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Datenschutz Hier späht die Stadt die Münchner Autofahrer aus

Anne Hund, vom 17.06.2011 16:03 Uhr
Tatort Haidhausen: Ein wildfremder Mann kommt – und notiert sich alle Autokennzeichen. Foto: ho
Tatort Haidhausen: Ein wildfremder Mann kommt – und notiert sich alle Autokennzeichen. Foto: ho

Eine Firma sammelt und speichert Daten darüber, wer, wo, wann und wie lange parkt – im Auftrag der Stadt. Der Haidhauser Andreas Braun (40) protestiert und pocht auf den Datenschutz

München - Nur mal angenommen, ein wildfremder Mensch – wohlgemerkt, kein Parkschandi, keine Politesse – zückt einen Stift – und notiert sich die Nummernschilder von jedem geparkten Auto in Ihrer Straße. Wäre schon komisch. Doch genau das passiert – jeden Tag. Der Haidhauser Andreas Braun hat das in der Milchstraße beobachtet.

Auch seinen korrekt geparkten Porsche hat der Fremde dabei fein säuberlich notiert. Der 40-Jährige hält das für einen Skandal. Und hat den Nummernschild-Kontrolleur zur Rede gestellt. Die Stadt habe ihn geschickt, gibt der bereitwillig Auskunft. Und sagt, dass er Mitarbeiter eines Verkehrsplanungsbüros ist, das – im Auftrag der Stadt – erfasst, wann, wo und wie lange die Autofahrer in München parken. Andreas Braun ist empört. „Nicht einmal die Polizei darf zur Gefahrenabwehr alle Kfz-Kennzeichen notieren“, sagt er.

„Da ist ja selbst Google-Streetview oder die Volkszählung nichts gegen die von der Stadt angewandten Methoden.“ Seine größte Sorge: „Durch die Erhebung der Daten lassen sich ohne Weiteres Bewegungsprofile ohne Wissen der Kfz-Halter erstellen.“ Ist das Ganze überhaupt legal? Ja, sagt die Stadt, die so den Parkplatzbedarf ermittelt. „Nötig ist das, wenn Anwohnerparkplätze geschaffen oder Parkplätze verlegt werden“, heißt es beim zuständigen Planungsreferat. So wie in Haidhausen, wenn – wie vorerst nur angedacht – die Radwege entlang der Rosenheimer Straße verbreitert – und dort, zwischen Rosenheimer Platz und Orleanstraße, möglicherweise bis zu 50 Parkplätze entfallen. Wohin dann mit den Autofahrern? „Die Frage ist, ob sie auch in der Nähe der Rosenheimer Straße parken können“, sagt Georg Koppen, Co-Chef der Verkehrsabteilung im Planungsreferat. Also zum Beispiel in der Milchstraße.

Deshalb habe man dort und in den umliegenden Straßen verfolgt, ob und wie die Autofahrer den Parkraum nutzen. Thorsten Vogel, Sprecher im Planungsreferat, erklärt, wie das im Detail funktioniert: „Die Kennzeichen der parkenden Autos werden von einer Firma, mit der wir einen Vertrag haben, registriert. So lässt sich im Nachhinein feststellen, welche Kfz-Bewegungen stattgefunden haben.“

Unglaublich: Schon seit 2005 lässt die Stadt die Nummernschilder registrieren – abwechselnd von verschiedenen Firman. Damals hatte der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, die neuen Anwohnerparkplätze in München zu schaffen. Sechs Jahre später ist das Gebiet innerhalb des Mittleren Rings fast vollständig in Parklizenzgebiete aufgeteilt (siehe Kasten). Trotzdem – die Zweifel bleiben: Ist das großflächige Registrieren von Kennzeichen wirklich legal? Offenbar. Auf AZ-Anfrage verweist das Planungsreferat auf folgende Rechtsgrundlage: „Es ist die Gemeindeordung in Bayern, Artikel 56 II - in Verbindung mit Artikel 16 des Bayerisches Datenschutzgesetzes“, erklärt Georg Koppen.

„Danach ist die Gemeinde zur Erfüllung ihrer Aufgaben berechtigt, Daten zu erheben.“ Zweifel, wonach diese Daten missbraucht werden könnten, tritt die Stadt entschieden entgegen. Über die Vereinbarung der Stadt mit der Privatfirma, dessen Namen das Planungsreferat nicht nennen will, sagt Sprecher Vogel: „Durch den Vertrag ist gesichert, dass Datenmissbrauch nicht stattfindet. Zumal keine Verknüpfung zwischen Kennzeichen und Fahrzeughaltern hergestellt wird.“ Vogel weiter: „Es geht nur um die Ermittlung der Parkdauer. Sobald die Firma das ausgewertet hat und ein entsprechendes Zeitdiagramm erstellt hat, werden die Daten vernichtet.“

Jetzt hat sich der Datenschutzbeauftrage der Stadt, Erhard Glaser, in den Fall eingeschaltet. So viel kann Glaser sagen: Die Ergebnisse der Kfz-Registrierung werden „in einer anonymisierten Übersicht“ dargestellt, die Einträge würden nach der Auswertung zeitnah gelöscht.

