Der neue Golf wirkt prägend, Mercedes bläst zum Angriff, Opel versucht einen Imagewandel. Leichtbau und Assistenzsysteme sind die großen Themen.

MÜNCHEN Golf, Golf, Golf – blickt man zurück auf das Autojahr 2012, gab es über weite Strecken kaum ein anderes Thema als die siebte Generation des VW-Bestsellers. Im Herbst kam der Wagen in den Handel. „Dieses Auto prägt das gesamte Modelljahr”, sagt Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach.

Dabei denkt der Automobilexperte vor allem an die Ausstattung mit Assistenz- und Komfortsystemen, wie 3D-Navigation, Abstandsregler und Notbremssystem, die über den Golf große Kundenschichten erreichen werden. „Damit schreitet die Vernetzung des Autofahrers und die Automatisierung des Fahrbetriebs in ausgewählten Situationen weiter voran”, ist Bratzel überzeugt. Zumal der Golf ja nicht alleine kam.

Die neue Golf-Auflage steht auch für die Einführung des Modularen Querbaukastens im VW-Konzern, aus dem laut Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg mehr als zwei Dutzend Fahrzeuge entstehen sollen.

Modelle wie der Audi A3 und der Seat Leon sind schon enthüllt, mit Autos wie dem Skoda Octavia und dem Golf Variant geht es 2013 weiter. „Dieses Produktionssystem bringt den Niedersachsen einen gewaltigen Kosten- und Wettbewerbsvorteil”, sagt Professor Franz-Rudolf Esch vom Automotive Institute for Management in Wiesbaden.

Während VW die Stärken des Golf weiter ausbaute, setzten andere Hersteller auf einen Imagewandel. „A wie Angriff”, war das Motto von Daimler-Chef Dieter Zetsche, als er im Frühjahr die neue A-Klasse auf den Weg brachte. Flacher gezeichnet und sportlicher abgestimmt als je zuvor: Der Kompakte mit Stern ist kaum wiederzuerkennen.

Ebenfalls einen Imagewandel versucht der krisengeschüttelte Autobauer Opel mit dem Adam. Der Kleinwagen kommt so bunt und modisch daher wie der Fiat 500 oder der Mini. Entwickelt in Rüsselsheim und gebaut in Eisenach, ist er außerdem ein Gegenpol zur Globalisierung im GM-Konzern und gilt deshalb als Hoffnungsträger.

Schicksalsmodelle wie den Adam haben auch andere Hersteller enthüllt. Peugeot 208 und Renault Clio werden genauso über Wohl und Wehe ihrer Erbauer entscheiden wie der Erfolg von Leon und Toledo über die Zukunft von Seat. Auch mit Imageträgern stehen die deutschen Autobauer nicht alleine da: Toyota bietet mit dem GT-86 nach langer Pause wieder einen Sportwagen an. Und Jaguar findet mit dem Roadster F-Type zurück zum legendären E-Type.

Der neu aufgelegte Range Rover als Mutterschiff unter den luxuriösen Geländewagen dürfte ebenfalls aus dem Autojahr 2012 in Erinnerung bleiben. Mit 420 Kilogramm Gewichtseinsparung steht das Land Rover-Topmodell auch für den anhaltenden Leichtbautrend. Der Toyota Prius wurde zum ersten Plug-in-Hybriden auf dem deutschen Markt. Die koreanischen Aufsteiger Hyundai i30 und Kia C'eed konnten sogar VW-Chef Martin Winterkorn Respekt abringen.

Fast all diese Neuheiten spiegeln die großen Techniktrends des Jahres 2012 wider. Für viele Experten sind das vor allem die Interneteinbindung im Fahrzeug, das konsequente Downsizing der Motoren bis hin zu Drei- und Zweizylindern, die zunehmende Ausbreitung von Assistenzsystemen wie Notbremsfunktionen und Spurführungshilfen sowie der Leichtbau.

Mehr als 100 Neuheiten in allen Segmenten, vielversprechende Technologien für mehr Sicherheit, Komfort und Effizienz und stetig wachsende Flotten beim Carsharing zeugen von der Innovationsfreude der Autoindustrie. Zumindest in einem Punkt kommt der Fortschritt aber nur im Schneckentempo voran: bei der Elektromobilität. „Da hat sich 2012 eine große Ernüchterung breit gemacht”, sagt Bratzel. Die Forderung der Bundesregierung nach einer Million Zulassungen bis zum Jahr 2020 scheint mittlerweile unerreichbar. Bisher sind erst weit weniger als 10 000 E-Autos in Deutschland zugelassen.