Beim Münchner Christopher Street Day am 14. Juli 2012 geht es dieses Mal um Solidarität mit Schwulen und Lesben, die in anderen Ländern verfolgt werden.

München  – Schrille Dragqueens, schwule Plattler, lesbische Tänzerinnen: Am Samstag, 14. Juli, findet in München zum 33. Mal die Parade zum Christopher-Street-Day statt – eine Veranstaltung, die in vielen Ländern der Welt nicht möglich wäre, weil Homosexuelle und Transgender dort gesellschaftlich geächtet sind, strafrechtlich verfolgt werden oder ihnen gar die Todesstrafe droht. Deshalb haben die Veranstalter heuer die gesamte Prideweek (7. bis 15. Juli) unter das Motto „Fight for global rights – Solidarität kennt keine Grenzen“ gestellt.

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Die Organisation Transgender Europe habe in den vergangenen vier Jahren weltweit 816 Mordfälle gezählt, bei denen die Transsexualität des Opfers das einzige Motiv war, sagt CSD-Sprecherin Rita Braaz. In 76 Ländern müssen Lesben, Schwule und Transgender mit Haft rechnen, wenn sie sich outen. In Iran, Saudi-Arabien, Mauretanien, Somalia, Benin, dem Sudan und dem Jemen wird gleichgeschlechtliche Liebe mit dem Tod bestraft. Wie schwierig es selbst in Münchens Partnerstadt Kiew für Schwule und Lesben ist, in eigener Sache durch die Straßen zu ziehen, zeigte sich Ende Mai: Der CSD in der Hauptstadt der Ukraine musste aus Sicherheitsgründen abgesagt werden, weil Rechtsradikale und Ultra-Orthodoxe Jagd auf die Teilnehmer gemacht hatten (AZ berichtete). All das fände seit Jahrzehnten in Politik und Öffentlichkeit kaum Beachtung. „Hunderte Millionen Menschen können nur unter ständiger Angst vor Erpressung und Verfolgung, nur unter Gefahr für Leib und Leben schwul oder lesbisch leben“, geben die CSD-Sprecherin und Rosa-Liste-Stadtrat Thomas Niederbühl zu bedenken. „Es ist höchste Zeit, diese unwürdige Situation zu beenden.“

Doch die Veranstalter wollen den Blick der Öffentlichkeit nicht nur auf die Situation im Ausland lenken. Homosexuelle, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, stehen auch hier häufig vor großen Problemen. „Es kann nicht sein, dass wir schweigen, wenn eine iranische Lesbe einen Asylantrag stellt und der dann mit der Begründung abgelehnt wird: Wenn sie sich unauffällig verhält, kann sie in ihrer Heimat überleben“, sagt Rita Braaz. Zudem erlebten viele Homosexuelle in Flüchtlingslagern Diskriminierung und Gewalt – auch in Bayern. „Es kann nicht sein, dass wir uns nur um unsere eigenen Angelegenheiten kümmern“, appelliert Rita Braaz deshalb an die schillernde Szene der Stadt.

Oberbürgermeister Christian Ude, seit 1994 CSD-Schirmherr, stimmt ihr zu. „Dieser Christopher Street Day ist thematisch einer der bedeutendsten“, findet er. „Es ist unglaublich wichtig, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Menschenrechte universelle Rechte sind. Und dieses Thema ist ein Beitrag zur Menschenrechts-Diskussion.“ Trotzdem wird der OB zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht bei der Parade mitmarschieren. Er muss zum SPD-Parteitag nach Bamberg, zur Schlussbilanz in Sachen dritte Startbahn.

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