Ausgewählte kritische Stimmen zur Sitiuation der Hochschule für Fernsehen und Film:

Martin Moszkowicz (Vorstand Constantin Film AG): „Produktionsfirmen wie wir sind auf gut ausgebildete Absolventen der Filmhochschulen mit attraktiven Projekten angewiesen. Die Münchner HFF war die beste Filmhochschule in Deutschland – vielleicht sogar in Europa. Das ist sie leider nicht mehr. In großen Teilen wird ein Bild des autonomen Filmemachens gelehrt, für das es heute in Film und Fernsehen kaum noch Jobs gibt. Heute gilt – gerade bei aller technischer Spezialisierung: Teamarbeit führt zum Ziel. Im Interesse der Studenten und des Medienstandortes hoffe ich, dass die öffentliche und interne Diskussion, die durch breite Kritik in Gang gekommen ist, zu Veränderungen führt. Wir wollen helfen, den Kreativitätslevel zu erhöhen und haben dazu die Initiative ,Alpenrot’ etabliert.”

 

Gabriele M. Walther (Geschäftsführerin Caligari Film GmbH, Absolventin der HFF, wo sie zahlreiche Filme mit Roland Emmerich realisiert hat. Zuletzt haben sie gemeinsam „Hell“ des HFF-Absolventen Tim Fehlbaum produziert): „Wenn ich das Vorlesungsverzeichnis der HFF aufschlage, vermisse ich die namhaften Vertreter der Branche. Hier halte ich eine stärkere Verankerung der Dozenten aus dem aktiven Film- und Fernsehgeschäft für alle Ausbildungsgänge für dringend notwendig. Filmuniversitäten wie in Ludwigsburg gehen da anders vor. Sie bieten ihren Studenten eine breit gefächerte Auswahl an renommierten und ganz unterschiedlich ausgerichteten Filmschaffenden an. Die Folge ist, dass die Ludwigsburger Absolventen in ihrer Ausbildung einen stärkeren Einblick in das aktuelle Geschehen haben und dadurch von Beginn an eine bessere Vernetzung mit der Branche bekommen. Hier spüre ich die Zukunft! Den HFF-Studenten wünsche ich die gleichen Chancen und bin zuversichtlich, dass sich dann auch wieder Preise und Auszeichnungen einstellen, die hier seit längerem ausbleiben.“

 

Christian Becker (HFF-Absolvent und Filmproduzent; er verantwortete mit seiner Firma Rat Pack Kinoerfolge wie „Wickie und die starken Männer“, „Die Welle“ und „Der Wixxer“): „Das so genannte Manifest der Studenten, in denen die Studiumsbedingungen kritisiert werden sollen, ist leider viel zu weich formuliert. Es fehlt an Schärfe und an konkreten Kritikpunkten. So kann man nichts in Bewegung bringen, keinen Aufstand wagen. Mir persönlich ist die HFF im Spielfilmbereich zu sehr auf den Arthausbereich ausgerichtet, es fehlt an der Förderung von Genrefilmen wie ,Komödie’ oder ,Thriller’. Vielleicht würde ein zweiter geschäftsführender Professor bzw. Leiter vom Schlage eines Sönke Wortmann, wie es auch an anderen Filmhochschulen üblich ist, helfen.“

 

Rafael Parente (HFF-Student im Bereich Produktion und Medienwirtschaft): „Kritisch sehe ich den mangelnden Kontakt zur Branche bei Studentenfilm-Projekten. Der Bayerische Rundfunk und der FFF Bayern können nicht pauschal alle Filme fördern, die HFF muss weitere Vertriebs- und Finanzierungspartner gewinnen. Die Studenten müssen lernen, welcher Marktteilnehmer an welchen Projekten interessiert ist und wie die Zusammenarbeit konkret abläuft. Die HFF muss deshalb viel mehr Sender, Verleiher und Filmverwerter in die Projektentwicklung einbeziehen, Projektbörsen und Ausschreibungen organisieren. Auch werden Produkutions-Studenten von ihren Regiekollegen oft nur als Handlanger wahrgenommen, der Beruf des Produzenten damit nicht ernst genommen.“

 

Alireza Golafshan (HFF-Regiestudent, Mitglied der Studententenschaft): „Kürzlich haben wir unter dem Titel ,Wir sind die HFF’ ein Manifest verfasst. Inhaltlich fordern wir darin eine bessere Gemeinschaft und Vernetzung, eine bessere Zusammenarbeit der Abteilungen im Sinne einer Gesamtidee und eine bessere Kommunikation mit den Studenten. Besonders wichtig ist uns aber, dass jedem Studenten das gleiche Recht auf Förderung zustehen muss. Es kann nicht sein, dass Mittel unterschiedlich vergeben werden. Des Weiteren darf nicht an der Ausbildung und der Lehre gespart werden. Die Abschaffung des Studiengangs Szenenbild ist ein Paradebeispiel dafür. Damit gehen auch umstrittene Personalfragen einher, die oftmals nicht im Sinne der Studenten getroffen werden.“

 

 

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