Müritz - Zwei kräftige Männer in leuchtend orange gummierten Latzhosen und Gummistiefeln haben ihre flachen Kähne im Bootsschuppen festgemacht. Jetzt gilt es, den Fang zu entladen und zu verarbeiten. Gewaltige Hechte sind dabei, einige länger als einen Meter, kräftige Aale, stark wie ein Unterarm, schmächtige, silbrige Maränen und grünlich graue Zander, knapp 50 Zentimeter lang. Mit wenigen Handbewegungen nehmen sie die Fische auf einem Holzbock aus und entschuppen sie.

Einige landen als Filets in einem eisgefüllten Thermobehälter, andere im Räucherofen. Bald zieht würziger Geruch nach frisch geräuchertem Fisch in die Nase. An schlichten Holztischen vor dem Bootsschuppen wartet bereits eine Handvoll Kunden. Wer nicht selbst angelt oder wem partout kein Fang an den Haken gehen wollte, der kann den Fisch nirgendwo frischer als bei den Müritzfischern kaufen. Direkt aus dem Rauch, noch warm, schmeckt der Aal besonders gut. Ein verführerischer Anblick auch die goldbraun geräucherten kleinen Maränen, ein rund 20 Zentimeter langer zartfleischiger Lachsfisch ohne Zwischengräten, auch das „Tafelsilber der Mecklenburgischen Seenplatte“ genannt.

Mecklenburgische Seenplatte: das „Land der 1000 Seen“

Weite Felder und Viehweiden ziehen sich in der Mitte Mecklenburgs über grüne sanfte Hügel, unterbrochen von Misch- und Nadelwäldern. Gewaltige Gletscher der letzten Eiszeit frästen vor rund 20 000 Jahren Kerben in den Untergrund und schoben das Erdreich zu Hügelketten zusammen. Als das Eis schmolz, füllten sich die Vertiefungen mit Wasser. Morcze, „kleines Meer“, nannten slawische Siedler einst die amphibische Landschaft. Die Müritz gilt mit einer Fläche von 113 Quadratkilometern als größter Binnensee innerhalb der Grenzen Deutschlands. Zusammen mit dem Plauer See, dem Fleesensee, dem Kölpinsee und Hunderter weiterer Gewässer bildet er die Mecklenburgische Seenplatte, das „Land der 1000 Seen“.

Möwen schweben über einer Bucht des sommerlichen Müritzsees. Für passionierte Hobbyangler ein Zeichen zum Auslaufen. Außenborder werden angeworfen, und schon tuckern kleine Motorboote zu den erhofften Fischgründen. Die Raubvögel können aus der Höhe Kleinfischschwärme ausmachen, die sich zwischen krautigen Wasserpflanzen tummeln. Etwas Glück ist schon dabei, doch oft sind auch ausgewachsene Barsche nicht weit, die sich auf die Beute stürzen und wie wild nach den kleinen Fischen schnappen. Jetzt schlägt auch die Stunde der Angler, die nicht selten in kurzer Zeit einige pfundschwere Barsche aus dem Wasser ziehen. Barsche und Hechte gehören zu den meist­geangelten Fischen, doch auch Karpfen, Aale, Maränen, Zander, Welse oder Quappen gehen an den Haken.

Ein Meer aus weißen und gelben Seerosen

Doch vielen geht es neben dem Angeln auch um das Naturerlebnis. Große Teile der Müritz, vor allem das Ostufer mit seinen Feuchtgebüschen und Schilfzonen, sind durch den Müritz-Nationalpark geschützt. Ein Naturparadies mit mehr als 100 Seen, Teichen und ursprünglichen Mooren, mit Naturwiesen und Wäldern von großem Wildreichtum. Wer nicht zu viel Lärm veran­staltet, kann Tiere beobachten, die sonst nur im Zoo zu sehen sind: Reiher, Kraniche, Schwarzstörche, Rotwild, sogar Wildschweine. In der Luft kreisen See- und Fischadler auf der Suche nach Beute. Mit viel Glück kann man sogar den hier heimischen seltenen Eisvogel beim Fischfang beobachten. In verschwiegenen Buchten blühen im Sommer Hunderte weißer und gelber Seerosen.

Nicht weit vom Seeort Röbel, dessen Müritz-Therme Badespaß auf 3000 Quadratmetern verspricht, zeigen das über 1000 Jahre alte Ludorf mit einem 1698 im Stil der dänischen Klinkerrenaissance errichteten Herrenhaus und viele andere Schlösser, dass der mecklenburgische Landadel zu leben verstand. Und Waren, Hauptort der Müritz und schon seit Theodor Fontanes Zeiten Sommerfrische, warb schon vor rund 100 Jahren mit dem Slogan „Baden, Wandern, Wasserfahren - nirgends schöner als in Waren“ .