Denkmalgeschütztes Haus zerstört Politik verurteilt Abriss: "Das ist ein Skandal"

, aktualisiert am 04.09.2017 - 17:55 Uhr
Ein Bagger hat das Haus dem Erdboden gleichgemacht, obwohl das Gebäude unter Denkmalschutz stand. Foto: Petra Schramek

Jetzt schaltet sich auch die Kommunalpolitik wegen des Abrisses eines denkmalgeschützten Hauses in Obergiesing ein. CSU-Stadtrat Manuel Pretzl fordert Konsequenzen für die Baufirma, SPD-Budnestagskandidat Sebastian Roloff beschuldigt "profitgeile Spekulanten" und spricht von "krimineller Energie".

Giesing -  Auf der Baustelle hat sich der Staub inzwischen gelegt, die Debatte um das abgerissene Haus an der Oberen Grasstraße dagegen hat gerade erst begonnen. Nachdem bereits am Wochenende Anwohner den widerrechtlichen Abriss beklagten (AZ berichtete), meldete sich gestern auch das Planungsreferat zu Wort. Der Behörde untersteht die Lokalbaukommission und somit auch der Denkmalschutz.

Der Abriss sei in der Tat nicht genehmigt gewesen, bestätigt das Referat in einer Pressemitteilung. "Der Bauherr hatte lediglich eine Erlaubnis, das Gebäude denkmalgerecht zu sanieren, jedoch keinerlei Genehmigung zu erweiterten Baumaßnahmen, geschweige denn zum Abbruch", schreibt die Behörde in einer Pressemitteilung.

Es gab telefonischen Kontakt mit dem Bauherrn

Darin schildert das Referat auch seine Sicht der Ereignisse, die darin gipfelten, dass das Handwerkerhaus am Freitag unerlaubt dem Erdboden gleichgemacht wurde: "Als am Donnerstag mit einem Bagger Maßnahmen am Gebäude vorgenommen wurden, alarmierte die Anwohnerschaft die Polizei. Die Lokalbaukommission war im Rahmen der Bauaufsicht unverzüglich vor Ort und verfügte unmittelbar die Einstellung der Bauarbeiten sowie die Absicherung der Baustelle", heißt es. Und weiter: "Dies wurde im selben Zug dem Bauherrn telefonisch mitgeteilt, woraufhin dieser erklärte, dass die Arbeiter diese Tätigkeit nicht hätten ausüben sollen und er dies kritisch verfolgen würde."

Ganz so kritisch wie angekündigt, stand der Eigentümer dem Abriss dann aber wohl doch nicht gegenüber. Denn am nächsten Tag rollte der Bagger erneut und dieses Mal machte er mit dem Haus kurzen Prozess. Innerhalb weniger Minuten war es unrettbar zerstört. Die Arbeiter machten sich davon, THW und Feuerwehr mussten den Schutt von der Straße räumen.

Das Planungsreferat verurteilt dieses Vorgehen in seiner Mitteilung scharf. "Hierdurch wurde ein für den Stadtteil identitätsstiftendes und als Teil der ehemaligen Feldmüllersiedlung ausdrücklich unter Denkmalschutz gestelltes Gebäude unwiederbringlich zerstört."

Ob Reiter: "Das ist ein Skandal"

Auch im Rathaus ist die Aufregung groß. "Ich bin schockiert, mit welcher Dreistigkeit der Denkmalschutz missachtet wurde. Das ist ein Skandal und zerstört ein Stück altes Giesing für immer", ließ Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) mitteilen. Dem schloss sich SPD-Fraktionsvorsitzender Alexander Reissl an. Man sei "empört" über die Ereignisse. "Hier will sich jemand durch ein kriminelles Vorgehen einen wirtschaftlichen Vorteil verschaffen. Das darf nicht sein", so Reissl. Reiter kündigte gestern an, mit aller Härte gegen die Verantwortlichen vorgehen zu wollen.

Das sah der Koalitionspartner ganz ähnlich: "Eine Wiederholung darf es nicht geben. Die dubiose Baufirma muss die Konsequenzen für ihr dreistes Vorgehen deutlich zu spüren bekommen", sagt CSU-Fraktionsvorsitzender Manuel Pretzl. Die Fraktion Grüne/Rosa Liste geht bei ihren Forderungen nach Strafe sogar noch einen Schritt weiter: Sie möchte die Enteignung des Eigentümers prüfen lassen. "Das Problem ist nicht nur dieser Einzelfall, sondern grundsätzlicher Natur. Missachtung des Denkmalschutzes und Zweckentfremdung werden oft genug mit lächerlichen Bußgeldern und anschließend exorbitanten Renditen vergolten", teilte Fraktionsvorsitzende Gülseren Demirel mit. "Die Stadt muss hier eine harte Gangart einschlagen und alle Instrumente nutzen, um die Täter zur Verantwortung zu ziehen."

Auch beim Planungsreferat hat man sich Gedanken gemacht, wie man mit den Ereignissen umgehen soll. Man wolle "alle zur Verfügung stehenden rechtlichen Sanktionsmöglichkeiten ausschöpfen", so die Behörde in ihrer Mitteilung. Unter anderem, so das Referat, drohten für den unerlaubten Abriss Bußgelder in sechsstelliger Höhe.

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