Giengen - Eigentlich kennen sie sich auf der Alb aus, sagt Jochen Seeb. Der 49-jährige Familienvater aus Bad Boll verbringt mit seiner Familie - das sind seine Frau Steffi (42) und die Kinder Lea-Marie (11) und Tom-Luca (7) - einen Tag zwischen Giengen an der Brenz und Aalen. Was sie alles vor der eigenen Haustür finden, überrascht die Seebs. „Dass man bei uns auf der Alb doch so viel machen kann, das hätte ich nicht gedacht“, sagt Jochen. Am Samstag geht es früh los. Der Tag auf der Ostalb umfasst ein straffes Programm. Anlass dafür ist die Aktion Zeitreisen des Schwäbische Alb Tourismusverbands, bei dem die Familie Goldtaler sammeln will. Am Freitagabend machen sie sich auf dem Weg aus ihrer Heimat in der Nähe von Göppingen. Sie übernachten auf der Burg Katzenstein. Dort gibt es den ersten Taler. Die Burg ist vor allem für Sohn Tom-Luca ein Erlebnis.

Ein wenig gruselig ist die alte Stauferburg in Dischingen anfangs zwar schon. Vor allem das Schlossgespenst Balduin. Als er ihn bei der Führung in Form einer Puppe kennen lernt, ist er aber gar nicht mehr unheimlich. Nach dem Frühstück fährt die Familie am Samstag nach Giengen, auf der Jagd nach dem nächsten Taler. Um zehn Uhr morgens steht eine Führung im Steiff-Museum an. Apollonia Margarete Steiff, die 1847 in Giengen geboren wurde, gründete die Stofftierfirma. Die Führung beginnt mit einem Theaterstück ohne Schauspieler, in dem Bücher wie von Geisterhand durch Margaretes Zimmer fliegen. „Das war wirklich super“, sagt Steffi Seeb später. Auch die Kinder sind begeistert und lassen sich von einem sprechenden Teddy durch das Museum begleiten. In Vitrinen, die nach Themen sortiert sind, erzählen Stofftiere die Geschichte vom Knopf im Ohr. Als Abschluss basteln die Seebs ihre eigenen Kuscheltiere. Schweine, Frösche, Bären und Hasen. Nach dem Ausstopfen mit Watte und dem Zunähen fehlen nur noch die Gesichter, die auch die Kinder selbst mit einer Airbrush-Pistole malen dürfen.

„Das Kuscheltiermuseum fand ich aber interessanter“

Lea-Marie freut sich: „Das war wirklich eine schöne Führung. Und das Schwein, das ich gebastelt habe, darf in meinem Bett schlafen.“ Die nächste Station auf der Ostalbtour der Seebs ist die Höhlen-Erlebniswelt in Giengen-Hürben. Vorbei an Getreidefeldern und Felsenhängen, ist die Charlottenhöhle in fünf Fahrminuten erreicht. Neun Grad und fast 100 Prozent Luftfeuchtigkeit sorgen dafür, dass die vier ihre Jacken anziehen und dicht beieinanderbleiben. Die Höhle ist mit 587 Metern eine der längsten Schauhöhlen Süddeutschlands. Ist die LED-Beleuchtung ausgeschaltet, ist es stockfinster. Als jemand hustet, erschreckt sich Lea-Marie. „Nur keine Angst“, sagt Führerin Susanne Prechtl. „Die Bären, die hier gewohnt haben, sind schon seit 15 000 Jahren ausgestorben.“ Angetan haben es der Familie die Tropfsteine, die sich über Jahrhunderte an der Höhlendecke gebildet haben. „Das Kuscheltiermuseum fand ich aber interessanter“, sagt Lea-Marie später. Papa Jochen nicht: „Die Höhle war etwas für mich. Trotzdem ist heute bis jetzt für jeden etwas dabei“, sagt er.

Nur Tom-Luca ist etwas müde, als die Familie nach einer Portion Schnitzel mit Pommes und einer halbstündigen Autofahrt schließlich die letzte Station des Tages erreicht. Das Limes-Museum in Aalen. Zuerst verkleiden sich die Kinder als Römer. Tom-Luca ist glücklich im Kettenhemd mit Schwert und Schild. Auch Lea-Marie blüht auf. Seit diesem Schuljahr lernt sie Latein. Eine kopflose Statue erkennt sie als Kriegsgott Mars, und dass auxilium auf deutsch Hilfe bedeutet, weiß sie auch schon. Um 19 Uhr brechen die Seebs schließlich müde, aber zufrieden und mit vier Goldtalern in ihrer Entdeckerkarte auf. Diesmal geht es nur noch nach Hause. „Ich will heute unbedingt noch ins Schwimmbad“, sagt Tom-Luca. Mutter Steffi lacht. „Es war ein schöner Tag und wir werden heute gut schlafen. Auf der nächsten Talersuche lassen wir den Tag aber ruhiger angehen“, sagt sie.