Denkmalgeschütztes Haus zerstört Illegaler Abriss: Stadt droht mit sechsstelligem Bußgeld

Vor dem Trümmerhaufen haben die Anwohner einen improvisierten Traueraltar aufgebaut. Foto: Petra Schramek

Die Stadt reagiert rasch auf den unerlaubten Abriss eines denkmalgeschützten Gebäudes in Obergiesing. Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung will den Verstoß mit einem sechsstelligen Bußgeld ahnden.

Giesing - Der Schock sitzt tief, jetzt reagiert die Stadt: Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung hat den offenbar illegalen Abriss eines unter Denkmalschutz stehenden Hauses in Obergiesing scharf verurteilt und den mutmaßlichen Tätern ein sechsstelliges Bußgeld angedroht.

"Bußgelder in sechsstelliger Höhe"

"In großer Eile wurden Abrissarbeiten fortgeführt, bevor die zur Oberen Grassstraße gerufenen Behörden eingreifen konnten. Hierdurch wurde ein für den Stadtteil identitätsstiftendes und ein ausdrücklich unter Denkmalschutz gestelltes Gebäude unwiderbringlich zerstört", heißt es in einer Stellungnahme des Referates.

Und weiter: "Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung wird alle zur Verfügung stehenden rechtlichen Sanktionsmöglichkeiten ausschöpfen, unter anderem drohen hier Bußgelder in sechsstelliger Höhe."

Das war passiert: In der Oberen Grasstraße 1 wurde das "ehemalige Handwerkerhaus, Kern um 1840/45, nach Kriegszerstörung 1944 wiederaufgebaut", so die Beschreibung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, unerlaubt abgerissen. Als die Arbeiter mit Abbrucharbeiten begannen, verständigten schockierte Anwohner die Polizei und die Lokalbaukommission (LBK). Die LBK bestätigte vor Ort die Denkmaleigenschaften und verbot weitere Abbrucharbeiten.

Wer hat Schuld?

Doch am nächsten Tag kamen die Bauarbeiter wieder und rissen das Haus binnen kürzester Zeit ab. Markant: Auf der Homepage der Baufirma aus Laim heißt es: "Wir arbeiten lösungs- und terminorientiert." Doch offensichtlich lief lief bei diesem Auftrag richtig was schief. Wer Schuld hat an der dreiste Aktion, muss nun geklärt werden: der Bauherr und/oder die Baufirma.

Auch die Kommunalpolitik reagierte indes empört. "Der Hauruck-Abriss des angeblich denkmalgeschützten Hauses in Obergiesing ist ein Skandal. Wir möchten von der Lokalbaukommission Informationen zum Verfahrensstand der Baumaßnahme und zum Abrissverbot bekommen. Durch Abriss Fakten schaffen und die Strafe in Kauf nehmen: Eine Wiederholung darf es nicht geben", erklärte Stadtrat Manuel Pretzl von der CSU.

Scharfe Kritik von SPD und CSU

Die dubiose Baufirma müsse die Konsequenzen "für ihr dreistes Vorgehen deutlich zu spüren bekommen", so Pretzl weiter. "Die Stadt muss hier klare Kante zeigen", meinte Sebastian Roloff, Bundestagskandidat der SPD im Münchner Süden.

Roloff betont: "Es kann nicht angehen, dass sich profitgeile Spekulanten einfach über geltendes Recht hinwegsetzen. Ich erwarte, dass die Stadt gegen dieses hohe Maß an krimineller Energie mit aller Härte vorgeht." Das hat sich das zuständige Referat nun offenbar vorgenommen.

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