Ein Trikot in babyblau trug Marco Reus. In guter Laune kam der 23-Jährige in der neuen Trainingskleidung der deutschen Nationalmannschaft am Tag vor dem Länderspiel gegen Argentinien in das Frankfurter Stadion zur Pressekonferenz.

Frankfurt am Main - Selbst als der Eingang zum Medienzelt für ihn zunächst verschlossen blieb, litt seine Stimmung nicht. Marco Reus schwebt auf Wolke sieben, obwohl die Saison noch gar nicht richtig begonnen hat. Am Sonntag wurde seine Wahl zu Deutschlands „Fußballer des Jahres“ bekannt gegeben, als einer der jüngsten Spieler, die seit 1960 gewählt wurden und als Nachfolger großartiger Männer seiner Zunft wie Seeler, Gerd Müller, Beckenbauer, Maier, Netzer, Völler, Matthäus, Sammer, Kahn und Ballack.

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„Unglaublich“ nannte Reus das. „Ein überragendes Gefühl“ löse die Auszeichnung aus, weil sie für die „Ewigkeit“ sei. Aber von eigenen Stärken wollte der Westfale nicht reden. Den meisten seiner Generation und vor allem ihm wurde eingeimpft, noch Besseres anzupeilen. „Ich werde jeden Tag nutzen, um meine Schwächen geringer zu machen. Ich werde weiter Gas geben“, sagte Reus. Die freie Rede vor größerem Publikum ist noch nicht das Ding des Mannes, der so artig und nett wirkt, dass er auch als Abiturient einer Klosterschule durchgehen könnte. Aber er ist gerissener als man denkt. Die Kollegen aus der Bundesliga haben Reus kürzlich zu ihrem Besten der Saison gewählt.

18 Tore, elf Vorlagen hat er produziert, spektakuläre Spiele geboten, Mönchengladbach auf Rang vier geführt mit der Option für den Klub, bei einem Erfolg gegen Kiew in die Champions League einzuziehen.

Doch er hat die Seite gewechselt, von der grün-weißen Borussia zur schwarz-gelben. Rund 17 Millionen Euro ließ es sich Borussia Dortmund kosten, den Spieler aus Gladbach zurückzuholen, den sie selbst einmal ausgebildet, dann aber leichtfertig aus den Augen verloren hatten. Im Winter hat Reus seinen Abgang bekannt gegeben und es ist bemerkenswert, dass die Gladbacher Fans ihm das nicht übel nahmen. Und Trainer Lucien Favre auch nicht, denn der Schweizer lobte seinen Ex-Spieler kürzlich noch einmal. Der wisse noch gar nicht, wie gut er wirklich sei.

Reus sei mit seinen Qualitäten ein Spieler für den FC Barcelona. In der Nationalmannschaft nähert sich der Spieler, der im offensiven Mittelfeld auf allen Positionen wirbeln kann und den Bundestrainer Joachim Löw als verkappten Stürmer einstuft, einem Stammplatz. Im Test gegen die „Gauchos“ soll er von Beginn an auflaufen, wie zuletzt bei seinem großartigen Auftritt beim 4:2 im EM-Viertelfinale gegen Griechenland in Danzig. Die englischen Zeitungen haben ihn danach in Anspielung an eine britische Nobel-Automarke als „Rolls Reus“ bezeichnet.

Dass er beim 1:2 gegen Italien im Halbfinale nicht in der Startelf stand, gilt nicht wenigen Beobachtern als einer der Gründe für das bittere Aus, das Löw und viele Nationalspieler noch nicht verarbeitet haben. „Es hängt doch nur an Kleinigkeiten“, sagt Reus. Zusammen mit Lionel Messi auf dem Platz zu stehen, macht Reus wieder einmal deutlich, dass er einen atemberaubenden Aufstieg hinter sich hat. „Ich habe selten einen Spieler gesehen, der so leichtfüßig ist. Alles bei ihm sieht so leicht aus. Er ist unbestritten der überragende Spieler“, sagt Reus.

„Aber wir wissen, wie wir ihn stoppen können.“ Er selbst, der sich ebenfalls nicht gerade schwerfüßig über den Rasen bewegt, will sich nicht stoppen lassen. Mit Meister und Pokalsieger Dortmund wird er die Champions League kennenlernen, mit der Nationalelf bei der WM 2014 groß auftrumpfen. Marco Reus hat viel erreicht, seitdem er 2009 den Zweitligisten Rot Weiss Ahlen verließ. Dennoch sagt er: „Für mich fängt es jetzt erst an.“ Alles, was einen Fußball gut mache, könne er noch verbessern.

 

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