprüche. Fazit: Leichtes Plus für 2011.

WAS NOCH BESSER GEHT: Ganz klar: Der Leerlauf zwischen den einzelnen Läufen muss verringert werden. Auch an der Transparenz muss gearbeitet werden. Beim Staffelwettbewerb am Samstag war den Fans lange nicht klar, warum ausgerechnet Joey Hand und Dirk Werner als Lucky Loser (glückliche Verlierer) ins Halbfinale eingezogen waren. Das lag daran, weil sie die Farben ihres Herstellers hochhalten sollten – ansonsten wäre kein BWM-Team weitergekommen.