"Wenn mein Vertrag ausläuft, bin ich auch schon über 30": Der Torjäger im AZ-Interview über seine Zukunft, Lewandowskis Rekordjagd, Badstubers Pech, Guardiolas Motivation – und seine Kochkünste.

Der 26-Jährige gewann mit dem FC Bayern bereits vier deutsche Meisterschaften, drei Mal den Pokal und ein Mal die Champions League. 2014 ist er mit Deutschland in Brasilien Weltmeister geworden.

AZ: Herr Müller, Bastian Schweinsteiger hat den Verein verlassen, Philipp Lahm will 2018 aufhören, Holger Badstuber ist leider schon wieder verletzt: Haben Sie schon mal daran gedacht, dass Sie bald der einzige Bayer beim FC Bayern sein könnten?

THOMAS MÜLLER: Der Holger ist geboren in... Memmingen?

Ja, genau.

Aber aufgewachsen ist er doch in Rot an der Rot. Und das ist ja nicht mehr Bayern.

Sondern Baden-Württemberg. Als gebürtigen Memminger zählen wir ihn dazu.

Okay, aber Österreich zählt auch fast zu Bayern, da hab’ ich noch Unterstützung von David Alaba (lacht). Es geht ja auch gar nicht um das Bundesland Bayern, sondern darum, wie lange man den Verein kennt und sich mit ihm identifiziert.

Wie geht es denn Holger Badstuber nach der schweren Verletzung?

Im ersten Moment war er schockiert wie wir alle. Aber er ist ein Kämpfer, hatte schon schlimmere Diagnosen. Auch wenn man das nicht runterspielen kann: Das ist schon extrem bitter, aber er wird wieder sein Niveau erreichen. Da bin ich sicher.

Denken Sie in solchen Momenten daran, dass Sie in puncto Verletzungen bisher Glück hatten?

Wenn man sieht, wie das passiert ist bei Holger – einfach nur Pech. Er ist nicht ungeschickt hingegangen, sondern einfach im Rasen hängengeblieben. Ich bin bisher wirklich sehr gut durchgekommen.

Sie haben Ihren Vertrag kürzlich bis 2021 verlängert. War das ein Statement: Für immer FC Bayern?

Wenn man die Unterschrift unter einen Vertrag setzt, geht man auch davon aus, dass er erfüllt wird. Es ist zwar noch lange hin, aber der Verein und ich fühlen uns miteinander wohl. Wenn der Vertrag ausläuft, bin ich auch schon über 30. Ich hoffe, dass ich das Niveau halten kann, um auch die nächsten Jahre hier erfolgreich zu sein.

In letzter Zeit war die Frage ja nicht, ob Sie das Niveau halten können, sondern ob Bayern Sie halten kann.

Ja, es gab Offerten. Aber wenn man auf das Fußballerische schaut, sind wir in den Top 3 in Europa mit dem FC Barcelona und Real Madrid. Die Engländer sind zwar sehr finanzkräftig, aber ob sie deshalb auch an die europäische Spitze zurückkehren, wird man sehen. Aus sportlicher Sicht war es einfach, hier zu verlängern.

2013 haben Sie Jupp Heynckes zum Abschied den Champions-League-Sieg geschenkt. Treibt es die Mannschaft auch jetzt an, Pep Guardiola einen perfekten Abschied zu bereiten?

Wir wollen mit Pep Guardiola und gemeinsam als Team das Maximum an Titeln gewinnen, wie wir das schon die Jahre zuvor versucht haben. Wir sind sehr fokussiert.

Merkt man, dass Guardiola parallel schon die nächste Saison bei Manchester City plant?

