Django rechnet ab Oliver Kahn, der Titan mit Kuschelfaktor
Django Asül, 15.06.2012 17:15 Uhr
Django AsülFoto: AZ
Django Asül ist EM-Kolumnist der AZ. Heute schreibt er über Ex-Fußballer als TV-Experten. Mehr über ihn unter: www.django-asuel.de
Jogis Buben haben zwei Siege eingefahren. Und sie haben sich auch noch erfreulich gesteigert. Grund genug, sich auf die wirklich wesentlichen Dinge bei der EM zu konzentrieren: Die Kommentatoren. Gerade da, wo ehemalige Bayern-Spieler agieren, ergeben sich sehr positive Reizpunkte für die DFB-Elf. Mehmet Scholl ging nicht gerade zimperlich um mit Gomez nach dem Auftaktspiel. Statt zu schmollen, nahm der Stürmer die konstruktive Kritik an und erledigte Holland im Alleingang.
Als Gegenpol zu Scholl ist Oliver Kahn natürlich ein Volltreffer. Der Titan ist der entscheidende Kuschelfaktor. Gerade jetzt, wo die EM in die gemütliche Phase abdriftet, weil die Totalpleite nicht mehr möglich ist, hält der Ex-Keeper den Ball erfreulich flach. In seiner aktiven Zeit hat er oft genug Mitspieler verdroschen, Gegner gewürgt, Schiedsrichter tyrannisiert oder ganze Südkurven aus dem Stadion gejagt.
Doch dass das auf Dauer nichts bringt, hat er längst eingesehen. Deshalb hat er sich für ein sehr entspanntes Ambiente entschieden: Weit weg von der Ukraine, auf einem Hubschrauberlandeplatz im Wasser, umgeben von Rentnern in Liegestühlen.
Damit sendet Olli ein wichtiges Zeichen an die Lahm & Co: Bewahrt die Ruhe, ich bin zwar weit weg, aber doch ganz nah. Und falls es mal brennt, komme ich mit dem Hubschrauber.

Auf dem Platz waren Kahn und Scholl besser als im TV
Oliver Kahn und Frau Müller-Hohenstein können die ZDF-Bühne am Strand von Usedom einfach nicht ausfüllen. Kahn ist knochentrocken und ohne Esprit. So ist er halt, der Titan. Bei der EM 2008 unterhielten Johannes Kerner und noch mehr Jürgen Klopp von einer Bühne am Bodensee aus alle Fans bestens. Dagegen wirken Olli und KMH wie Kleindarsteller auf einer für sie zu großen Bühne. Scholls Kritik an Gomez war kein positiver Reizpunkt, sondern er hat sich einfach mal völlig im Ton vergriffen und hatte Glück, dass der tagelange mediale Wirbel danach Gomez nicht erdrückte, sondern der das ertragen konnte und aufgrund seines Tores gegen Portugal beflügelt war. Mehr Esprit als Kahn hat Scholl allerdings. Außerdem sind die ARD-Leute direkt vor Ort und mitten im Geschehen, während das ZDF aus einer Art Kuratmosphäre auf Usedom berichtet.