"Dr.Tod" kommt nach München Mark Benecke: "Ich habe ein Bett im Labor"

„Ich sehe mich einfach als jemanden, der gerne forscht und erklärt“, so beschreibt sich Mark Benecke selbst. Foto: Mark Benecke; Rocksau Pictures

Der Rosenheimer Mark Benecke ist Deutschlands bekanntester Kriminalbiologe. Sein Spezialgebiet sind Insekten, die sich auf und an Leichen befinden. Ein Gespräch über die Vorliebe für das Morbide.

Rosenheim - AZ-Interview mit Mark Benecke Deutschlands berühmtester Kriminalbiologe (47) ist als "Dr. Tod" bekannt. Seine mysteriösesten Fälle stellt er dem Publikum vor.

AZ: Herr Dr. Benecke, woher kommt die Leidenschaft zu Ihrem Beruf? Interesse an der Wissenschaft, Lust am Rätselknacken? Vorliebe für das Morbide?
Mark BENECKE: Genau, stimmt: alle drei. Und ich sortiere gerne Dinge.

Wie erklären Sie einem Laien Ihr Fachgebiet Forensische Entomologie und warum fasziniert Sie diese Wissenschaft?
Ich habe als Kind alles von Menschen und aus Büchern gelernt, die nette Fachleute für weniger Wissende wie mich geschrieben hatten. Das möchte ich jetzt gerne zurückgeben. Mein Fachgebiet ist so spannend, weil es eine ganz offensichtliche Welt ist – die der Zersetzung und des Kreislaufes des Lebens –, die aber viele einfach nicht anschauen. Es gibt also umso mehr zu entdecken.

Wo wird mehr gemordet: In Großstädten oder gibt es auch in ländlichen Landstrichen und der Kleinstadt spektakuläre Fälle aufzuklären?
Für mich sind alle Fälle gleich. In kleineren Regionen wird mehr totgeschwiegen, besonders im Bereich sexuellen und häuslichen Missbrauches. Abgesehen davon kann alles überall passieren, es ist bloß eine Frage der Bevölkerungsdichte und des Wohlstandes.

Wie erklären Sie sich das große Interesse an Mord und seiner Aufklärung?
Menschen rätseln halt gerne, sie wollen aber auch mal ernst genommen werden. Ich rede offen und stehe nur auf der Seite der Wahrheit, von sonst nichts. Manche Menschen sind vielleicht schwach, aber sie wissen genau, dass Wahrheit der Kern von allem ist: Politik, Kultur, Religion, alles mögliche lässt sich testen. Ob man es macht oder nicht, ist eine andere Frage, aber die Test-Methoden finden viele spannend. Tötungen sind nur eine leicht einsehbare Übungs-Aufgabe, deren Lösungs-Mittel sich dann auf alles anwenden lassen. Ich bin jeden Tag neu überrascht über die Fragen – ob die Erscheinungen bei einem Arbeitskollegen durch Gift erzeugt sein können, ob ich auf einem Foto einen Ast gesehen habe und was er bedeutet und wie eine Facharbeit abläuft, bei der eine Schülerin tote Mäuse verwesen lassen möchte.

Sie werden als "Popstar der Wissenschaft" charakterisiert. Wie geht man damit um?
Ich will in Ruhe meinen Kram bearbeiten und sehe mich selbst als ganz normalen Mensch. Ob andere das als bunt, schwarz oder poppig ansehen, sagt wohl mehr über andere aus als über mich. Ich sehe mich einfach als jemanden, der gerne forscht und erklärt.

Wie teilt man sich die 24 Stunden täglich ein, wenn man Autor ist, Fernsehauftritte bewältigt und Vorträge hält?
Aspergerische Organisation, keine Ausreden, ein verlässliches Team, schlanke Strukturen – meine Frau und ich haben ein Bett im Labor und keine eigene Wohnung – , ein elektronischer, von meiner Frau selbst programmierter, echt ausgetüftelter Kalender, die coole Tina im Hintergrund, die alle Abläufe im Schlaf kennt und selbst schöne Forschung macht, uneingeschränkte Erreichbarkeit 365 Tage im Jahr.

Vielfältigkeit zeichnet Sie auch in anderen Bereichen aus: Politik, Tierschutz, Musik und Theater. Woher nimmt man die Energie?
Mir ist langweilig, wenn nix los ist. Genauer gesagt, schlafe ich sofort ein. Ich schlafe zwar sehr gerne, aber ich erlebe halt auch gerne etwas und schnuppere gerne in anderen Welten herum. Vorgefertigtes Zeugs mag ich nicht, weder beim Essen noch im sonstigen Leben, daher muss ich selbst ran.


Mark Benecke kommt am 20.01. ins Volkstheater nach München. Tickets unter 089/523 46 55

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