Das sagt Maya Lauterbach – aber sie ist ja auch erst zehn Jahre alt. Hier erklärt sie, wie es ist, mit dem Vater vor der Kamera zu stehen

Maya Lauterbach baumelt in 20 Metern Höhe an einem Kletterturm und haut ihren Text raus, als hätte sie ein Leben lang nichts anderes gemacht. „Die Kleine ist der Wahnsinn“, schwärmt Regisseur Joachim Masannek von seiner Hauptdarstellerin, der zehnjährigen Tochter von Heiner Lauterbach. „Da kann sich so manch erwachsener Kollege ’ne Scheibe von abschneiden.“ Fünf Jahre nach „Die wilden Kerle“ meldet sich Kinderflüsterer Masannek mit „V8 – Du willst der Beste sein“ zurück. Eine Abenteuerkomödie rund ums Thema Seifenkistenrennen, die im Frühjahr 2013 ins Kino kommen soll.

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Von Maya war er beim Casting so angetan, dass er sie für die ursprünglich männliche Hauptrolle besetzte – und Vater Heiner noch mit ins Boot holte. Für Mama Viktoria Lauterbach, die am Set gerne nach dem Rechten schaut, durchaus eine Entlastung, wie sie gesteht: „Meine zwei Superstars sollen sich hier ruhig austoben. Zu Hause gibt’s nämlich keine Sonderbehandlung.“

AZ: Aha, so ist das?

MAYA: Daheim ist Mama ganz gerne die Chefin!

HEINER LAUTERBACH: Und darum bin ich auch sehr froh. Ich habe nämlich ’ne fleißige Frau geheiratet, die weiß, wie man den Laden schmeißen muss.

Damit Sie den lieben Daddy geben können?

LAUTERBACH: Nein, das wäre unfair. Meine Frau und ich wechseln uns ab im Good-Cop-, Bad-Cop-Spiel.

MAYA: Und wenn ich von Mama einen Anpfiff kriege, renne ich zum Papa und umgekehrt.

LAUTERBACH: Und dem Papa fällt das wirklich schwer, streng zu sein, wenn ihn diese wunderschönen Kulleraugen anschauen.

Wofür gibt’s denn Anpfiff?

LAUTERBACH: Klassischerweise wegen nicht gemachten Hausaufgaben. MAYA: Oder weil ich mich mit meinem kleinen Bruder streite. Der kann eine furchtbare Nervensäge sein.

LAUTERBACH: Ein ewiger Zicken-Krieg. Vito ist ähnlich talentiert wie Maya. Ein Clown und Selbstdarsteller, wie er im Buche steht.

MAYA: Er hat auch beim Casting mitgemacht, hat die Rolle aber nicht bekommen, weil er noch zu jung ist.

LAUTERBACH: Das Talent hätte der allemal, aber das ist noch nicht auf Abruf reproduzierbar. Wenn der Kleine keinen Bock mehr hat, dann schmeißt er halt hin.

MAYA: Deswegen habe ich die Rolle bekommen, für die er vorgesprochen hat.

LAUTERBACH: Mayas Rolle war ursprünglich für einen sechsjährigen Jungen konzipiert und wurde auf sie umgeschrieben. Und jetzt erzählt unser Sohn im Kindergarten rum, dass seine Schwester ihm die Rolle weggeschnappt hat. Herrlich!

Klingt, als hätte sich das X-Chromosom behauptet.

LAUTERBACH: Die Anlagen sind bei beiden Kindern da. Vito ist noch zu undiszipliniert, der hat noch Zeit, aber Maya spielt bereits seit längerem in einer Theatergruppe an der Schule mit. Und die Disziplin, die sie nach 30 Drehtagen noch an den Tag legt, spricht dafür, dass sie keine Eintagsfliege ist. Ob sich das über die Teenagerzeit hinaus behaupten wird, muss sich zeigen.

MAYA: Ich will Schauspielerin werden, das steht lange fest.

LAUTERBACH: Mir ist egal, ob du Tierärztin oder Schauspielerin wirst. Wenn du die nötige Leidenschaft und Disziplin für meinen Beruf mitbringst, dann ist das der schönste Beruf der Welt.

Andere Kollegen raten ihren Kindern oft ab.

LAUTERBACH: Verstehe ich nicht, denn damit stellt man doch sein eigenes Leben in Frage. So lange man genug zu tun hat, gibt’s nichts Schöneres, als die Schauspielerei.

MAYA: Was ist so schön?

LAUTERBACH: Du darfst ein Leben lang Cowboy und Indianer spielen und bekommst auch noch Geld dafür. Du darfst lachen, schreien, weinen und trainierst Körper, Geist und Seele. Das ist besser als jede Psychotherapie und weiß Gott nichts, wovor ich meine Kinder bewahren müsste.

MAYA: Was meinen Papa glücklich macht, kann für mich nicht schlecht sein.

LAUTERBACH: Außerdem sehe ich es als wertvolle pädagogische Lektion, dass Maya lernt, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Ich sage meinen Kindern stets, dass sie sich in die Lage ihres Gegenübers versetzen sollen, bevor sie urteilen.

