Für mindestens 130 Millionen Euro entsteht zwischen Dom und St. Michael ein neues katholisches „Dienstleistungs- Zentrum“ – für 400 Kirchen-Mitarbeiter

Die Presslufthämmer dröhnen hinter riesigen Plastikplanen. Der Teil der Alten Akademie hinter dem ehemaligen Bekleidungshaus Hettlage entlang der Kapellen- und Maxburgstraße ist völlig eingehüllt. Niemand sieht, was hier passiert. Kein Bauschild deutet auf den Bauherrn und was hier in Münchens teuerster Lage gerade entsteht.

Völlig diskret errichtet die Erzdiözese München und Freising ein neues Ordinariat. Die Kosten für das sogenannte „Dienstleistungszentrum“ derzeit: Rund 130 Millionen Euro. Es können aber auch noch mehr werden.

In Kirchenkreisen sorgt das Projekt nach der Affäre um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst für Fragen: Ein Insider erinnert sich, dass an dem Projekt eine Bautafel gehangen habe, während der Diskussion um den Protzbau in Limburg aber verschwunden sei. Wer sich für den Bau, der nur einen Steinwurf vom Liebfrauendom entfernt liegt, interessiert, entdeckt nur am bunten Bauzaun einen kleinen Hinweis.

In weißen Lettern ist hier die Geschichte des historischen Areals mitten in der Münchner Altstadt beschrieben: „1840 Akademie der Wissenschaften. 1944 Bombardierung. 1945 Neubau der Landesbodenkreditanstalt. 2012 Umbau zum Dienstleistungszentrum der Erzdiözese.“

Schon vor sieben Jahren hat der damalige Erzbischof Wetter das Sahnestück für 86 Millionen Euro erworben

Bereits Anfang 2006, zwei Jahre, bevor Kardinal Reinhard Marx das Bistum übernahm, hatte der damalige Münchner Erzbischof Friedrich Wetter das Sahnestück für 86 Millionen Euro von der Landesbodenkreditanstalt erworben. Es ist der hintere Teil des riesigen Komplexes, zu dem die Renaissance-Fassade entlang der Fußgängerzone mit dem Hettlage-Haus, dem Statistischen Landesamt, der St.Michaelskirche und dem Jesuitenkloster gehört.

Eigentümer des vorderen Teils ist der Freistaat. Der führt derzeit Verkaufsverhandlungen mit dem österreichischen Sigma-Chef Rene Benko. Der besitzt schon den benachbarten Oberpollinger. Während der Freistaat für seine Vorderfront noch um eine Rekordsumme feilscht, waren sich Landesbodenkreditanstalt und das Münchner Erzbistum schnell einig. Das Ordinariat, dessen große Abteilungen derzeit auf neun Standorte verteilt sind, soll hier ein Zentrum bekommen.

Überlegungen, an den Stadtrand zu ziehen, waren schnell verworfen worden. Kardinal Friedrich Wetter war es wichtig, dass das „Dienstleistungszentrum“ in Dom-Nähe entsteht. Der Kaufpreis von 86 Millionen Euro wurde laut Ordinariat zum größten Teil durch Mittel beglichen, die in den vergangenen Jahrzehnten in einem Immobilienfonds angelegt waren. Zusätzlich sollten Immobilien verkauft werden. Die Umbaukosten werden mit der Kirchensteuer finanziert.

Zum Baubeginn Oktober 2011 wurden sie auf 39,88 Millionen Euro veranschlagt. Im Dezember 2012 lagen sie bei 42,15 Millionen Euro. „Eine konjunkturbedingte Preissteigerung“, sagt Ordinariats- Sprecher Bernhard Kellner. Aktuellere Zahlen gibt es bisher nicht.

Der Diözesan-Steuerausschuss hat die Kostensteigerung genehmigt. Neu dazu kommt ein Rechenzentrum für 1,5 Millionen Euro, das im künftigen Ordinariat noch Platz finden wird. Den Großteil der Baukosten fresse die komplette Überholung der Gebäudetechnik und die energetische Sanierung, heißt es im Ordinariat. Im Innenhof wird eine Tiefgarage für 55 Stellplätze gebaut. Bis Sommer 2012 buddelten hier Archäologen auf 1500 Quadratmetern und entdeckten Latrinen, Lagerhäuser und Badehäuser aus dem 14. bis 16. Jahrhundert. Die fallen den Baggern zum Opfer.

An der Ecke Kapellen- Maxburgstrasse, neben der Einfahrt in die Oberpollinger-Tiefgarage, wird ein repräsentativer gläserner Säuleneingang entstehen, der den Durchblick zum Innenhof gewährt. Über den Blick schwärmte schon Ulrich Kühn, Mitglied der Geschäftsleitung der Landesbodenkreditanstalt, die 2010 auszog: „Der Abschied fällt natürlich schwer. Ich hatte hier ein Büro mit Blick auf den Dom und St.Michael - wunderschön.“

Niemand weiß, wie hoch das Vermögen des Bistums ist

Ein Jahr wird noch gebaut. Im Oktober 2014 soll das „Dienstleistungszentrum“ bezugsfertig sein. 400 der 800 Mitarbeiter des Ordinariats werden hier ihre Büros haben. An Geld scheint es nicht zu mangeln. Das ist offenbar ausreichend vorhanden. Neben dem 130 Millionen-Projekt konnte Kardinal Reinhard Marx im Frühjahr 2012 auch noch für 9,7 Millionen Euro ein Haus mit zehn Gästezimmern in Rom erwerben.

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Wie hoch das Vermögen des Erzbistums ist, weiß Kardinal Marx selber nicht. Die Finanzkammer, die die Besitztümer verwaltet, werde gerade auf moderne Buchführung umgestellt. Eine „konkrete, transparente, aber auch korrekte“ Summe gebe es deshalb erst in einigen Jahren, erklärt Ordinariats-Sprecher Bernhard Kellner. Die Schwierigkeit bestehe darin, die 7000 Immobilien zu bewerten, die im Eigentum der Erzdiözese sind.

Auch die Bautafel soll in den nächsten Wochen wieder angebracht werden. „Aus rein bautechnischen Gründen musste sie vorübergehend abgehängt werden“, sagt Kellner. Dass das gerade mit Limburg zusammentraf, soll reiner Zufall sein.