Das Pokalspiel der Bayern in Bochum ist auch das Treffen zweier sehr spezieller Trainer. Was Pep Guardiola und Gertjan Verbeek eint.

München - Bisweilen übertreibt es Pep Guardiola mit seinen Lobeshymnen, doch in diesem Fall war ihm durchaus zu glauben, was er über Gertjan Verbeek, den Trainer des VfL Bochum, sagte. „Sie spielen ein sehr gutes Angriffspressing, fast Mann gegen Mann – und wenn das passiert, steckt dahinter immer eine große Persönlichkeit“, sagte Guardiola über den Pokalgegner der Bayern an diesem Mittwoch (20.30 Uhr, live bei Sky und ARD). Dann führte er sogar noch an: „Ich bin nur 45 Jahre alt. Ich bin immer gespannt, was andere Trainer machen, um von ihnen zu lernen.“

Guardiola, der Welttrainer, als Schüler von Verbeek, dem Zweitligacoach? Ja, solche Sätze meint der Katalane sehr wohl ernst. Denn es sind diese Typen wie eben Verbeek, die Guardiola im Fußball besonders schätzt. Weil sie anders als der Durchschnitt, der Mainstream, sind. Und weil sie gleichzeitig auch ein bisschen so sind wie er selbst, wie Pep, der Fußball-Tüftler.

„Der Charakter des Trainers spiegelt sich in seiner Mannschaft wider. Wenn man Bochum sieht – das ist wie damals in Nürnberg, die gleiche Mannschaft, die gleichen Ideen, der gleiche Spirit, die gleiche Motivation und Leidenschaft“, sagte Guardiola und erklärte den Pokal-Fight so zum Charakter-Duell. Er wirkte tatsächlich tief beeindruckt.

In seiner Zeit bei den Bayern hat Guardiola immer wieder von diesen Trainern wie Verbeek geschwärmt, sie waren ihm immer näher als andere. Auch Jürgen Klopp, Thomas Tuchel, Roger Schmidt oder Alexander Zorniger gehören in diese Reihe. Es sind allesamt Trainer, die sich dem taktischen Modell des Pressings, dem offensiven Spiel verschrieben haben. Wie Pep. Und die ihren Plan vom Fußball konsequent verteidigen – auch gegen Widerstände. Wie Pep.

Verbeek, der den VfL zur Rückrunde der vergangenen Saison von Peter Neururer übernahm und den Klub in dieser Saison an die Nähe der Aufstiegsplätze führte, ist in dieser Hinsicht ein besonders konsequenter Trainer. Weil er die Berichterstattung einer großen Boulevard-Zeitung einst zu einseitig empfand, entschied er sich, gar nicht mehr mit deren Reportern zu sprechen. Mit Freiburg-Trainer Christian Streich fetzte er sich in der vergangenen Saison derart heftig, dass sich beide bis heute keines Blickes würdigen. Verbeek verliert in solchen Extremsituationen ganz gern mal die Fassung und beleidigt sein Gegenüber sogar.

„Ich sage, was ich denke. Ob eine Kamera dabei ist, ist mir egal“, hat er einmal erklärt. Klar: Auf diese Weise macht man sich Feinde. Guardiola kennt das nur zu gut. Auch der Bayern-Coach hat kürzlich erklärt, dass er mit Journalisten nicht viel anfangen kann. „Ich bin hier, weil ich muss“, sagte er zu seiner Anwesenheit bei Pressekonferenzen. Wie Verbeek misstraut er in solchen Momenten allen, die nicht ausschließlich Fußball denken/leben/atmen. Er fürchtet die Unruhe, Themen, die über den Sport hinausgehen.

Typen wie Guardiola oder Verbeek ticken eben anders. Für sie ist ihre Arbeit, das tägliche Tüfteln das Einzige, was zählt. Das Pokalspiel ist deshalb ein Duell zweier Charakter-Köpfe. Ein Duell zweier Trainer, die stets über den Tellerrand schauen, um ihre Philosophie zu perfektionieren, sich selbst zu verbessern. Während Guardiola gern den Kontakt zu Intellektuellen sucht, sich mit Künstlern trifft oder Gedichte vorliest, gehört Verbeek der Heimwerker-Spezies an. In seiner niederländischen Heimat, nahe der Stadt Zolle, entwarf und baute er sich ein Holzhaus. Das Holz bestellte er in Finnland, an der Wand platzierte er einen Wildschweinkopf. Alles perfekt geplant und umgesetzt. Typisch Verbeek eben.

Vor der Partie gegen Bayern kündigte er an: „Wir werden verteidigen, aber unser Plan ist auch, Fußball zu spielen und es den Bayern so schwierig wie möglich zu machen. Ich habe keine andere Taktik oder andere Organisation geplant.“ Er vertraut ganz einfach auf sich. Pep hätte es nicht besser sagen können.