Die Macher vom „Anh-Thu“ in der Kurfürstenstraße haben Anfang Juni einen Ableger eröffnet: Das Schwabinger „Cochinchina“ glänzt mit urbanem Chic und vietnamesischer wie chinesischer Küche

Anh-Thu hatte sich Libellen gewünscht. Wie sie in ihrer Heimat Südvietnam zuhauf durch die heiße Luft flirren. Die Libelle, das ist für sie ein Symbol ihrer Heimat. Ihr Mann Hieu Tran war sich nicht sicher, so ein Libellenbild, das hat doch etwas kitschiges. Und es hängt auch kein Bild der Tiere im neuen Cochinchina, das erst vor ein paar Tagen eröffnet hat.

Die Innenarchitektinnen Natalie Nguyen-Ton und Caro Schneider haben das Wesen der Libelle im Design eingefangen. Acht Monate hat es gedauert, bis das Restaurant in dem Neubau in der Kaiserstraße fertig war. Jetzt hängen die bunten Stofflampions aus Bangkok an ihrem vorbestimmten Platz, ein Tisch, aus einem einzigen Nussbaum geschlagen, nur für das Cochinchina im Wald ausgesucht, hat sogar schon eine Geburtstagsfeier hinter sich.

Und überall im Raum hat die Libelle ihre Flügelschläge hinterlassen: Die Trennwände sind ihren zerbrechlichen Flügeln nachempfunden, die schillernden Farbenspiele ihres Chitinpanzers finden sich in den Polstern, den Wänden, sogar den Kerzenhaltern und den Speisekarten wider. Ein schöner Kontrast zu Granitboden und -bar.

Anders als in vielen asiatischen Lokalen, wie auch im ersten Lokal des Paares, dem Anh-Thu, sitzen die Gäste hier nicht eng aufeinander, sondern großzügig über den Raum verteilt. Ein urbaner Chic mit asiatischen Einflüssen, wie man ihn nicht oft hat in der Stadt.

„Das Anh-Thu ist unser Baby“, sagt Hieu Tran über das Restaurant in der Kurfürstenstraße. „Aber wir müssen so viele Leute wegschicken.“ Anh-Thu in der Küche, Hieu Tran bei den Gästen, so haben sie sich ein großes Stammpublikum erobert. Jetzt haben sie einen Ort, nicht weit entfernt in der Kaiserstraße, den sie ihren Gästen ans Herz legen können, wenn das Anh-Thu mal wieder ausgebucht ist.

Das funktioniert schon so gut, dass auch das Cochinchina abends nur mit Reservierung aufgesucht werden sollte. Auch hier finden die Gäste gehobene vietnamesische Küche, auch ausgefallenere Spezialitäten. Ob das ein „crispy soft shell“, ein Taschenkrebs (11,90) zur Vorspeise ist (7,90 Euro) oder marinierte Spareribs mit Zitronengras (8,90), Hauptgerichte zum Selbstrollen (ab 17,90) oder Reisnudelschalen (ab 15,90).

Und nicht nur die vietnamesische Küche spielt im Cochinchina eine Rolle: Auch chinesische Spezialitäten wie Wan Tans oder zum Beispiel chinesische Dampfnudeln mit gegrillter Ente, Lauch und Gurkenstreifen (11,90) bereitet die Küche zu, dazu Fusiongerichte wie gegrillte Peperoni mit Bonitoflocken.

Wer mag, bestellt noch einen Kumquats Mojito oder einen Saigon Cooler mit Sake (8,90) und lässt die Farbspiele im Cochinchina auf sich wirken.

Hieu Tran mag den Namen, weil er wie das italienische Wort für Küche klingt. Cochinchina, das ist übrigens ein alter Name für Südvietnam. Anh-Thus Heimat, durch die die Libellen flirren. 


Kaiserstraße 28, täglich 11.30 14.30 und 18 bis 0 Uhr, cochinchina.de, Tel.: 38 98 95 77