Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren
Artikel bewerten [0.00/0]

Druck auf Athen: Sonderkonto für Schulden-Abbau

dpa, vom 06.02.2012 19:18 Uhr
Nicolas Sarkozy begrüßt Angela Merkel vor dem Elysee-Palast in Paris. Foto: Ian Langsdon Foto: dpa
Nicolas Sarkozy begrüßt Angela Merkel vor dem Elysee-Palast in Paris. Foto: Ian Langsdon Foto: dpa

Griechenland steht mit dem Rücken zur Wand: Die Hauptgeldgeber Deutschland und Frankreich erhöhen den Druck auf das Euro-Sorgenkind.

Athen/Paris - Zur Tilgung der Schulden Athens brachten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ein Sonderkonto ins Spiel.

Über dieses Sperrkonto, auf das die griechische Regierung keinen Zugriff hätte, sollten Zinszahlungen des von der Staatspleite bedrohten Landes abgewickelt werden. Damit hätten Investoren die Sicherheit, dass sie regelmäßig auch ihre Zinsen bekommen. In Athen gibt es noch immer keinen Durchbruch bei den Spar-Verhandlungen. Die Gewerkschaften kündigten für Dienstag einen Streik an.

Klare Worte kamen auch aus Brüssel: Dort rief die EU-Kommission zu raschem Handeln auf. "Die Fristen sind bereits überschritten", sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn. Die Brüsseler Behörde sieht vor allem die Regierung von Regierungschef Lucas Papademos gefordert: "Der Ball ist im Feld der griechischen Behörden", sagte der Sprecher.

Aus Protest gegen neue harte Sparmaßnahmen wollen die Gewerkschaften in Griechenland an diesem Dienstag streiken. Ministerien und staatliche Unternehmen sowie die öffentlichen Verkehrsmittel sollen für mehrere Stunden bestreikt werden. Dazu haben die beiden größten Gewerkschaftsverbände GSEE für den Privatsektor und ADEDY für die Beamten aufgerufen. Geplant sind unter anderem Lohnkürzungen.

Zudem will die Regierung in Athen noch in diesem Jahr 15 000 Staatsbedienstete entlassen. Dies sagte der griechische Minister für Reformen, Dimitris Reppas, am Montagabend. Den Angaben zufolge verlangen dies die Kontrolleure der sogenannten Troika der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) gefordert worden. Reppas fügte hinzu, dass Athen bis 2015 insgesamt 150 000 Staatsbedienstete entlassen werde.

Die griechische Regierung steht an mehreren Fronten unter massivem Druck. So muss sie sich mit der Troika nicht nur auf weitere Einsparungen einigen, sondern auch die Verhandlungen mit den privaten Gläubigern für den dringend benötigten Schuldenschnitt in Höhe von 100 Milliarden Euro erfolgreich zu Ende bringen. Die Einigung ist Voraussetzung für die Auszahlung der nächsten Tranche von Hilfskrediten an das klamme Land. Sollten die Verhandlungen scheitern, droht dem Land die Staatspleite.

In deutlichen Worten forderten Merkel und Sarkozy am Montag die griechische Regierung und alle Parteien in Athen auf, die zugesagten Reformen bedingungslos umzusetzen und Forderungen der "Troika"-Kontrolleure nach weiteren Einsparungen zu erfüllen. Ansonsten blieben zusätzliche Milliarden-Hilfen weiter blockiert. Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone sei aber kein Thema, betonten Merkel und Sarkozy nach einem Treffen der Regierungen beider Länder in Paris.

"Die Zeit drängt, und deshalb muss schnell etwas geschehen", sagte die Kanzlerin. Für die gesamte Euro-Region stehe viel auf dem Spiel. Es könne keine Einigung geben, wenn die Vorschläge der "Troika" nicht umgesetzt würden. "Sie liegen auf dem Tisch." In den nächsten Tagen müsse es Fortschritte geben, mahnte Merkel mit Blick auf die Gespräche in Athen, die sich seit Wochen hinziehen. "Ich kann, ehrlich gesagt, auch gar nicht ganz verstehen, worin der Nutzen weiterer Tage liegen soll."

Auch Sarkozy meinte: "Das Problem Griechenlands muss ein für alle Mal geregelt werden." Er ermahnte alle griechischen Parteien, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

Die Grundidee für das von Merkel und Sarkozy jetzt vorgeschlagene Extrakonto orientiert sich an einem Plan von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für nationale Tilgungsfonds der Euro-Länder zum Schuldenabbau. Demnach würde ein Teil der griechischen Einnahmen auf das Sonderkonto fließen. Sie wären damit anderen Ausgabezwecken entzogen. Ziel dieses transparenten Verfahrens beim Schuldenabbau ist es auch, Zweifel der Märkte und Anleger zu zerstreuen.

Nach Einschätzung von EU-Diplomaten kommt die Idee eines Sonderkontos aus Berlin. Sie sei im Zusammenhang mit der Idee eines "Sparkommissars" zu sehen, die beim EU-Gipfel vor einer Woche von vielen europäischen Partnern zurückgewiesen wurde. Der Vorstoß für den "Sparkommissar" war dem Vernehmen nach aus dem Berliner Finanzministerium gekommen.

