Der Niederländer trainiert nach überstandener Grippe wieder mit der Mannschaft und arbeitet an seinem Comeback. „Ich war froh, dass 2015 vorbei war“, sagt er und nennt Müller jetzt als Vorbild.

Doha - Dass Arjen Robben gerne mit schnellem Schritt unterwegs ist, ist nicht nur auf dem Fußballplatz eines seiner Markenzeichen. Ein wenig überraschte es dann aber doch, welch zackigen, ja fast schon hektischen Eindruck der Niederländer in den vergangenen beiden Tagen auf dem Trainingsplatz in Doha hinterließ – selbst wenn es nur darum ging, den Weg zur nächsten Übung zurückzulegen.

 

Erstes Mannschaftstraining am Sonntag

 

Es schien fast so, als habe Robben das Gefühl, etwas aufholen zu müssen. Beispiel gefällig? Während seine Teamkollegen sich stets und äußerst bequem von einem Golfcart zwischen Trainingsplatz und Teamhotel hin und her kutschieren ließen, joggte Robben nach einer Übungseinheit mal eben noch zurück.

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Der 31-Jährige sieht eben Nachholbedarf. Denn eigentlich hatte er sich den Aufenthalt des FC Bayern in Katar ja ganz anders vorgestellt. „Ich war drei, vier Tage nur im Hotel, das ist schon blöd“, sagte der Niederländer, der bei seiner Rückkehr von einer Grippe ausgebremst worden war. Bayerns Mr. Tatendrang zur Untätigkeit verdammt. „Ich bin ein bisschen erkältet noch, aber es geht wieder“, sagte er gestern und klang dabei tatsächlich immer noch ein wenig verschnupft. Am Sonntag hatte er das erste Mal wieder mit der Mannschaft trainiert, und nun schon drei Einheiten in Doha hinter sich. „Das Wichtigste für mich ist, jetzt zurückzukommen und dann da zu bleiben.“

Robben hat ein frustrierendes Fußballjahr hinter sich, seit dem Piräus-Spiel Ende November kam er aufgrund muskulärer Probleme nicht mehr zum Einsatz. „Ich habe alles gehabt im letzten Jahr. Ich war froh, dass 2015 vorbei war“, blickt Robben zurück: „Bis März hatte ich zwei super Jahre, alles ist top gelaufen. Dann begann das Pech mit dem Foul gegen Gladbach, als ich blöd gelandet bin und den Bauchmuskelriss hatte.“ Beim Comebackversuch im Pokalhalbfinale gegen Dortmund erlitt er dann einen Muskelbündelriss, der das Saisonaus für ihn bedeutete. Eine Adduktorenverletzung, die er im September bei der Nationalelf erlitt, verursachte dann die nächste Zwangspause.

 

Müller ist ein "Wahnsinnstyp"

 

„Es kamen wieder mehrere Verletzungen und Probleme. Alles unglücklich“, sagte er nun: „Jetzt heißt es: Schnell abhaken. Dieses Jahr will ich einfach gesund bleiben und neu anfangen. Das ist mein Ziel.“ Ein Vorbild dafür hat er in den eigenen Reihen gefunden: Thomas Müller. „Er ist ein Wahnsinnstyp und ist nie verletzt“, sagte Robben anerkennend und fügte schmunzelnd hinzu: „Er kann sich ja nicht verletzen, hat ja nur Haut und Knochen.“

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Aber nicht nur Müllers makellose Krankenakte, sondern vor allem auch die Darbietungen der beiden Neuzugänge Douglas Costa und Kingsley Coman fielen Robben positiv auf: „Die haben es sehr gut gemacht in der Hinrunde. Vor allem Douglas hat viele Leute beeindruckt.“ Ist sein eigener Stammplatz dadurch etwa gefährdet? „Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich habe keine Angst“, sagte Robben und fügte hinzu: „Wenn du fit bist, willst du immer spielen.“

Unter Trainer Pep Guardiola tat Robben das bislang immer. „Ich bedauere, dass Pep geht. Er hat in meiner Karriere eine wichtige Rolle gespielt, ich habe viel von ihm gelernt“, sagte Robben: „Wir haben uns für dieses halbe Jahr noch sehr viel vorgenommen.“ Torhüter Manuel Neuer freut sich, dabei Robben wieder in seiner Mannschaft zu haben.

Der sei schließlich „gerade auch international ein gefürchteter Spieler“. Das internationale Schreckgespenst Robben hat auch als Oranje-Kapitän noch einiges vor: Nach der verpassten EM soll es zur WM 2018 in Russland gehen. „Da will ich hin, das ist mein Ziel, sonst hätte ich ja meine Nationalelf-Karriere auch beenden können. 2018 bin ich erst 34.“ Und mit Sicherheit auch dann noch voller Tatendrang.