Die Fan-Kritik "Episode VIII: Die letzten Jedi": Endlich wieder Star Wars ohne Reue!

Bilder aus "Star Wars Episode VIII: Die letzten Jedi" finden Sie in unserer Fotostrecke. Foto: Disney

"Star Wars" ist ohne Zweifel erfolgreich – aber richtig gut waren die Filme nicht immer. Mit Rian Johnson schickt sich nun ein junger Regisseur und Drehbuchautor an, der Saga seinen Stempel aufzudrücken. Der frische Wind tut dem "Krieg der Sterne" gut.

Hinweis: Dies ist keine neutrale Filmkritik. Genaugenommen ist diese Kritik sogar das krasse Gegenteil davon. Dies ist daher auch nicht die offizielle AZ-Kritik (die wie üblich am Donnerstag folgt) sondern eine zusätzliche Fan-Kritik – von einem kritischen Fan für kritische Fans. Sie ordnet Episode 8 auch nicht in den Gesamt-cinematographischen-Kontext der Filmhistorie ein, sondern betrachtet ihn lediglich innerhalb des Star-Wars-Universums. Eines Universums, mit dem ich mich zufällig recht gut auskenne:

Ich bin seit 25 Jahren Star-Wars-Fan, habe bis zur Yuuzhan-Vong-Storyline ausnahmslos alle Romane des Expanded Universe gelesen (von den großartigen Timothy-Zahn-Romanen über die mittelmäßigen Kevin-J-Anderson-Geschichten bis hin zum unsäglichen "Splinter of the Mind's Eye"), habe in meiner Jugend jahrelang einen Star-Wars-Stammtisch geleitet und in meinem Geek-Keller hängen Lichtschwerter an der Wand. Durch diese Supernerd-Brille habe ich mir Episode VIII angesehen.

Achtung: Diese Filmkritik enthält Spoiler zu allem, was in den vorherigen Filmen (inklusive Episode VII) passiert ist. Spoiler zu Episode VIII habe ich so gut wie möglich vermieden, aber wer rein gar nichts über Episode 8 wissen will, oder Episode 7 noch nicht gesehen hat, sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen.


Episode VII "Das Erwachen der Macht", war für mich zu 50 Prozent Genuss und zu 50 Prozent Enttäuschung. Es war ohne Frage ein Genuss, wieder ins Star-Wars-Universum abzutauchen und dabei einen handwerklich perfekten Film zu erleben, der keinerlei Verbrechen an der Mythologie beging, wie George Lucas es beispielsweise mit den Midichlorianern oder Jar-Jar Binks getan hatte. Aber getrübt wurde diese Freude durch die geradezu unverschämte Mutlosigkeit der Drehbuchautoren - denn unterm Strich war Episode 7 nichts weiter als eine blankpolierte Neuauflage von Episode 4. Und dementsprechend ging ich auch mit etwas Skepsis in die Premiere von Episode 8.

Gleich zu Beginn schien sich diese Skepsis aufs Schlimmste zu bewahrheiten. Da flohen die Rebellen Hals über Kopf vor der anrückenden imperialen Flotte von ihrer Basis auf einem einsamen Planeten. Klar, der Planet war nicht vereist, das Imperium nannte sich nun "Erste Ordnung" und die Rebellen bezeichneten sich als "Widerstand", aber im Prinzip war das 1-zu-1 die Eröffnungssequenz aus "Das Imperium schlägt zurück".

Doch damit enden die Gemeinsamkeiten auch. Nach 15 Minuten Eröffnungssequenz, die man vielleicht als Hommage an den bislang besten aller "Star Wars"-Filme verstehen darf, begibt sich Regisseur Rian Johnson auf neues Terrain und erzählt eine so große Geschichte, dass von Mutlosigkeit oder Remake keine Rede mehr sein kann. Mir persönlich war Johnson bislang kein Begriff. Ich mag seinen Film "Looper" ausgesprochen gerne, halte ihn für einen der besten Zeitreise-Streifen seit vielen Jahren, aber Johnson selbst sagte mir bis zu "Star Wars" gar nichts. Doch mit "Die letzten Jedi" liefert der Kalifornier, der gerade einmal 10 Jahre alt war, als "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" im Kino lief, ein richtig starkes Stück "Star Wars"-Saga ab und wer den Film gesehen hat, kann verstehen, warum Disney ihm direkt noch eine völlig neue Trilogie aufgeschwatzt hat.

Kylo Ren wirkt in "Episode VIII" weniger lächerlich, ist aber immer noch kein Vader.
Kylo Ren wirkt in "Episode VIII" weniger lächerlich, ist aber immer noch kein Vader. Foto: Disney

Johnson versteht es, aus den altbekannten und den mit Episode VII neu eingeführten Charakteren das Beste herauszuholen.Während Leia in "Das Erwachen der Macht" eher wie eine Cameo-Rolle für Fans wirkte, hat sie nun ihren großen Auftritt. Luke sowieso. Und die bislang eher flachen Charaktere Finn und Poe bekommen nun Tiefgang, durchleben emotionale Konflikte statt nur Action-Sequenzen. Insbesondere Finn ist dabei hervorzuheben, dessen Entwicklung zwar ein wenig an Han Solo erinnert, der aber unterm Strich endlich das Potential entfaltet, das sein Werdegang als desertierter Sturmtruppler nunmal unzweifelhaft bietet. Auch Poe Dameron bekommt endlich die Aufmreksamkeit, die er verdient. Ein hochinteressanter Charakter, der in seiner Heißblütigkeit auch schon mal übers Ziel hinaus schießt - da steckt noch viel Potential für die Zukunft drin.

