Das denkt er über Martin Gruber Bergdoktor-Star Hans Sigl: "Er wird ewig auf der Suche sein"

Der Schauspieler Hans Sigl verkörpert seit fast zehn Jahren den "Bergdoktor" und fühlt sich wohl in dieser Rolle. Foto: U. Düren/dpa

Schauspieler Hans Sigl über Martin Gruber, den er in der ZDF-Serie "Der Bergdoktor" spielt – und warum damit noch lange nicht Schluss ist.

"Servus miteinand! Grüß’ euch!" Die Fans staunen, als Schauspieler Hans Sigl (48) plötzlich im Gasthof Föhrenhof mitten in Ellmau steht. Nur kurz wollte der "Bergdoktor" vorbeischauen, ein paar Bekannten Hallo sagen, ehe er mit seinem Auto wieder abdüst. Die Fans sind so perplex, dass sie vergessen, ihr Handy zu zücken.

Solche Aktionen sind typisch für den sympathischen Schauspieler, der den Großteil des Jahres in Ellmau für die Dreharbeiten der ZDF-Serie lebt. Oder wie eine Anwohnerin in Ellmau sagt: "Neben Hans Sigl eine Wurstsemmel zu kaufen, ist bei uns Alltag."

Die AZ hat den Schauspieler am Fuße des Wilden Kaisers getroffen.

ABENDZEITUNG: Herr Sigl, was steht auf Ihrer persönlichen Bucketlist?
HANS SIGL: Von "Bucketlisten" halte ich nicht so viel, denn das würde ja bedeuten, dass man Dinge verschiebt, sich für "später irgendwann mal" vornimmt. Ich bin recht spontan und wenn mir etwas in den Sinn kommt, dann mache ich das auch.

Was verbindet Sie mit Ellmau am Kaisergebirge?
Sehr viel. Seit zehn Jahren fasziniert mich der Wilde Kaiser. Der Berg strahlt eine besondere Kraft aus. Er macht ruhiger und ist eine stabile Größe im Leben aller, die hier wohnen. Jeden Tag, wenn ich zur Bergspitze schaue, ist sie anders. Es sind hier Freundschaften entstanden und es gibt nach wie vor eine große Liebe und Faszination für die Landschaft, die Menschen, deren Gastfreundschaft – und natürlich auch die großartige Küche hier.

Gibt es das Berg-Idyll in Wahrheit, das Sie darstellen?

Das Idyll der grandiosen Landschaft gibt es natürlich, aber die Geschichten, die wir erzählen sind ja bei weitem nicht so idyllisch, wie Ihre Frage vermuten lässt. Es gibt viele Konflikte in der Familie, emotionale, tragische Krankengeschichten und das Privatleben des Martin Gruber war in den vergangenen Jahren auch nicht so richtig harmonisch. Wir sind also weit entfernt von Kitsch und Idyll.

Wie geht es denn weiter in der elften Staffel?
Ich will nicht zu viel verraten, aber es taucht Martins verschollener Onkel auf, der viel Staub aufwirbelt und die Familie zu entzweien droht. Selbst wir Schauspieler waren überrascht, in welche Richtung sich die elfte Staffel entwickelt. Da bleibt kein Stein auf dem anderen. Martins einziger treuer Gefährte ist und bleibt sein Auto.

Das Auto? Wie das?
Das Auto ist für die Serie und für mich persönlich sehr wichtig geworden. Wir haben zusammen schon tolle Sachen erlebt und viele emotionale Szenen spielten in diesem Wagen... Unser Ausstatter hatte den Oldtimer von einem 70-jährigen Mann in Murnau gekauft. Der hatte damals Tränen in den Augen, als sein Wagen vom Hof fuhr. Das Auto hat einen Charme und eine Wärme, die besonders ist. Für einen Lawinen-Stunt, der im Winterspecial vorkommt, brauchten wir ein Double unseres Wagens und das fühlte sich sehr komisch an. Obwohl beide Wagen optisch kaum zu unterscheiden sind, fühlte ich mich im Stunt-Auto lange nicht so wohl.

Fragen Fans Sie noch nach medizinischem Rat?
Die Zuschauer können zwischen der Rolle und mir als Menschen unterscheiden. Sie wissen, dass ich kein echter Arzt bin. Aber es kommt manchmal vor, dass mir eine sehr private Lebensgeschichte erzählt wird. Da bin ich dann erst einmal sprachlos über das Vertrauen.

Warum?
Es sind hin und wieder sehr persönliche Dinge, die man mir erzählt. Vielleicht schafft es Vertrauen, wenn man über Wochen jeden Donnerstag bei den Menschen quasi im Wohnzimmer zu Gast ist.

Kam je der Wunsch auf: Ach, wäre ich doch Arzt geworden?
Meine Berufswünsche waren in jungen Jahren vielfältig, aber Arzt stand nie auf der Liste. Ich wollte auch nie Koch werden, obwohl ich gerne Kochsendungen schaue.

Gibt es echte Freundschaften am Set?
Wenn man über einen so langen Zeitraum, so eng zusammenarbeitet, entwickeln sich natürlich auch Freundschaften. Das geht mir mit meiner Gruber-Familie so und natürlich mit Mark Keller. Wir haben einen sehr guten, sehr engen Draht, wissen einiges voneinander und telefonieren häufig. Mein Herz hängt an all diesen Menschen, an unserer Arbeit, der Serie.

Gibt es Konkurrenz untereinander?
Konkurrenzdenken hat am Filmset nichts zu suchen. Die Arbeit würde nicht funktionieren.Wir drehen acht Monate im Jahr und haben dabei viel Spaß. Für den Geschmack des Regisseurs manchmal etwas zu viel Spaß. Es kommt vor, dass Mark und ich einen Anpfiff kassieren und gebeten werden zum Lachen nach draußen zu gehen, um danach ernst weiterzudrehen.

Hand aufs Herz: Wird Martin je die Frau fürs Leben finden?
Never. Martin ist der einsame Wolf, er wird nicht verheiratet auf dem Gruberhof sitzen und gemütlich in den Abend schaukeln. Er muss auf der Suche bleiben.

Wie lange werden Sie noch der Bergdoktor sein?
Mir macht die Rolle nach wie vor Spaß. Es wird glaube ich noch eine ganze Weile dauern, bis ich morgens aufwache und denke, die Geschichte von Martin ist auserzählt. Staffel 12 ist bestellt und Staffel 13 schon angedacht.

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