Überhaupt nicht. Es ist eher so, dass er noch akribischer ist. Vielleicht ist das wie im Jugendfußball, wenn der Vater seinen eigenen Sohn trainiert. Dann nimmt er ihn auch eher härter ran, um sich nichts nachsagen lassen zu müssen. Außerdem: Unser Job ist total transparent. Ein normaler Mitarbeiter in einer 5000-Mann-Firma kann es vielleicht ein bisschen schleifen lassen, wenn sein Abschied feststeht. Aber bei uns sind überall Kameras. Wenn wir nicht funktionieren, kommt sofort ein anderer. Das gilt für Spieler genauso wie für Trainer.

Hat sich zwischen Ihnen und Guardiola mehr Vertrauen gebildet? Er setzt in dieser Saison noch konsequenter auf Sie als zuvor.

Wenn man bei uns mal auf der Bank sitzt, heißt es nicht, dass der Trainer einem nicht vertraut. Meine Spielzeit ist sicher konstanter, meine Leistungen sind es auch. Ich versuche, noch mehr Einfluss zu nehmen.

In den beiden Champions-League-Halbfinals der vergangenen beiden Jahre hat Guardiola Sie nicht über die volle Distanz spielen lassen. In Barcelona haben Sie nach Ihrer Auswechslung geflucht.

Das ist doch Schnee von gestern…

Glauben Sie, dass Guardiola Sie nun in einer vergleichbaren Situation wieder auswechseln würde, etwa gegen Juventus Turin kommende Woche?

Das weiß ich nicht. Wir haben in der Offensive extrem viele Möglichkeiten. Aber ich bin alt genug, um die Mannschaft wichtiger anzusehen als mich und meine Emotionen.

Kommt das erst mit dem Alter?

Die Jahre als junger Spieler geben einem die nötige Reife, um jetzt so über diese Dinge zu denken. Es liegt sicher auch daran, dass ich schon etwas gewonnen habe und weiß, wie es sich anfühlt, und dass man als Team funktionieren muss. Darauf will man die Mannschaft trimmen und als Vorbild vorangehen.

Das Zusammenspiel mit Robert Lewandowski passt perfekt. Warum verstehen Sie sich so gut?

Wenn wir beide auf dem Platz sind, hat jeder von uns mehr Raum in der Box, weil sich die Abwehr nicht nur auf einen von uns konzentrieren kann. Wir wissen, wer wo hinläuft, haben ein sehr gutes Gespür füreinander. Lewy ist der zentrale Angreifer, ich treibe mich gern um ihn herum.

Er wird heftig umworben. Wie wichtig wäre, dass Bayern ihn hält über den Sommer hinaus?

Ich weiß nicht, wie real das Werben wirklich ist (lacht). Aktuell ist ja keine Transferperiode, er hat noch lange genug Vertrag. Dass er für den FC Bayern eine sehr wichtige Rolle spielt, ist offensichtlich.

Kann Lewandowski den Rekord von Gerd Müller brechen und 40 Tore in einer Saison erzielen?

Möglich ist alles. Das würde dem Verein auf jeden Fall helfen.

Bis zum Status von Gerd Müller dürfte es für Lewandowski aber ein weiter Weg sein, oder?

Jeder Vergleich mit Gerd Müller ist hinfällig. An seinem Status für den FC Bayern wird es nichts ändern, selbst wenn der Rekord geknackt werden würde. Da wird nicht dran zu rütteln sein.

Zum Abschluss: Wir haben gehört, Sie kochen ganz gern.

Ich hab' schon mal gekocht, aber stehe jetzt nicht jeden Tag am Herd.

Was kochen Sie denn am liebsten? Bayerisch?

International – da gehört Bayerisch auch dazu.

Spanische Küche? Tapas?

Auch gut, aber hab ich noch nicht selbst gemacht.

Italienisch? Tortellini? Das ist ja das Lieblingsessen von Bald-Trainer Carlo Ancelotti.

Die Pasta selbst hab' ich jetzt noch nicht produziert, aber das gibt es ja fertig zu kaufen. Die Packung aufreißen, die Tortellini ins Wasser geben und kochen: Das kriege ich hin.