Deutschlandweites Verkehrschaos Wegen G20-Gipfel? 13 Brandanschläge auf Bahnanlagen

Zugreisende warten auf einem Gleis im Hauptbahnhof in Dresden. Auf die Bahn wurden Brandanschläge verübt, die nach Einschätzung des Operativen Abwehrzentrums (OAZ) der sächsischen Polizei möglicherweise einen Bezug zum G20-Gipfel in Hamburg stehen. Foto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa

In der Nacht zum Montag brennt es deutschlandweit in Bahnanlagen, es kommt zu Verspätungen und Zugausfällen. Ein politisches Motiv ist nicht ausgeschlossen.

Knapp drei Wochen vor dem G20-Gipfel in Hamburg haben vermutlich extremistische Täter in mehreren Bundesländern Bahnanlagen in Brand gesteckt. Die Folge: ein totales Verkehrschaos. Züge fielen aus, Reisende mussten zu Wochenbeginn mit Verspätungen zurechtkommen. Insgesamt gab es nach ersten Ermittlungen 13 Anschläge an Bahnstrecken in ganz Deutschland.

Mögliches Bekennerschreiben aufgetaucht

Betroffen waren nach Angaben der Bundespolizei Berlin, Hamburg, Köln, Dortmund, Leipzig und Bad Bevensen in Niedersachsen. Auch in Bremen habe es eine mutmaßliche Brandstiftung gegeben, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Hannover. Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz der Polizei in den Ländern nahm die Ermittlungen auf.

Die Berliner Polizei geht nach den Brandanschlägen auf Bahnanlagen einem möglichen Bekennerschreiben nach, das auf der Internetplattform linksunten.indymedia.org aufgetaucht ist. Das Schreiben sei bei der Berliner Polizei bekannt und werde jetzt geprüft, sagte ein Sprecher am Montag. Aus Sicherheitskreisen hieß es, das mutmaßliche Bekennerschreiben passe ins "Raster". Allerdings sei es noch zu früh zu sagen, ob dies tatsächlich authentisch sei. Indymedia versteht sich als offene Plattform zur freien Verbreitung von Informationen. In der Vergangenheit waren dort im Zusammenhang mit Bekennerschreiben zu Straftaten auch Fälschungen aufgetaucht.

Im Vorfeld des G20-Gipfels hatten Linksextremisten wiederholt Aktionen und Anschläge angekündigt. Am 7. und 8. Juli treffen sich Staats- und Regierungschefs aus den führenden Industrie- und Schwellenländern sowie Vertreter der EU in Hamburg. Nach Einschätzung des Operativen Abwehrzentrums (OAZ) der sächsischen Polizei haben die Vorfälle möglicherweise einen Bezug zum G20-Gipfel. Eine politische Motivation könne nicht ausgeschlossen werden und sei Gegenstand der weiteren Ermittlungen, teilte das OAZ mit.

Im Raum Leipzig wurden nach Angaben der Bundespolizei seit 2.40 Uhr am Montag Brandanschläge auf Kabelschächte und elektronische Stellwerke verübt. "In einigen Fällen konnten Brandvorrichtungen unschädlich gemacht werden, bevor sie Schaden anrichteten", sagte ein Sprecher. Zudem sei mit einem Hubschrauber aus der Luft nach weiteren Brandorten gesucht worden.

13 mutmaßliche Anschläge - Ermittler gehen von einem Zusammenhang aus

Bisher seien bundesweit zwölf Brandanschläge auf Bahnstrecken festgestellt worden. Die Ermittler gehen davon aus, dass es zwischen den Bränden einen Zusammenhang gibt. Die Berliner Polizei sprach von 13 mutmaßlichen Anschlägen.

Ein Polizeiwagen steht in Berlin vor dem S-Bahnhof am Treptower Park. Hier wurde ein Feuer in einem Kabelschacht gelegt.  Foto: Paul Zinken/dpa

Am Berliner S-Bahnhof Treptower Park wurde vermutlich ein Feuer in einem Kabelschacht gelegt. "Es sieht derzeit danach aus, dass der Brand vorsätzlich gelegt wurde", sagte ein Polizeisprecher. Es kam zu erheblichen Problemen im Nahverkehr. In Lautsprecheransagen auf dem Bahnsteig wurde von einem möglichen Brandanschlag gesprochen.

In Hamburg gab es zwei Brände an Zuggleisen, im Stadtteil Eidelstedt und im Bereich Höltigbaum brannten Kabel neben den Gleisen, erklärte ein Polizeisprecher am Montagmorgen. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagte, der Zugverkehr auf der Strecke Hamburg-Lübeck sei zwischen Rahlstedt und Ahrensburg unterbrochen. Sie sprach von Vandalismus. Die Störung werde vermutlich den ganzen Tag dauern.

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