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Dem Klabautermann zum 50. Pumuckl: Hoch soll er leben!

Sabine Dobel, dpa, vom 21.02.2012 11:59 Uhr
Hurra, hurra! Der Kobold mit dem roten Haar wird fünfzig. Klicken Sie durch die Pumuckl-Bilderstrecke. Foto: dapd, BR/Infafilm/Original-Entwurf Pumuckl- Figur: Barbara von Johnson

Pumuckl begeisterte schon Generationen von Kindern. Richtig erwachsen geworden ist er bis heute nicht – dabei wird der liebenswerte Quälgeist jetzt 50 Jahre alt.

München – Haben Geister eigentlich einen Geburtstag? Bei dem kleinen Klabautermann Pumuckl ist selbst seine „Mutter“, die Münchner Schriftstellerin Ellis Kaut nicht ganz sicher: „Ich kann es selbst als Autorin nicht sagen, ob er Geburtstag hat oder nicht.“ Schließlich sei er ein Geistwesen. „Er ist nicht von dieser Welt“, sagte die 91-Jährige der Nachrichtenagentur dpa.

Allerdings sei sie in der Frage nicht immer konsequent gewesen. Im Jahr 1970 ließ sie ihn etwa in „Pumuckl will Geburtstag haben“ sagen, er sei genau vor „siebzigdreizehn Jahren“ auf die Welt gekommen, auf einem Segelschiff während eines schlimmen Sturms. Ein andermal skandiert der Kobold: „Geburtstag ist ein schöner Tag, ich jeden Tag Geburtstag mag.“

Auf den 21. Februar 1962 datiert jedenfalls der Bayerische Rundfunk den ersten Tag im Leben des kleinen Quälgeistes: Damals erlebte der rothaarige Kobold zumindest seine mediale Geburt. Mit „Spuk aus der Werkstatt“ wurde das erste Pumuckl-Hörspiel gesendet. Wenige Jahre später folgten die Romane, in den 80er Jahren die Fernsehserie und der erste Spielfilm. Der BR feiert den runden Geburtstag mit mehreren Sendungen.

Die ersten Worte des unsichtbaren Kobolds in der Werkstatt von Schreinermeister Eder waren freilich weder „Mama“ noch „Auto“, sondern: „Pumuckl neckt, Pumuckl versteckt, niemand entdeckt!“ Die Stimme lieh ihm Hans Clarin, der wie ein echter Klabautermann von der Küste stammte und Pumuckl über Jahrzehnte seinen stimmlichen – und hochdeutschen – Charakter gab. Den gutmütigen bayerischen Meister Eder verkörperte in zahlreichen Hörspielen Alfred Pongratz und im Fernsehen Gustl Bayrhammer.

Pumuckl blieb aber nicht lange ein bayerisches Phänomen. Generationen in ganz Deutschland wurden mit „Meister Eder und sein Pumuckl“ groß. In der Schweiz spricht Pumuckl Schweizerdeutsch, und auch in anderen europäischen Ländern wie Spanien und Frankreich und sogar in China erobert der freche Kobold inzwischen Kinderherzen.

Dabei sind die Lebensumstände des kleinen Frechdachses nicht leicht zu fassen. Die Frage etwa, ob er nach Jahrzehnten als Single auch mal eine Freundin haben darf, musste gerichtlich entschieden werden. Seine ursprüngliche Zeichnerin Barbara von Johnson hatte Kinder in einem Malwettbewerb eine Freundin für Pumuckl malen lassen. Das Münchner Landgericht erlaubte das zwar nach monatelangem Gezerre. Doch die Erfinderin Kaut fand eine Gespielin für den Kleinen „unappetitlich“ – nicht zuletzt sah sie ihre Autonomie über Pumuckls Biografie in Gefahr.

Vor ein paar Jahren bei der Vorstellung ihrer Autobiografie „Nur ich sag ich zu mir – Mein Leben mit und ohne Pumuckl“ lüftete Kaut das Geheimnis von „Pumuckls“ Entstehung – nämlich bei einem Skiurlaub in der Schweiz. Als sie ihren Mann mit Schnee bewarf, nannte der sie einen „rechten Pumuckl“.

Wenn das vom Bayerischen Rundfunk angegebene Geburtsdatum stimmt, dann hätte der Nachfahre der berühmten Schiffsgeister das Sternzeichen Fisch. Liebeswürdig, sensibel, aber schwer zu fassen sollen Fische sein - das würde schon passen für den Kobold, der immer wieder unsichtbar wird. Kaut kann sich freilich mit der Idee nicht recht anfreunden und glaubt, dass sich auch ihr Pumuckl nicht für sein Horoskop interessiert. „Ich bin kein Freund der Astrologie. Und so was vererbt sich ja auf Kobolde.“

Sein Alter ist jedenfalls schwer zu schätzen – bis heute hat er keine Falte und kein graues Haar. „Ältere Herren, finde ich, kriegen immer interessantere Gesichter, wenn sie weiße Haare ringsum haben“, sagt Kaut. Ihr Pumuckl aber werde immer rothaarig bleiben, und an die Rente denke er auch nicht. „Ich glaube, dass er sich keine großen Gedanken über die Rente macht – weil er gar nicht weiß, was eine Rente ist.“ Auch die Frage, ob Pumuckl irgendwann einmal vernünftig und erwachsen wird, stellt sich für Kaut nicht. „Er ist ja schon vernünftig – er ist ja viel vernünftiger als die meisten Menschen“, findet Kaut, räumt aber ein: „Es ist allerdings eine eigene Art der Vernunft.“

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