Andreas Braun ist damit nicht zufrieden. „Ich finde es nach wie vor bedenklich, dass die Daten von einer externen Firma gesammelt werden. Ich bin der Meinung, dass die massenhafte Datenerhebung nicht rechtens ist.“

 

Kommentare (16)
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JUN
22
14:53 Uhr, geschrieben von Teppich
zu Max
"Selbst wenn sie den Halter herausfindet muß das nicht der Fahrer sein und selbst wenn sie den kennt was soll sie mit den Daten machen?" warum dann das KFZ Kennzeichen vollständig aufschreiben? Rein statistisch gesehen, kann man sich anhand einfachster Merkmale einen Überblick über die Parksituation in Gebieten verschaffen, dazu bedarf es keiner Notierung des Kennzeichens. Hier soll das Parkverhalten (Kurz-Langzeit-wiederholtes-nicht wiederholtes Parken) einen Aufschluss über eine zukünftige Notwendigkeit des Parkraumes geschaffen werden. Das zu ermittlen reicht entweder Kreide oder wer unbedingt schreiben möchte:: z.B. M-dk-xxx1;-xx1;-x1. Die Auswertung der Beobachtung durch eine externe Firma, hat einen faden Beigeschmack. Auch wenn ich der Meinung bin, das die absolut überwiegende Mehrheit seriös arbeitet. Wem selbst das Auto entwendet wurde, der wird hier sicherlich keinen Beitrag zur Selbstverständlichkeit der Beobachtung preisgeben. Ganz nebenbei hat es niemanden zu interessieren, wann und wo sich Menschen in der Öffentlichkeit bewegen, es sei denn, es liegen strafrechtliche Hintergründe zur Person vor.
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JUN
20
23:08 Uhr, geschrieben von Florian
Das ist doch ein Witz!
Soviel Aufwand für ein paar Parkplätze, die sowieso nicht vorhanden sind? Ich habe -zum Glück- einen Parkplatz. Werde ich dann auch gerastert? Dass die Daten von einer externen kommerziellen Firma gesammelt werden und bei einer bürokratischen Behörde abgeliefert werden, sagt schon alles aus. Die Daten gehören zum Baureferat oder gleich zu irgendwelchen behördlichen Stellen, die mit Daten umgehen können. Wer weiß, was die Firmen mit den Informationen alles anstellen? Ein Vertrag mit einer Privatfirma soll verträglich vorgeschrieben, Missbrauch unmöglich machen? Wenn alle so denken würden, müssten die Gefängnisse leer sein... Die Realität sieht anders aus!
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JUN
20
15:39 Uhr, geschrieben von A.Voss
Das ist nicht Alles - Kennzeichen werden systematisch automatisch erfasst
Das ist leider nur die Spitze des Überwachungs-Eisbergs. An vielen Stellen des Strassennetzes befinden sich inzwischen Kameras mit Infrarotscheinwerfern, die die vorbei fahrenden Kennzeichen erfassen (warum wurde wohl vor einigen Jahren die FE-Schrift für die Kennzeichen eingeführt?). Und das obwohl ein höchst richterliches Urteil vorliegt, dass die generelle Erfasssung aller Kennzeichen rechtswidrig ist, da dadurch alle erfassten Personen kriminalisiert werden. Solche Kameras befinden sich z.B. am Südende des Candidtunnels (beide Röhren), Ingolstädter Strasse / Kreuzung Neuherbergstrasse, Ingolstädter Strasse einwärts beim McDonalds, Frankfurter Ring / Taunusstrasse, Triebstrasse / Hanauer Strasse, Dachauer Strasse / Schroppenwiesenstrasse, Petuelring Höhe BMW, Fürstenrieder Strasse / Ossingerstrasse, Starnberger Autobahn Höhe Waldfriedhof, Münchner Strasse / Leinthaler Strasse und wahrscheinlich noch weitere Standorte. Im Umland fällt Freising besonders auf. Dort befindet sich an fast jedem Ampelausleger eine Kamera. Ähnlich ist es in Dachau. Bei diesen Aktivitäten stellt sich schon die Frage, ob inzwischen alle Bürger vom "Kriminalisierungs"ministerium als Terroristen betrachtet werden. Wenn ja, dann haben die Psychosen einiger entscheidungstragender Personen voll durch geschlagen.
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