MAYA: Und da mein Vater mir beim Textlernen hilft, klappt das sehr gut. Es macht mehr Spaß als Mathelernen, ist aber auch Arbeit.

LAUTERBACH: Da siehst du mal, wie hart Papa die Brötchen verdient.

Was sagt Mama?

LAUTERBACH: Ich habe das Für und Wider vorher lange mit meiner Frau abgewogen. Dass der Gang über den roten Teppich nicht sehr förderlich für die Charakterbildung ist, das wissen wir ja aus genügend erwachsenen Fallbeispielen. Daher haben wir ein wachendes Auge auf Maya, und falls sich da irgendwelche charakterlichen Ausschläge manifestieren sollten, werden wir sie ganz schnell wieder auf den Boden holen.

MAYA: Die reden nur so, dabei bin ich das bravste Kind der Welt.

LAUTERBACH: Maya hat viele Facetten. Sie ist ein Wildfang mit großem Prinzessinnen-Anteil – auf jeden Fall eine kleine Drama-Queen!

MAYA: Aber nicht so schlimm wie Vito.

LAUTERBACH: Beides keine introvertierten Kinder. Im Gegensatz zu meinem ältesten Sohn Oscar, der viel ernsthafter und kopflastiger ist und deswegen auch den Weg hinter die Kamera gewählt hat.

Klingt, als könnten sich die Schweigers warm anziehen.

LAUTERBACH: Wir stehen in keinem Wettbewerb. Aber ich habe es als inspirierend empfunden, mit Til Schwieger und seiner Tochter Luna in „Schutzengel“ vor der Kamera zu stehen. Als ich sah, wie die beiden miteinander am Set umgehen, wurde mir echt warm ums Herz. Ein Riesenglück für einen Workaholic wie Til, dass er auf diese Art und Weise seiner Tochter so nah sein kann. Von „Kinder verheizen“ kann da keine Rede sein.

Hat man es leichter oder schwerer, wenn der Papa berühmt ist?

MAYA: Weder noch. In der Schule interessiert das niemanden. Aber es macht es mir viel einfacher, wenn mein Vater an meiner Seite spielt. Auch sonst finde ich es toll, einen berühmten Papa zu haben. Ich sehe ihn gerne im Fernsehen. Am liebsten als Bösewicht, weil dann alle anderen Angst vor ihm haben, da sie ja nicht wissen, dass er eigentlich total lieb ist.

Ist Papa immer lieb?

LAUTERBACH: Was bleibt mir denn anderes übrig? Bei uns zu Hause ist alles in weiblicher Hand, da habe ich nicht viel zu melden. Aber nicht mehr lange, denn unser fünfjähriger Sohn hat jetzt schon Testosteron für zwei, und wir bauen langsam eine männliche Gegenfront auf. Wir schauen zusammen Fußball, ich impfe ihn in Sachen FCKöln, und wenn die Mädels nerven, erkläre ich ihm: die spinnen, die Weiber!

Haben Sie unterschiedliche Vatergefühle für Sohn und Tochter?

LAUTERBACH: Ich liebe sie natürlich alle drei, aber mit Maya habe ich eine ganz besonders innige Vater-Tochter-Beziehung. Mit allen Klischees, die man so kennt. Wenn ich sie sehe, schmelze ich dahin, und es fällt mir schwer, sie nicht zu verwöhnen.

MAYA: Er ist nicht nur mein Papa, sondern auch mein Vorbild.

LAUTERBACH: Dafür hast du dir jetzt ’ne Taschengelderhöhung verdient.

Was passiert mit der Gage?

LAUTERBACH: Die kommt auf ein Sparbuch und bildet den Grundstock für ihre Mitgift.

MAYA: Ich mache das nicht wegen Geld, sondern weil es mir Freude macht und ich will, dass so viele Kinder wie möglich Spaß an dem Film haben.

LAUTERBACH: Als kleines Mädchen war sie oft beleidigt, wenn sie nicht im Mittelpunkt stand. Sie braucht viel Sonne, genau wie der Papa. Ein echter Sonnenschein halt. Außerdem liebt sie Tiere über alles. Ich darf nicht mal ’ne Fliege totschlagen, sonst gibt’s ein Drama.

Gibt’s schon Jungs?

MAYA: Die Jungs finden uns Mädchen ja meist blöde, aber ich finde sie eigentlich ganz okay.

LAUTERBACH: Da gibt’s wohl einen kleinen Jungen, der im Gegensatz zu den anderen ganz nett zu ihr ist. Ich glaube, das gefällt ihr ganz gut.

Angst vor dem männlichen Andrang in der Pubertät?

LAUTERBACH: Na ja, sie sollte nicht gerade mit Dieter Bohlen anrücken, sondern sich möglichst einen netten Jungen in ihrem Alter suchen.

MAYA: Ich will eh nie heiraten. Ich bleib lieber bei Papa!

 

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