Ich hatte vom Medienkonsum die Nase voll und wollte nichts wie raus, möglichst nicht in die Fußgängerzone oder in die Nähe von Läden und Christkindlbuden. Nur nicht daran erinnert werden, dass bald Weihnachten ist. Dann aber doch noch mal schnell an den Computer und was nachgucken. Eine E-Mail ruft zur Solidarität mit Gustl Mollath auf. Der arme Mann wird in der geschlossenen Abteilung festgehalten, und man selbst kann einfach so seine vier Wände verlassen, weil man Glück hatte und keine Frau, die einen mit ihren Schwarzgeldgeschäften für die Hypo Bank verrückt macht und anzeigt, wenn man meckert – und keinen Richter, der einen wegsperrt, weil er die irre Geschichte nicht glauben will.

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Das Interview, das „Report Mainz“ mit der bayerischen Justizministerin geführt hat, steht in voller Länge bei Youtube im Netz und ist erhellender als ein Winterspaziergang an der frischen Luft. Auch wenn Beate Merk, um einen Rücktritt zu vermeiden, zurückgerudert ist, sind diese 15 Minuten sehenswert.

Die Frau saß da verstockt und beleidigt wie eine mopsige Schulsprecherin, die im Lehrerzimmer vom Elternbeirat ausgefragt wird und nicht gesehen haben will, dass ein Mitschüler schikaniert wurde. Stur berief sie sich auf psychiatrische Gutachten. Sie mauerte so grotesk und redundant, dass man sich an den DDR-Komiker Walter Ulbricht erinnert fühlte, der kurz vor dem Baubeginn der Berliner Mauer einer westdeutschen Journalistin seinen berühmt gewordenen Satz ins Gesicht log: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“

Wer das Opfer des Justizskandals vor seiner von der Ministerin so vehement verteidigten Zwangseinweisung sehen will, wird auch bei Youtube fündig: „Redebeitrag Gustl Mollath beim Kommentargottesdienst St. Lorenz“ (Nürnberg, 2003): ein charmanter und souverän sprechender Mann mit unvernagelten Ansichten, intelligent, witzig, rhetorisch begabt, der mir als Justizminister hundert Mal lieber wäre als das verdruckst stammelnde Mädchen, das zur Zeit die bayerische Rechtsprechung zu verantworten hat.