In Athen ziehen sich die Verhandlungen über neue Sparanstrengungen weiter in die Länge. Die eigentlich für Montag erwartete alles entscheidende Sitzung von Ministerpräsident Papademos mit den Vorsitzenden der regierungsstützenden Parteien wird wohl erst am Dienstag stattfinden. Dies berichtete das staatliche griechische Fernsehen (NET).

Knackpunkt in den Gesprächen mit den Chefs der Sozialisten, Konservativen und der kleinen rechtsgerichteten Partei (LAOS) dürften die von der "Troika" verlangten Lohnkürzungen auch im privaten Sektor sein, die nach Gewerkschaftsangaben bis zu 25 Prozent weniger Einkommen für die Arbeitnehmer bedeuten könnten. Papademos braucht innenpolitische Unterstützung für eine Einigung - andererseits droht die Staatspleite, wenn die Troika nicht den Weg für das geplante weitere Rettungspaket im Volumen von mindestens 130 Milliarden Euro freigibt.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung (Montag) spricht die "Troika" in ihrem jüngsten Griechenland-Bericht von "katastrophalen Zuständen". Die Sparvorgaben seien deutlich verfehlt worden, schreibt das Blatt.

Parallel verlaufen auch die Verhandlungen mit den privaten Gläubigern - darunter Banken und Hedge-Fonds - über einen Schuldenschnitt auf Hochdruck. Die Gespräche mit dem internationalen Bankenverband IIF dauern bereits seit Dezember an.

Kommentare (2)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
  • Kommentare schreiben
Anzeigen
FEB
07
18:23 Uhr, geschrieben von Horst
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen !!!
Ein Extrakonto , in das alle Einnahmen fließen müssen , und aus dem sich dann zuerst die Ausländer bedienen dürfen !!! Welches Volk auf der Welt würde sich soetwas gefallen lassen ? Ein ganz böses aber typisches Beispiel , wie schnell die angebliche Demokratie - Die frei gewählte griechische Regierung hat nichts mehr zu entscheiden ! - zerplatzt , wenn es um viel Geld geht ! Das meiste davon hat man den Griechen förmlich aufgedrängt -wohl wissend , dass sie nicht zurück zahlen können - , damit sie für Milliarden deutsche und französische Waffen kaufen können ! Dank Hermesbürgschaften bekommen die Rüstungskonzerne ihr Geld !
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
0
Kommentar bewerten
FEB
07
09:22 Uhr, geschrieben von gerhard steger
merkosy
Und wieder mal haben Merkosy eine neue Möglichkeit entdeckt um Griechenland zu retten, oder geht es eher um Ihre Investitionen. Aber die Beiden sollten bedenken, einen Nackten kann man nicht in die Tasche greifen. Seit Monaten wird diskutiert, immer neue Möglichkeiten werden gesucht (und wenn sie noch so unsinnig sind), aber weiter geht es nicht. Warten, reden, warten, reden aber keine Entscheidungen, das ist alles. Ein Krisengipfel nach dem anderen, aber keine Entscheidung. Ihr wolltet Griechenland, Ihr habt nicht genau hingeschaut als Ihr sie aufgenommen habt in euren Verein, also helft Ihnen oder lasst sie fallen, aber macht endlich ein Ende mit dem ewigen diskutieren. KOMMT ZUM ENDE, MAN KANN ES LANGSAM NICHT MEHR HÖREN.
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
5
Kommentar bewerten
Brutal abserviert
[Kommentare 2] Der AZ-Chefredakteur Arno Makowsky über die Entlassung Norbert Röttgens
Merkel entlässt Röttgen als Umweltminister
[Kommentare 1] Kanzlerin Merkel hat Umweltminister Röttgen entlassen. Sollte seine formelle Entlassung schnell geschehen, müsste Horst Seehofer im seine Entlassungsurkunde geben.

Anzeige

Die AZ-Top-Bilder
mehr Bilder mehr Bilder
Anzeigen & Verlagsbeilagen zum Durchklicken
 
Das München-Wetter
 
 
Anzeige
Nachrichtenticker
22:58   Drei Menschen verbrennen in Auto
22:52   Deutliche Verluste beim Dow Jones
22:30   Medien: Hewlett-Packard plant Abbau von bis zu 30 000 Jobs
22:19   Größter Internet-Börsengang: Facebook 16 Milliarden Dollar
22:03   Gewaltverbrecher aus Klinik geflohen
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Interaktiv
  • Umfrage
olympia_fotolia

Im Olympiapark ist mit dem Champions-Festival das größte UEFA-Fan-Fest aller Zeiten. Gehen bzw. gingen Sie hin?

 
Ja klar, ein absolutes Muss!
Mal sehen, das mache ich vom Wetter abhängig.
Nein, derlei Veranstaltungen interessieren mich nicht.
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Meist gelesen
  • Meist kommentiert
  • Neueste Artikel
  • Facebook
  • Twitter
Video
Börse und Finanzen

 

Der tägliche Super Deal der AZ