Die Wintersport-Welt trauert Ski-Talent Max Burkhart: Tod mit 17 - "Die Tragik ist unglaublich"

Wurde nur 17 Jahre alt: Skirennfahrer Max Burkhart. Foto: instagram.com/m.burkhart

Abfahrer Max Burkhart vom SC Partenkirchen stirbt nach einem Rennunfall in Kanada – es ist der zweite Todesfall innerhalb weniger Wochen. Neureuther: "Was ist momentan bitte los?"

Es ist eine dieser Abfahrten, bei denen man gar nicht losfahren will, so bedrückend schön ist die Aussicht. "Top of the world" heißt die Bergstation unterhalb des Mount Whitehorn, von hier geht der Blick hinab aufs Skigebiet, über den Bow River zum zugefrorenen Lake Louise auf der anderen Talseite, über dessen Ende der gewaltige Victoria-Gletscher thront.

Einer dieser Wegweiser steht hier auf der Piste: Houston 1.759 Meilen, Manila 8.199 Meilen, Edmonton 237 Meilen. Der 17-jährige Max Burghart vom Skiclub Partenkirchen ging am Dienstag in einem Rennen des sogenannten NorAm-Cups mit Startnummer 68 als Vorletzter auf die Piste "Men's Olympic Downhill", stürzte, zerschnitt mit den messerscharfen Kanten seiner Ski die Fangzäune, wurde mit einem Rettungshubschrauber ins rund 150 Kilometer entfernte Calgary geflogen, wo er am Abend im Foothills Hospital operiert wurde, aber schließlich seinen Verletzungen erlag.

DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier sprach von einem "tragischen Unfall mit extrem unglücklichen Verkettungen". DSV-Sprecher Ralph Eder sagte, "die gesamte Skifamilie ist in Gedanken bei allen, die Max liebten und kannten". Bestürzt reagierte auch die dreimalige Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch. "Ich bin fassungslos über den Tod von Max Burkhart", twitterte sie, "meine Gedanken sind bei seinen Eltern und seiner Familie." Auch der momentan verletzte Felix Neureuther reagierte: "Ich bin schwer erschüttert über die Nachricht von meinem Clubkollegen Max Burkhart! Mein tiefstes Mitgefühl geht an die Familie und Freunde!", schrieb er bei Facebook.

Burkhart ist nach dem französischen Weltcup-Athleten David Poisson der zweite Rennfahrer innerhalb von weniger als einem Monat, der auf einer Abfahrtsstrecke sein Leben verlor. "Was ist momentan bitte los? Ich verstehe es nicht!", schrieb Neureuther weiter. Alpin-Chef Wolfgang Maier sagte dem SWR: "Die Tragik ist unglaublich, dass innerhalb kurzer Zeit zwei Menschen sterben." Betroffen äußerte sich auf Facebook auch Biathlon-Königin Laura Dahlmeier zum Tod ihres Vereinskollegen. Der Sport sei auch grausam und zeige, "wie wenig Zeit uns doch auf dieser wunderbaren Welt bleibt".

Hier passierte das Unglück: Die Ski-Piste im kanadischen Lake Louise.
Hier passierte das Unglück: Die Ski-Piste im kanadischen Lake Louise. Foto: imago

Noch an den beiden vergangenen Wochenenden waren in Lake Louise Weltcup-Rennen der Männer und Frauen ausgetragen worden. In dieser Woche finden dort FIS-Rennen sowie Rennen im Rahmen des kontinentalen Nordamerika-Cups statt. Die Sicherheitsvorkehrungen von den Weltcup-Rennen waren noch aufgebaut. "Aber hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben – da müsste man die Fahrer schon in einer Glasröhre runterlassen", sagt Michael Veith, Abfahrts-Vizeweltmeister von 1978, der im vergangenen Winter nach einem schweren Ski-Unfall selbst knapp am Rollstuhl vorbeischrammte, der AZ.

"Abfahrtsläufer bewegen sich auf einem schmalen Grat, wissen, dass sie beim kleinsten Fehler abfliegen können. Man wächst von klein auf mit der Geschwindigkeit auf. Es ist deine Berufung schnell zu fahren. Du lernst, mit dem Risiko umzugehen", sagt Veith. "Wenn es dich aber mehrmals aufstellt, fängst du an zu überlegen, und sobald du nachdenkst, was dir passieren kann, ist es schon vorbei, dann hast du schon ein paar Zehntel verloren. Dass das tragisch enden kann, daran denkst du nicht."

Burkhart war im Herbst für ein Jahr nach Kalifornien an die Sugar Bowl Academy gewechselt, eine Art privates Ski-Gymnasium bei Sacramento. Er gehörte keinem Kader des DSV an, nur einem Nachwuchskader des bayerischen Landesverbandes. Vergangene Woche hatte er bei einem FIS-Super-G in Copper Mountain/Colorado als zweitbester Deutscher Rang 31 belegt. In Lake Louise gehörte er zum Team der Academy, zur dort startenden Europacup-Mannschaft des DSV bestand kein Kontakt. Der DSV zog sein Team nach dem Unglück von den weiteren Rennen zurück. Die Eltern von Burkhart waren am Dienstag nach Calgary gereist.  

32 Namen, 32 Dramen: Tödlich verunglückte Skifahrer

Ihre Leidenschaft wurde zum tödlichen Verhängnis: die Skistars David Poisson, Ulrike Maier und Regine Cavagnoud (v.l.).          

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