Der Flaneur zieht die Klassiker dem neuen Buch von Arnold Schwarzenegger vor

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Höchste Zeit, meinen Kollegen Bewunderung und auch Beileid auszudrücken. Es ist der Beruf von Zeitungsleuten, täglich neueste Nachrichten aufzutischen. Darauf haben die Leser Anspruch. Das bedeutete am vergangenen Donnerstag, mittags fiebernd darauf zu warten, welchem Poeten diesmal der Nobelpreis zugesprochen werden würde. Dann heißt es, sich innerhalb von wenigen Stunden halbwegs schlau zu machen und auch noch etwas halbwegs Schlaues zu schreiben.

Nobelpreisträger werden heute von brutalen Schweden, die auf die Zeitverschiebung keine Rücksichtnehmen, telefonisch aus dem Tiefschlaf am anderen Ende der Welt geholt. So jedenfalls wird es, noch in Pyjama und Pantoffeln, von den Betroffenen gähnend der eilig angereisten Weltpresse versichert. Nach einer anderen Legende wurde seinerzeit ein Engel und eine Taube bemüht, um die Jungfrau Maria zu informieren, dass sie die Auserwählte sei. Stillos, dass das Stockholmer Komitee den glücklichen Gewinnern die frohe Kunde nicht wenigstens mit Brieftauben in ihre Stuben bringen lässt.

Als nicht der Aktualität verpflichteter Flaneur, genieße ich das Privileg, nach der Verkündigung des Preises für Literatur erst einmal Mo Yan Wer? fragen zu können und abzuwarten, was so über den Mann geschrieben wird. Ich muss zum Glück auf der Frankfurter Buchmesse nicht im Medienrummel um einen guten Platz kämpfen, um zu erleben, wie Arnold Schwarzenegger sich beim Vorstellen seiner Autobiographie aufbläht, sondern kann dank der Berichterstattung der Kollegen an der Kulturfront zu Hause am Fernseher klar und bequem erkennen, dass dieser Mensch ein Zombie ist, der verlogen seiner Exfrau hinterher heult, die auch nicht bei Trost gewesen sein kann, als sie einmal das schon immer gruselige Monster heiratete.

Statt reißerische Neuheiten berichten zu müssen, kann ich bildungsbürgerlich die Aktualität und Haltbarkeit der Weltliteratur preisen und verkündigen: der Preis für die beste Beschreibung von Schulden und Sparmassnahmen geht in diesem Jahr an Jane Austen. In ihrem berühmten Roman „Stolz und Vorurteil“ ist schon eine Menge über das Problem des unangemessenen Geldausgebens zu lesen, wer aber wissen will, wie genau Menschen zumute ist, die sparen sollen, wenn sie zu wenig Geld haben, muss die ersten beiden Kapitel von der „Überredung“ lesen. Betrifft ja nicht nur die Griechen, sondern fast alle von uns, die wir fröhlich der Altersarmut entgegensegeln.