Der neue DEB-Coach startet mit zwei Siegen beim Deutschland-Cup. Spieler und Fans lieben ihn – und der Coach selbst erwidert dies

MÜNCHEN Er ist der neue starke Mann des deutschen Eishockeys. Pat Cortina, der seit September das Amt des Bundestrainers bekleidet und ab 2013 zusätzlich den Posten des Sportdirektors ausüben wird. Derartige Machtbefugnisse bringen vieles mit sich: Man wird hofiert, respektiert, geachtet, da wird hintenrum gelästert und intrigiert – und man ist gefürchtet. Aber geliebt?

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Beim Italo-Kanadier, der hier beim Deutschland-Cup in München sein Debüt als Bundes-Pat hinter der Bande gab, ist das anders. Dem 48-Jährigen, der diese Saison auch noch Trainer des EHC Red Bull München ist, schlägt eine tiefe Sympathie entgegen. Er, der Eishockey-Deutschland zu Turnierbeginn gleich mit zwei Siegen über Kanada (3:2) und die Schweiz (2:0) beschenkte, ist bereits der Liebling der Fans, der Spieler. Anders als sein Vorgänger, der umgängliche, aber unscheinbare Jakob Kölliker, ist Cortina eine Erscheinung.

Eishockey-Legende Erich Kühnhackl adelte Cortina in der AZ als „Fachmann mit Visionen”. Und er ist nur einer in der Phalanx der Lobenden. „Man erkennt eine Handschrift, ein System”, sagte Eishockey-Ikone Didi Hegen. Und Nationalstürmer Alexander Barta erklärte: „Ich denke, Cortina ist genau der Mann, den wir jetzt brauchen. Er gibt uns eine Richtung vor.”


Eine Richtung, die bei Vorgänger Kölliker fehlte. Der Schweizer, der vor einem Jahr den Deutschland-Cup nicht gewinnen konnte, dann aber nach einer enttäuschen WM gefeuert wurde, galt als zu weich, zu nett, zu verspielt. Ganz anders Cortina, der sich als Trainer des EHC München einen Ruf als harter Hund erarbeitet hat.


Auch unter den Nationalspielern herrschte anfangs Verwunderung über den neuen Bundestrainer, dessen größter Erfolg bislang der Aufstieg mit dem EHC in die DEL war. „Der Name Cortina kam schon überraschend. Aber als er der Mannschaft seinen Plan erklärt hat, sind wir danach raus gegangen, haben uns angeschaut und gewusst: Das ist der richtige Mann für uns”, sagte Stürmer Marcus Kink von den Mannheimer Adlern. Die Spieler schätzen seine akribische Arbeit, seine Detailversessenheit. „Aber auch neben dem Eis ist Pat ein toller Typ mit einem ganz guten Humor. Im Hotel bekommt einer schon mal einen Spruch ab, wenn er zu viel vom Dessert auflädt”, erzählt Kink.


Das Misstrauen ist schnell gewichen, schon gilt: Alle lieben Pat. Natürlich vor allem EHC-Manager Christian Winkler, ein enger Freund Cortinas. „Die Mannschaft spielt ganz tolles Eishockey. Pat hat sein System toll entwickelt”, sagte Winkler. Das System: hinten dicht machen. Ganz nach dem Motto: Die Null muss stehen. Man zerstört das Spiel des Gegners, Schönspielerei, wie von Kölliker proklamiert, wird es nur geben, wenn die Defensivaufgaben erfüllt sind.

„Ich will Enthusiasmus sehen. Wir brauchen Struktur im Spiel und müssen vor dem eigenen Tor aufräumen”, sagte Cortina. Leitsätze, die auch beim EHC gelten. Eine Identität, die Cortina nun auch der Nationalmannschaft überstreifen möchte. „Man kann schon sagen, dass wir jetzt EHC-Eishockey spielen in der Nationalmannschaft”, sagte EHC-Stürmer Martin Buchwieser.


Der Itala-Kanadier ist angekommen als Bundestrainer. „Es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte man eine neue Freundin”, sagte Cortina. Und für die wird er nach dieser DEL-Saison mehr Zeit haben, dann hört er beim EHC auf. Er braucht mehr Zeit für seine neue Liebe, die neue Freundin.