Ein halbes Jahr beim FC Bayern – und schon Abwehrchef: Nach dem Ausfall von Holger Badstuber ist Dante Dirigent der Defensive. Und erinnert mit seinen Jubel-Einlagen an den legendären Stürmer Giovane Elber.

München - Eigentlich ein netter Vergleich, den ein Journalist gestern auf der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel gegen Bate Borissow (20.45 Uhr/ZDF & Sky) anregte. Kapitän Philipp Lahm saß auf dem Podium und wurde zu seinem Nebenmann Dante befragt, der ja – wie er selbst – unverzichtbar geworden sei fürs Bayern-Spiel.

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"Er hat sich hier sofort zurechtgefunden, was nicht immer so leicht ist", lobte der Kapitän den Innenverteidiger, "er hat tolle Spiele gemacht." Ein Vergleich zwischen beiden würde jedoch hinken, meinte Lahm: "Er hat schließlich eine ganz andere Frisur als ich."

Wenn dieser Tage eisiger Wind über den Trainingsplatz an der Säbener Straße pfeift und die Schneeflocken tanzen, ist es praktisch, wenn man seine Mütze immer am Mann hat. Bayerns Dante ist da anders als Lahm von Natur aus begünstigt: "Mein Vorteil ist: Dank meiner Haare fühle ich mich auch im Winter wohl."

Gerade Anfang Dezember wirkt München mit seinem tristen Grau auf Brasilianer besonders befremdlich. Dante scheint das nichts auszumachen, er rief in den vergangenen Wochen seine besten Leistungen ab, dirigierte die Abwehr, traf gegen Hannover erstmals für den FC Bayern und darf sich nach dem Kreuzbandriss von Holger Badstuber als Abwehrchef sehen.

"Seine Position hat mit niemanden anderem was zu tun – wenn er fit ist, dann spielt er", adelte Trainer Jupp Heynckes Dante gestern. Er sei "ein Volltreffer als Einkauf" und bis auf "ganz wenige Ausnahmen ein Garant für die Sicherheit" der Abwehr. Nur sechs Liga-Gegentore, zehn Mal zu Null – auch Dantes Verdienst.

Der 29-Jährige, der seit Spätsommer mit seiner Frau Jocelina und den Kindern Sophia und Diogo in Grünwald wohnt, hatte kaum Eingewöhnungsprobleme. Auch, weil er lieber auf die Menschen zu geht, als sie auszuschließen. "Es ist wichtig, als Ausländer auch an der Kultur teilzuhaben und sie zu adaptieren. Ich will die Leute hier auch kennenlernen", sagte er vor kurzem der "Deutschen Welle".

Mit ähnlicher Entschlossenheit schmiegte sich einst Giovane Elber an die Bayern-Seele, wurde schon kurz nach seiner Verpflichtung 1997 zum Publikumsliebling – auch, weil er stets überschwänglich jubelte.

Als Abwehrspieler kommt Dante freilich nicht so oft dazu, beteiligte sich aber gegen Lille schon als Tanzpartner von Claudio Pizarro und feierte sein erstes Tor mit einem improvisierten Tänzchen zum Lied "Pam Pam Ram Ram Pam Pam" der Gruppe "EdCity" (Refrain: "Links, rechts, bambabarambabam", und so weiter).

Das Bayern-Dogma "Mia san mia" trägt der 29-Jährige nicht nur im Trikot-Kragen, er weiß auch schon etwas damit anzufangen: "Mia san mia bedeutet: Ich bin stark, ich habe Selbstvertrauen." So viel, dass Heynckes gar nicht mehr auf ihn verzichten will. "Er hat Persönlichkeit, ist erfahren, gelassen, überträgt das auch aufs Team", lobt der.

Dante sei "von sich und seinem Spiel überzeugt – aber trotzdem bescheiden". Kurz: "Er ist aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken." Glück war Dante in dieser Saison natürlich auch hold – als einziger Innenverteidiger blieb er bislang von Verletzungen verschont, stand in jedem Liga- und Champions-League-Spiel 90 Minuten auf dem Platz.

Im Mai hatte der Abwehrspieler zur AZ gesagt: "Ich komme zu Bayern, um mein eigenes Kapitel zu schreiben. Ich hoffe, es wird eine schöne Geschichte mit guten Leistungen und Titeln." Titel gibt’s zwar erst im Frühjahr. Aber ein Anfang ist gemacht.