Der Flaneur will sich nicht Weihnachten verweigern und spendiert lieber Tipps

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Je nach Alter der Kinder und Gemütsverfassung der eingeladenen Freunde und Verwandte habe ich mittlerweile die verschiedensten Arten des Weihnachtenfeierns erlebt: mit und ohne Christbaum, mit und ohne fromme Gesänge, mit Festessen oder asketischem Kartoffelsalat. Alles schon durchgemacht. Auch Phasen strikter Konsumverweigerung mit dem dringenden Wunsch, dass sich wenigstens die erwachsenen Personen untereinander nicht beschenken mögen.

Wünsche, die von chronischen Spielverderbern natürlich nicht erfüllt werden, und wenn, wirkt das Lächeln der Unbeschenkten dann doch aufgesetzt, sie wissen nicht recht, wohin mit den leeren Händen. Es folgte eine Phase der Verweigerungsermüdung mit einer allmählichen Rückkehr zur Tradition und der Erlaubnis zum Absingen von bis zu drei heiligen Liedern auch in Gegenwart von Heiden.

Schenken nach Herzenslust – in Gottes Namen. Damit aber war auch der alte, als materialistisch verdammte Einkaufsterror wieder da, dem man doch entrinnen wollte. Somit sind die Fußgängerzonen nach wie vor voller Verzweifelter, Suchender, Irrender, fast schon Traumatisierter, die sich als schlechte Menschen vorkommen, weil ihnen noch immer kein Geschenk für ihre Lieben eingefallen ist. Sie haben sich einreden lassen, dass dieser Ideenmangel ein Zeichen dafür ist, dass man seine Lieben nicht richtig liebt.

Die Schlangen an den Paketschaltern der Post seien so lang wie noch nie, heißt es. Alles Geschenke für den Gabentisch? Nein, es sind Rückgaben. Die Leute kaufen online, was das Zeug hält. Mit der bequem frei Haus gelieferten Ware kommen beim Auspacken die Bedenken, ob der bestellte Kleinstaubsauger, der praktische Dia-Digitalisierer oder die Handtasche mit Innenbeleuchtung die richtigen Geschenke sind oder nur weiterer unnötiger Ballast. Besser zurückschicken.

Ich verschenke diesmal Programmtipps. Die stehen nicht im Weg herum und müssen weder befolgt noch später entsorgt werden. Persönlicher Rat ist besser als gekaufte Ratgeberliteratur, auch wenn sie so smart daherkommt wie Rolf Dobellis verdächtig erleuchtet klingender Bestseller „Die Kunst des klaren Denkens“.

Vom 23. bis zum 30. 12. laufen in der ARD zehn Märchenfilme. Allerhöchste Schauspielkunst! Iris Berben und Barbara Auer als bitterböse Frauen, Matthias Brandt als närrischer Kaiser mit den neuen Kleidern. Und ein keck kämpferisches Aschenputtel, das einem die Augen feucht werden lässt. Erlösend, all diese Siege des Guten!

Noch ein Tipp: wer „Stille Nacht“ nicht mehr hören kann, soll bei Youtube „silent night kills“ eingeben. Klingt nicht tannenbaumfestlich, aber was „The Kills“ da in sparsamster Form zum Besten geben, ist die großartige Rettung dieser schönen Melodie aus allem falschen Kommerzgeklingel.