Bei den Röllchen auf den Hüften hilft nur langfristiges Ausdauer- und Muskeltraining

Nach den meist zügellosen Schlemmereien zwischen den Feiertagen zeigt sich nicht nur beim Blick auf die Waage jedes Jahr das gleiche Dilemma, sondern auch bei der kritischen Überprüfung der Hüften – die wirken nicht nur breiter, sie sind es in der Regel auch.

Nach dem Jahreswechsel versuchen viele Betroffene mit bestimmten Übungen dann wieder ihre Figur in Form zu bringen. Doch die Polster auf der Hüfte gelten als außerordentlich trainingsresistent.

Das bestätigt auch Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln: „Es gibt leider überhaupt kein gezieltes Training, mit dem man den Speck von der Hüfte wegtrainieren kann.“ Das gilt auch für das oft propagierte Bauchmuskeltraining: „Das allein löst das Problem nicht“, sagt der Experte.

Nur ein ganz allgemeines Muskeltraining kann helfen: Egal ob mit Sit-ups, Kniebeugen, Liegestützen oder Rückentraining, wichtig ist dem Sportwissenschaftler zufolge, dass insgesamt Muskelmasse aufgebaut wird. Der positive Effekt ist dabei nachhaltig: „Wer seine Muskelmasse aufbaut, erhöht seinen Grundumsatz und kann auch in Ruhestellung mehr Fett verbrennen.“ Der Grundumsatz – der Energiebedarf des Körpers bei Ruhe – macht laut Froböse immerhin 70 bis 80 Prozent des gesamten Stoffwechsels aus. Sogar liegend auf der Couch verbraucht der Körper Energie – und je mehr Muskelmasse man hat, desto besser.

„Das Wichtigste ist also, am Grundumsatz zu drehen und ihn zu erhöhen“, rät Froböse. „Erst wenn ich den Körper dauerhaft dazu bringe, mehr Energie zu verbrennen, als aufzunehmen, geht er an seine Reserven“, so der Professor.

 

Wenn der Körper auf Sparmodus schaltet

 

Nur weniger Nahrung aufzunehmen ist dagegen ein Irrweg: Bei einer Diät von 1000Kilokalorien schaltet der Körper auf Sparmodus, indem er den Stoffwechsel herunterfährt. Die Folge: Der Grundumsatz reduziert sich und es bewegt sich auf der Waage rein gar nichts mehr und schlimmer noch – es droht der gefürchtete Jojo-Effekt: Wer sich nach einer Diät wieder wie üblich ernährt, wird oft dicker als jemals zuvor.

Froböses Anti-Jojo-Effekt-Formel lautet deshalb: „Je nach Körpergewicht sollte man zwischen circa 1600 und 2200 Kilokalorien durch Nahrung zu sich nehmen.“

Hilfe kann man sich übrigens auch bei den Krankenkasse holen. Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen spezielle Ernährungskurse in und um München, mit deren Hilfe in einer kleinen Gruppe eine Verhaltensänderung erlernt und der innere Schweinehund besiegt werden kann.

Gegen die hartnäckigen Speckrollen ist dann die Kombination aus Ausdauertraining und Muskeltraining geeignet. Das heißt: Drei- bis viermal pro Woche sollte man sich 30 bis 45 Minuten bewegen. Jeden zweiten Tag sollte Muskeltraining auf dem Plan stehen - zehn Minuten Liegestütze, Sit-ups, Rückentraining oder Kniebeugen seien ausreichend, erklärt Froböse.

Die Hüften sind übrigens schon seit jeher die besondere Problemzone der Frauen. Dies sei aus der Stammes- und Entwicklungsgeschichte des Menschen zu erklären, sagt Froböse. „Wir haben noch immer die Körper von Steinzeitmenschen, die Notzeiten überdauern mussten. Deshalb ist der Körper darauf erpicht, durch Nahrung gelieferte Energie lange festzuhalten.“

Dazu hat er an bestimmten Stellen Depots angelegt, wo er die Energie in Form von Fett lagert. Dass es bei Frauen die Hüften sind und weniger die Fettablagerung am Bauch, wird laut Froböse evolutionär begründet: Fett im Bauchraum ist eher ungünstig für eine Schwangerschaft.