Überhaupt schien es Johnson ein Anliegen zu sein, die Unzulänglichkeiten von "Das Erwachen der Macht" auszugleichen und zu korrigieren. Wenn Kylo Ren an den Kopf geworfen bekommt, dass er lediglich ein Möchtegern-Vader mit alberner Maske sei, dann will man als Zuschauer unwillkürlich zustimmend nicken. Und dass Johnson es schafft, aus dieser Ausgangslage noch einen interessanten Bösewicht zu stricken, ist durchaus bemerkenswert. Natürlich wird Kylo niemals den Status eines Vader erlangen, dafür ist er zu kindisch und Darsteller Adam Driver einfach viel zu wenig furchteinflößend. Aber immerhin hat er in Episode VIII so seine Momente und lässt auf größeres in Episode IX hoffen.

Rey und Luke: Zwei Generationen Jedi.
Rey und Luke: Zwei Generationen Jedi. Foto: Disney

Doch wie der Titel schon offenbart geht es in dem Film um die Jedi, nicht um die Sith. Sie sind nur Beiwerk im Selbstfindungstrip von Luke und Rey. Auf der einen Seite ein von Selbstzweifeln zerfressener Jedi-Meister und auf der anderen eine junge Frau, der ihre eigenen Fähigkeiten unheimlich sind. Für Luke schließt sich hier der Kreis: Der unerfahrene Junge mit gewaltigem Machtpotential von einst muss nun in die Fußstapfen seiner Meister Obi-Wan Kenobi und Yoda treten ohne dabei deren Fehler zu wiederholen. Hier darf Mark Hamill zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wirklich schauspielern und es gelingt ihm recht gut. Hamill ist alt geworden, genau wie sein Charakter, aber man merkt ihm an, wie viel Spaß es ihm gemacht hat, die verstaubte Jedi-Robe noch einmal überzuwerfen.

Überhaupt liefert der Cast von "Die letzten Jedi" eine sehr solide Leistung ab. Zum Brillieren bleibt in einem solchen Action-Feuerwerk wenig Platz, doch in den seltenen Momenten, wo dies möglich ist, zeigen die Jungstars Daisy Ridley (Rey), John Boyega (Finn) und Oscar Isaac (Poe Dameron), dass sie richtig gute Schauspieler sind. Auch Andi Serkis liefert als Motion-Capture-Darsteller für den Obersten Anführer Snoke eine gewohnt großartige Leistung ab. Gwendoline Christie aus "Game of Thrones" als Captain Phasma hingegen ist ein so überflüssiger Charakter, dass man sich fragt, wofür er überhaupt geschaffen wurde. Aber das muss man J. J. Abrams und nicht der Darstellerin anlasten.

Ein Kritikpunkt, den sich hingegen Rian Johnson anhören muss, ist der Humor in Episode VIII. Der funktioniert größtenteils sehr gut, da er sich aus den Szenen heraus entwickelt. Doch an einigen, wenigen Stellen wirkt er etwas aufgesetzt, zu plump – das wäre einfach nicht nötig gewesen. Bestes Beispiel dafür sind die Lebewesen auf Lukes einsamer Insel: Während die in Nonnen-ähnliche Gewänder gehüllten Aliens einfach nur lächerlich und überflüssig wirken, haben die niedlichen kleinen Porg das Potential, die Minions des Star-Wars-Universums zu werden. Genaugenommen verhelfen sie sogar dem sonst sträflich vernachlässigten Chewbacca zu einigen amüsanten Szenen und lassen den altehrwürdigen Charakter so wenigstens in ein, zwei Szenen mal in Aktion treten.

Die Porg dürften ein Hit unterm Weihnachtsbaum werden.
Die Porg dürften ein Hit unterm Weihnachtsbaum werden. Foto: Disney

Doch von solch kleinen Schönheitsfehlern einmal abgesehen inszeniert Drehbuchautor und Regisseur Johnson mit "Die letzte Jedi" eine richtig gute "Star Wars"-Episode. Es ist mit einer Spieldauer von zweieinhalb Stunden der bislang längste Film der Serie und selbst diese 150 Minuten sind von vorne bis hinten mit Handlung vollgepackt. Längen gibt es keine, vielmehr glaubt man Johnson sofort, dass sein ursprünglicher Cut des Films drei Stunden lang war. Es ist ein Tour-de-Force-Ritt mit Action und Drama am laufenden Band, der schließlich in einem sprichwörtlich mächtigen Finale gipfelt.

"Die letzten Jedi" dürfte die besten Filmkritiken seit "Eine neue Hoffnung" und "Das Imperium schlägt zurück" einfahren. Das mag einerseits der Tatsache geschuldet sein, dass die letzten vier "Star Wars"-Episoden gehörig Luft nach oben ließen, andererseits ist es aber auch eine Bestätigung für Johnsons Mut und Talent die Saga weiterzuentwickeln, ohne ihre Werte und Grundstimmung zu verraten. Und vor allen Dingen hat er J. J. Abrams alle benötigten Zutaten an die Hand gegeben, um die aktuelle Trilogie 2019 mit einem großartigen Finale zu beenden. Oder anders ausgedrückt: Wer als Fan in die aktuelle Episode geht, wird hervorragend unterhalten und hat hinterher Lust auf den nächsten Film – das war nicht immer so.

Lesen Sie dazu auch den AZ-Hintergrund: "Star Wars am Scheideweg - Einmal Mythos und zurück"

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