Clubfestival der jungen Musikszene "Manic Street Parade": München kann Subkultur

Am Gärtnerplatz setzt die städtische AKIM-Stelle inzwischen Konfliktmanager ein, um zwischen Bewohnern des Viertels und Feiernden zu vermitteln. Derzeit bereitet AKIM auch eine Strategie vor, um das Feiern in Bars und Clubs besser mit den Interessen der Anwohner vereinbar zu machen. Foto: dpa

Mit einem Clubfestival setzt sich Julia Viechtl gegen den Ruf der Stadt ein keine junge Kulturszene zu haben.

Isarvorstadt - Julia Viechtl betreibt Lobbyarbeit für die junge Musikszene der Stadt: Früher spielte sie selbst in der Indie-Band "Fertig, Los!", heute vernetzt sie bei der "Fachstelle Pop" im Feierwerk Künstler und veranstaltet Events. Heute und morgen findet zum zweiten Mal das Club- und Musikfestival "Manic Street Parade" statt, das sie mitorgansiert. Mit der AZ hat sie vorab über die junge Musikszene und das Nachtleben in der Stadt gesprochen.

AZ: Julia, in München vergleicht man sich in Sachen junger Kultur gerne mit Berlin. Du magst den Vergleich nicht. Warum?
JULIA VIECHTL: Wenn man sich ständig mit anderen vergleicht, macht man sich selbst so klein und München hat keinen Grund dazu. Wir sind eine unfassbar kreative, kulturell interessante Stadt. Natürlich sind wir nicht Berlin, aber das ist doch irrelevant.

Trotzdem kann man sich ja bei anderen Städten Tipps holen. Gibt es Beispiele, was München von anderen Städten lernen kann?
Da kann man schon mal nach Berlin gucken. Dort wurde vor Jahren erkannt, dass die Clubkultur das Aushängeschild der Stadt ist. München Tourismus hat bei einer Befragung ebenfalls herausgefunden, dass viele Touristen das Nachtleben hier am besten fanden. Das könnte man politisch umsetzen und gerade kleinere Läden mehr unterstützen. Auch Amsterdam macht viel richtig. Dort gibt es zum Beispiel einen Nachtbürgermeister, ein Interessenvertreter der Clubs, der zwischen Verwaltung und Clubszene geschaltet ist. Der hat unfassbare Verbesserung für beide Seiten erreicht.

Dein Clubfestival Manic Street Parade ist ebenfalls ein Beitrag zur jungen Musikszene in der Stadt. Letztes Jahr gab es das zum ersten Mal. Wie war die Erfahrung?
Am Anfang wurde uns noch die Frage gestellt, ob München so etwas wirklich braucht, am Ende waren die Karten ausverkauft. Die Clubs und Bars hatten wahnsinnig große Lust darauf, das ganze Viertel war total belebt und wir hatten null Beschwerden wegen Lärm oder ähnlichem.

Deswegen gibt es dieses Jahr auch gleich Teil zwei.
Genau. Dieses Jahr wird total spannend, weil wir von einem Abend auf zwei Abende gehen. Außerdem gibt es ein Tagesprogramm die Manic Day Parade. Mit Podiumsdiskussionen und Vorträgen wollen wir dabei über den Zusammenhang von Stadtpolitik und Nachtleben sprechen. Dabei ist auch der eben erwähnte Nachtbürgermeister.

In München gibt es wegen des Nachtlebens ja oft Ärger. Wie könnte das deiner Meinung nach verhindert werden?
Es muss dringend der Dialog zwischen Politik und Verwaltung und den Bürgern verbessert werden. Es reicht bei so einer stark verdichteten Stadt nicht, das Ganze sich selbst zu überlassen. Kulturelle Ausdrucksformen sind unfassbar wichtig für eine gesunde Stadtgesellschaft. Die positiven Seiten des Nachtlebens müssen anerkannt und mögliche Konflikte mitgedacht werden. Das AKIM-Team zum Beispiel ist gerade dabei, eine referatsübergreifende Strategie für das nächtliche Feiern zu entwickeln. Das ist ein toller Schritt.

Was müsste die Stadt denn generell tun, um die Pop- und Subkultur besser zu fördern?
Musiker und Kreative müssen sich mehr wertgeschätzt fühlen. Dazu muss die Infrastruktur verbessert werden. Da ist neben dem Kulturreferat, auch das Wirtschaftsreferat, das Sozialreferat und das Planungsreferat intensiv gefordert. Zum Beispiel bei der Stadtplanung sollte in dieser schnell wachsenden Stadt nicht "nur" an Kindergärten, Schulen, Wohnungen und so weiter gedacht werden. Natürlich braucht es die, aber wo sind die Flächen, auf denen Kultur stattfinden kann? Wo gibt es Livemusik und wo ist Platz für das Nachtleben, in dem sich Leute ausprobieren und Dinge entstehen können?

Glaubst du, dass in München Verbesserungen in diesem Bereich möglich sind?
Natürlich. Schon alleine, weil sich schon viel verbessert hat.

Was zum Beispiel?
Zum Beispiel vergibt die Stadt jedes Jahr dreimal 6.000 Euro als Musikstipendium. Letztes Jahr haben das Lali Puna aus dem popkulturellen Bereich bekommen. Das Kulturreferat ist da ganz offen, fördert auch oft subkulturelle Dinge. Es gibt viel Gutes, das Problem ist, dass das oft nicht sichtbar und transparent ist.

Wenn du dir wünschen könntest, wie München in zehn Jahren mit dem Thema umgeht, wie sehe das aus?
Musik und Subkultur wären ein wichtiger Bereich der Stadtplanung. Ich weiß, dass schon jetzt in neuen Schulen Bandräume mitgedacht werden, die auch unabhängig von der Schule genutzt werden können. So etwas ist Wahnsinn – mehr davon!

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